Vom Dialog
vom Dialog zwischen Menschen und Glaubenswelten
Von Hans H. Weber, Goldiwil vom 06. Januar 2020
Der «säkulare» DIALOG und die Glaubenswelten Prolog: Vom dringend notwendigen Vorstoss der Kirche zum Dialog auf gleicher Augenhöhe, das verkündet der Priester während einer Predigt. Auch zitiert er Jürgen Habermas, der kürzlich 90 Jahre seines erfolgreichen Lebens als Philosoph hinter sich gebracht hat. Ein Ansporn, um sich auf diese Aufforderung einzulassen. Nicht in Gedanken oder dem «man sollte», sondern mit Mut und Tatkraft. Mich hat diese Predigt aufgestachelt, den Prediger beim Wort zu nehmen. Im Wissen, dass die sogenannte «Stimme des Volkes», sehr gut zu manipulieren ist! Ich fürchte jedoch es waren Worthülsen. Ein Wort zur «Diplomatischen-Sprache». Gemäss meinen Erfahrungen als Diplomat im intermilitärischen Bereich, sind alle Gespräche auf diplomatischer Ebene nicht mehr als ein unverbindlicher «Small-Talk». Freundlich verfloskelt, ein Problem mund- und sinngerecht zu begraben. Wenn ich etwas mitteilen will, oder die Meinung des Partners erfahren will, dann nur im DIALOG auf gleicher Augenhöhe. Aber wie und wo? «Sit down and talk with me»! Nicht in einem Fahrzeug, nicht in einem öffentlichen Raum, gut in einer Parkanlage mit kleinen Nischen, nicht in einem öffentlichen Transportmittel. Möglichst anonym! Zitate von Jürgen Habermas: «Gerechtigkeit lässt sich nur im Gespräch finden, im vernünftigen und herrschaftsfreien Diskurs aller Betroffenen»! «Moralische Normen und politische Gesetze müssen konsensfähig und demokratisch legitimiert sein»! «Damit ein freier und fairer Austausch der Argumente aber gelingen kann, braucht es öffentliche Medien»! Jürgen Habermas, über eine neue Sprache in der Sozial- und Kirchenpolitik: Ein Artikel, der kürzlich über das brennende Problem betreffend Entfremdung der Gesellschaft gegenüber den politischen Volksparteien und den kirchlichen Institutionen berichtete, hat mich bewogen, aus meinen Erfahrungen zu reflektieren. Der bekannte Soziologe und Philosoph, Jürgen Habermas, mahnte, dass die sozialen und kirchlichen Institutionen lernen müssen, mehr auf die Sprache der säkularen Welt ihrer Gefolgschaft zu achten. Den Dialog auf gleicher Augenhöhe pflegen. Habermas deutet auch darauf hin, dass das Vakuum, das die Entfremdung der Gesellschaft hinterlässt, sogleich durch Fundamentalisten aufgefüllt werden kann. Er spricht davon, dass der liberale Staat mit dem religiösen Fundamentalismus unvereinbar ist. Diese Worte interpretiere ich als Aufforderung, den Kontakt zur «schweigenden Mehrheit» zu suchen. Darauf achten, mit weniger Expertenwissen, vermeiden von politischen und kirchlichen Grabenkämpfen, keine Selbstdarstellungen, keine Schuldzuweisungen, mehr Ehrlichkeit und die Fähigkeit eigene Fehler einzugestehen, könnten etwas beitragen. Sind die Institutionen zu einer Verpackungsindustrie mutiert? Die Verpackungsindustrie erfüllt den Zweck, das Notwendige was zusammengehört zusammen zu halten, verfügt jedoch nicht über die Entscheidung zu bestimmen was zusammengehört. Die Gefahr
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zu einem kalten, technokratischen Selbstläufer zu mutieren ist gegeben. Das politische System etablierter Volksparteien fördert den Zweck, sich nur noch auf ihre Schlagwörter zu fixieren, anstelle sich mit deren Inhalten auseinander zu setzen. Wenn ihnen die Zeit und die Wähler davonlaufen verfügen sie über keinen «Plan B». Wenn eine Volkspartei damit an die Öffentlichkeit gelangt, den Wasserverbrauch ihrer fremden Asylsuchenden auszurechnen, kann diese an der Unfähigkeit gemessen werden, die politischen Realitäten zu ignorieren. Bewahren heisst, sich dem Gesetz des Beharrungsvermögens zu unterwerfen. Die Kirchen versuchen krampfhaft ihre Gläubigen zu mehren, verlieren jedoch viele durch Kirchenaustritte. Die katholische Kirche sucht mit unzulänglichen Antworten den mündigen Frauen das Patriarchat zu erklären. Die Herausforderungen der gegenwärtigen säkularen Gesellschaftsordnungen an ihre Institutionen warten auf Erfüllung und Verständnis. Was über zweitausend Jahre Bestand gehabt hat, darf gemessen an der Gegenwart ruhig hinterfragt werden. Der nachhaltigste Druck kommt nicht von oben, sondern von unten, von der Strasse! Es ist eine durch die Menschheitsgeschichte bewiesene Tatsache, dass jedes Regime, dass die politischen wie volkskirchlichen Begehren ihrer Basis nicht realisiert, durch den Druck «von der Strasse» her zu Reformen gezwungen wird. Trotzt dem gegenwärtigen Unwort «Nachhaltigkeit», es braucht Druck und Nachdruck. Weltpolitische Lage: Ein Drittel meiner Familie sind US-Amerikaner, Informationen aus erster Hand sind mir dadurch gewährleistet. Mein Sohn, Christoph Weber, erzählt mir, dass im Gegensatz zur «reichen» Schweiz» im Vergleich zu ländlichen Szenen in Pennsylvania, Ohio, Arkansas, Kentucky und West-Virginia, die Wohnhäuser und Bauernhöfe der ganz normalen Bürger ein Bild der Vernachlässigung zeichnen. Was ist passiert? Überall wo sich Armut zeigt sind fundamentale christliche und politische Organisationen zur Stelle, um die Betroffenen zu befreien. In Alabama, soll ein menschenunwürdiges, scharfes «Anti- abortion-law» (Schwangerschaftsabbruch-Gesetz) durchgeboxt werden. In den Staaten von Arkansas, und Missouri steigt der Klux-Klux-Clan aus seinen Gräbern. Im Biblebelt von Texas, schiessen Erweckungskirchen der «Born again-Bewegung» ins Kraut. Sie versammeln eine rassistische, weisse Bürgerschaft in ihren Kirchen. Das Gift der NEONAZIS in mehreren Südstaaten verbreitet sich durch die gegenwärtig schwierige innenpolitische Lage bis nach Europa aus. An der «neuen Mauer» in Texas sterben Flüchtlinge und werden Familien zerrissen. Ein zehnjähriger Knabe predigt im Brasilien für den Präsidenten Jair Bolsonaro. Auch eine Art Missbrauch an Kindern, einer christlichen Bewegung eine Stimme zu geben. Fundamentale christliche Bewegungen sind seit jeher die Zeichen einer breiten Glaubensverdrossenheit. Solch charismatische Weltverbesserer, sind im Gefolge von Verarmung und Werteverlusten. In unserem europäischen Kontinent wird eine Umwälzung politischer und sozialer Systeme immer wahrscheinlicher. Die Volksparteien finden den Weg zu ihren Wählern nicht mehr. Die Kirchen arbeiten gleichermassen an einer Erneuerung, um ihre verlorene Wahrhaftigkeit zurück zu gewinnen. Nicht jammern, sondern Handeln! «Sit down and Talk with me»! Auf einer Wanderung im Canyon de Chelly, im US- Bundesstaat Arizona, traf ich einen Navajo-Indianer, ein Ureinwohner dieser Gegend. Die Navajos begegnen uns Weissen mit
grösster Zurückhaltung. Umso mehr war ich überrascht, dass der junge Mann mich aufforderte, mich neben ihn zu setzen, um in Ruhe miteinander ein Gespräch zu führen. Er begann: «Ich arbeite in Santa Fee und muss jede Woche einmal an diese Stelle zurückkehren, um mit der Natur, dem Wasser und den Winden Verbindung aufzunehmen. Ich kann dir in diesem Canyon Stellen zeigen, an denen die seltensten Medizinpflanzen wachsen, wenn du willst führe ich dich dorthin». Vor uns, über dem Fluss hin zur Steilwand des Canyons, sehen wir auf die Ruinen einer Pueblo-Ursiedlung. «Siehst du dort unsere Ruinen? Aber wir sind immer noch da, in der Gemeinschaft unserer Vorfahren, es ist der Geist unserer gemeinsamen Mutter Erde, die uns dich und mich einander begegnen liess»! Das: «Sit down and Talk to me» realisierte sich erst Jahre später in meinen Handlungsmustern. Damals traf ich einen Menschen einer fremden Kultur der mich, den «Fremden», aufforderte mit ihm ein Gespräch zu führen. Kleiner Austausch von Alltäglichkeiten unter gleicher Augenhöhe. Erst nach meiner Pensionierung und meiner Arbeit zu Gunsten der Kirche, erinnere ich mich dieser Episode. Mit Freunden aus dem freikirchlichen und landeskirchlichen Umfeld der Region Thun, sitze ich gemeinsam am runden Tisch. Wir sprechen von Menschen, zu Mensch über Gott und die Welt. Meistens sind es Teilnehmer zwischen sieben und acht christlichen Kirchen. Vom ersten Mal und nicht zum letzten Mal im Dialog auf gleicher Augenhöhe. Wir stellen Gemeinsamkeiten fest. Wir sprechen über differente Glaubensansichten. Wir erfahren eine lebendige Glaubenswelt unter Christen. Jeder in seiner kirchlichen Heimat geborgen, ohne Vorurteile aber auch mit Fragen. Fragen finden am ehrlichsten durch das gegenseitige Zuhören in der Gemeinschaft Antworten. Kein Diktat von oben, sondern das Zusammensein an der Basis der Glaubenswelten. Desgleichen, zusammen mit meinen muslimischen Freunden, beim Mittagsgebet in ihrer Moschee. Wir kenn einander, wir achten und akzeptieren einander unbesehen der Religionszugehörigkeit. Da werden Sorgen und Erlebnisse ausgetauscht. Differenzen in der sozialen Gemeinschaft, Gemeinsamkeiten im Glauben an den Einen Gott. In gegenseitiger Bekümmertheit, wenn irgendwo auf der Welt Fundamentalisten das Ziel haben, durch Terror ihren «Unglauben» verteidigen zu müssen. Mitmenschen aus einer anderen Kultur, aus einem anderen Glauben. Wir sitzen zusammen und reden miteinander. Danach können wir feststellen, dass wir alle die gleichen Menschen sind. Gleich im Fühlen, gleich im Glauben, gleich den Frieden suchend. Die Säkularität in der Geschichte des 20. Jahrhunderts: Der Untergang der Morgen- und abendländischen Reiche: Die Selbstzerstörung des morschen Kaiserreichs Österreich-Ungarn, das Gerippe des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nationen wurde durch den Druck der Strasse beschleunigt. Das junge Deutsche Kaiserreich zerbrach im Ersten Weltkrieg unter seinem grössenwahnsinnigen Kaiser. Das Osmanische Reich konnte der aufkommenden Moderne und dem Druck der Partei der Jungtürken nicht mehr standhalten. Das längst zur eigenen Last gewordene Zarenreich Russlands wurde radikal hinweggefegt. Was war geschehen? Aus der Diskrepanz zwischen Volk und Herrscher wurde ein explosiver Zweikomponentensprengstoff. Die Lunten Träger warteten schon längst auf das Signal loszuschlagen. Alle vormaligen Weltreiche versuchten dem Untergang Einhalt zu bieten. Die Gründe zum eigenen Untergang lieferten die Herrscher im Westen und Osten selbst. Der Ruf: «Völker aller
Länder vereinigt euch», der Druck durch eine neue Gesellschaftsordnung war nicht mehr aufzuhalten. «Proletarier aller Länder vereinigt euch» das kommunistische Manifest der Herren Marx und Engels gaben der «schweigenden Mehrheit» in Deutschland und Russland, das Feuer, um die Sprengladung endgültig zu zünden. Im Osmanischen Reich gewann die Partei der Jungtürken die notwendige Potenz, das Sultanat oder Kalifat der osmanischen Herrscherfamilien zu zerstören. Ab 1917 entstand ein neues Kräfteverhältnis im Westen und im Osten. Die Osmanen zerbrachen ebenfalls an der Unfähigkeit, auf die Stimme ihrer Völker zu hören. Die hochgelobte Macht des Proletariats korrumpierte. Die unbewältigte Integration der arabischen Welt hat einen nicht endenden Krieg ausgelöst. Das Osmanische Reich geht unter: 1923 wurde die vormals osmanische Türkei durch Kemal Atatürk säkularisiert. Die Republik Türkei wurde unter der Führung des Gallipoli-Helden, Mustafa Kemal Pascha Atatürk ausgerufen. Das mächtige Osmanische Reich zerbrach im Ersten Weltkrieg. Dem Druck durch die säkulare Partei der Jungtürken, war das morsche islamische Reich nicht mehr gewachsen. Was heisst «säkulare Sprache»? Es erscheint sehr eigenartig, dass wenn Gespräche auf der Stufe der Machthaber zwischen Kirche und Staat geführt werden, die Resultate meistens nicht im Sinne der Betroffenen sind. Das «Volk» versteht die Sprache ihrer Regierenden nicht. Das Volk wird oft unmittelbar Teilhaber eines aufgezwungenen Schicksals. Was strebt Habermas mit der «säkularen Sprache» an? Prinzipiell ein einfach, jedoch in der Ausführung äusserst schwieriges Rezept. Jesus der Christus sprach mit der Zunge des Volkes und erntete Erfolg. Er sprach säkular. 1915, das Deutsche Kaiserreich und das Kaiserreich Österreich Ungarn verbündeten sich durch einen Geheimvertrag mit dem Osmanischen Reich. Der Zweck war, dem russischen Zarenreich den Durchgang zum Schwarzen Meer zu blockieren. Die Blockade der Dardanellen wurde durch den damaligen ersten Lord der Admiralität, Winston Churchill, und dem verbündeten Frankreich vollzogen. Die britischen Bodenstreitkräfte stammten praktisch aus Neuseeland, Australien und Indien. Die nachfolgende Schlacht bei Gallipoli endete für die Entende Cordial, dem Bündnis zwischen Grossbritannien und Frankreich, katastrophal. Die türkischen Stellungen der vereinigten Kräfte von Osmanien und Deutschland-Österreich waren unschlagbar. Dem jungen Churchill kostete die Niederlage das Amt. Zum wahren Helden von Gallipoli wurde der Jungtürke Mustafa Kemal Atatürk. Die Geschichte Grossbritanniens vermeidet bis heute an Gallipoli erinnert zu werden. Der damalige türkische Kriegsminister, Enver Pascha, wird kaum erwähnt, er war der Verursacher des Völkermordes an den Armeniern. Atatürk führte die Ausrufung der Türkischen Republik 1923 durch. Das Osmanische Reich verlor, trotz verschiedener Erneuerungsbestrebungen sich der neuen Welt anzupassen, durch die Sultane: Murat V, Abdühlhamid II, Mechmed V, seine Berechtigung. Der 36. Sultan, Mehmed VI. wurde 1918 abgesetzt. Aus den Trümmern des grossen Osmanischen Reiches entstand, durch des Volkes Wille, ein moderner säkularer Staat.
Der letzte Zar: Das Reich der Romanow in Russland zerbrach ebenfalls auf dem Grund, nicht auf die Stimme ihrer Völker zu hören. Es gärte schon lange im Reich der Russen. Zar Nikolaus I sprach vom «Kranken Mann am Bosporus» und meinte damit das morsche Osmanische Reich. Persönlich jedoch unfähig zu erkennen, dass sein Volk ebenfalls einen Umsturz entgegenging. Er dachte weniger zum Wohl seiner Russen, eher zur Mehrung seines Reiches und der Macht der Romanows. Zar Alexander II. schaffte die Leibeigenschaft ab, wurde jedoch ermordet. Zar Alexander III. war ein Despot im Angesicht seines Volkes, aber während seiner Zeit gab es keine Kriege, daher erhielt er den Namen «Friedensstifter». Danach folgte die Herrschaft von Nikolaus II. Er als letzter Zar und das Opfer seiner Vorgänger. Nikolaus II. statt auf die dringend notwendigen Erneuerungen innerhalb seines Reiches durchzuführen, drehte sich seine Herrschaft nur noch um seine Person. Er verfiel der korrupten Russischen Kirche, nachdem der charismatische Mönch Rasputin seinem Unwesen am Zaren Hof in Petersburg frönte. Der Untergang war vorgezeichnet, ein aussichtsloser Krieg und eine hierarchische Klassengesellschaft führten zum Zusammensturz des Zarenreiches. Nikolaus II. und seine Familie überlebten die kommende Revolution von 1917 nicht. Die Russisch-Orthodoxe Kirche verschwand in den Untergrund. Die Zarenfamilie wurde hingerichtet und verscharrt. Die Sowjet-Union und die Unfähigkeit ihre Völker zu kontrollieren: Der neue Volksheld, Wladimir Iljitsch Lenin, führte eine blutige Revolution durch und ermöglichte den Aufbau der vom «Volk gewählten Sowjet-Union». Diese zerbrach ebenfalls an der Unmöglichkeit Volksmassen zu kontrollieren. Was blieb nun ideologisch übrig? Die sogenannte, manipulierte Stimme des Volkes ermöglichte ein menschenverachtendes Regime aufzubauen. Jedoch die säkulare Stimme der russischen Völker gewann zunehmend Wirkung zu zeichnen. 1989 bis 1991 wurde die Sowjet-Union still und ohne Menschenopfer zu Grabe getragen. Damit die utopische Vision einer klassenlosen Gesellschaft. Die vormals innerhalb eines Dampfkochtopfes gehaltenen verschiedenen Kulturen und ethnischen Volksgruppen, wurden ebenfalls befreit. Die alten Kriege brachen wieder auf. Es folgten der unselige Kosowokrieg, Tschetschenien und Religionskämpfe. Es ist ein Phänomen, dass nach der Diktatur eines totalitären Systems, gleichwohl Kämpfe ausbrechen. Ist der Mensch überhaupt Friedens- und Vernunftfähig? Der Untergang des Deutsche Kaiserreichs: Verwandt waren sie alle, die Potentaten des 19. und 20. Jahrhunderts. Der letzte Kaiser Wilhelm II, ein Hohenzoller, war verwandt mit dem englischen Königshaus, Königin Viktoria. Verwandt mit Zar Nikolaus II. Verwandt mit König Albrecht von Belgien.
Zar Nikolaus I. 1796-1855; Zar Alexander II. 1818-1881; Zar Alexander III. 1845-1894
König/Kaiser Wilhelm I. Seit der blutigen Niederwerfung der Badischen Revolution, 1848/49, «Der Kartäschenprinz» genannt. 1861 wurde er zum König von Preussen gekrönt. Nach dem erfolgreichen Krieg gegen die Franzosen 1871, in Versaille zum Kaiser des Deutschen Reichs, auf Wunsch des Reichskanzlers Otto von Bismark, gekürt. Die herrschende Klasse des Abendlandes gab einander die Hand. Es folgte das bislang letzte Aufbäumen des europäischen Adels. Kaiser Friedrich III von Preussen. Betrat schwer krank den Kaiserthron. Friedrich verstarb nach 99 Tagen Regierungszeit. Durch seine Heirat mit der Prizessin Viktoria, Tochter der englischen Königin Viktoria und Prinz Albert, kam die «englische Verwandtschaft» ins Haus. Kaiser Friedrich III. war alles andere als ein liberal gesonnener Herrscher, aber ein glühender Freimaurer. Etwas was den Standesbewussten Kaiser unsterblich machte, ist seine Kampfansage an die Judenverfolgung des 19. Jahrhunderts. Er bezeichnete diese als: «Schmach für Deutschland». Kaiser Wilhelm II. die schwächste Persönlichkeit während der kurzen Zeit des Deutschen Kaiserreiches. Wilhelm durchlief einer brutalen Erziehung. Von seiner Mutter Viktoria getrieben, alles über sich ergehen zu lassen, um seinen Geburtsfehler, ein gelähmter Arm, zu vertuschen. Die Lieblosigkeit und die militärisch, preussische Erziehung prägten Wilhelm. Keiner Emphatie fähig führte ihn sein verkümmerter Geist zum ersten grossen Weltkrieg. Er hatte überhaupt keine Sympathie zum österreichischen Kaiser Franz Joseph, schon gar nicht zu dessen Thronfolger, Franz Ferdinand. Er verlachte das damalige österreichische Militär und trug diesen Unmut gegenüber dem ersen Thronfolger des Kaisers, Rudolf, offen zur Diskussion. Gleichwohl kam das Attentat an Erzherzog Franz Ferdinand, Thronfolger, und seiner Gemahlin, 1914 in Sarajewo, beiden Parteien, dem Deutschen Kaiserreich und der österreichisch ungarischen Monarchie äusserst gelegen. Niemals wäre Kaiser Wilhelm II. offen zu Gunsten der Österreicher einen Krieg zu führen bereit gewesen. Ein heutiger Vertreter des Hauses Habsburg erwähnte zwar, dass der Kriegsgrund für den Ersten Weltkrieg dieses Attentat gewesen sei, das ist historisch nicht nicht schlüssig. Kaiser Wilhelm II. wollte die konkurrierende englische Schiffsflotte aushebeln. Ausserdem war er auf Weltmachtgelüste aus indem er deutsche Kolonien in Afrika und Asien aufbauen wollte. Er wollte an erster Stelle mit den damaligen Kolonialmächten die Präsenz Deutschlands in der Welt festigen. Schon vor dem Attentat auf Franz Ferdinand schürte das Kaiserhaus eine fanatische Kriegseuphorie. Das weltpolitisch unwichtige Sarajewo spielte dem deutschen Kaiser bloss einen weiteren Grund in die Hände, um das Gesicht Europas zu Gunsten Deutschlands zu verändern. Doch wie das Schicksal so mitspielt indem sie die Figuren zu Marionetten stilisiert. Wilhelm II. wurde nach Kriegsbeginn von seinen Generälen, vor allem Luddendorf, an die Wand gespielt. Eine unehrenhafte Abdankung, ein unehrenhaftes Exil war alles was dem verblendeten Selbstdarsteller geblieben ist. Ein deutliches Beispiel zur Manipulation der säkularen Sprache eines Volkes. Wilhelm II. verstand nur sich und seine Macht. Ohne Manipulation der Sprache seines Volkes auf der Strasse, hätte es kaum einen Weltkrieg gegeben. Schlussendlich siegte der Volkswille, eine deutsche Republik zu gründen. Die Weimarer-Republik war jedoch ausserstande die von ihre ersehnte Demokratie einzuführen.Der verlorene Krieg forderte unmenschliche Reparationskosten auf dem Rücken der deutschen Bevölkerung. An der Brandung des kommenden Gedankengutes des Nationalsozialismus zerbrach die Weimarer-Republik unter der Lüge einer «Dolchstosslegende»
Der unaufhaltsame Niedergang des Heiligen Römischen Kaiserreich Deutscher Nationen: Ich geh bewusst nur auf die Endzeit dieser ehemaligen Weltmacht ein. Kaiser Franz II / I. (1786 bis 1845) war der letzte Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, das nach 844 Jahren verschwand. Als Napoleon I. das französische Kaiserreich ausrief, tat ihm dies Franz II. gleich und krönte sich zum Franz I. Kaiser von Österreich. Franz erlebte die Französische Revolution und die Neuordnung Europas durch Napoleon. Er konnte wenigstens einen bescheidenen Teil der vormaligen Grösse in das neue Europa hinüber retten. Ferdinand I. Kaiser von Österreich (1793 bis 1875). Führungsschwach in einer kräfteverzehrenden Zeit, stand Ferdinand unter der Fuchtel des Fürsten Metternich und der Geheimen Staatskonferenz, die Metternich für den Kaiser errichtete. Ferdinand schaffte es nicht mit der Wirklichkeit zurechtzukommen. Er dankte ab, zu Gunsten seines Neffen. Franz Joseph als Fanal des langsamen Zerfalls eines Vielvölkerstaates. Ferdinand war der letzte König von Böhmen. Erzherzog Franz Joseph I, Kaiser von Österreich-Ungarn. Der berühmte letzte Vertreter des Kaisertum. Er war sehr Pflicht- und Sendungsbewusst. Nach der Revolution von 1848 galt sein Streben der Legitimität seine Monarchie. Konzessionen zur Teilung in eine Doppelmonarchie mit Ungarn, 1887, wurden erzwungen. Der erste Weltkrieg zerstörte die österreichische Monarchie. Der Versuch einen Nachfolger zu küren und das Reich zu erhalten scheiterte.Trotzdem die neue Geschichte diesen Kaiser als volksnah sehen will, traf dies nie zu. Er sah sich als erster Beamter seines Staatswesens. Unfähig den eigenen Sohn zu unterstützen, unfähig seine Ehe mit Kaiserin Elisabeth (Sisi) zu rettten. Ausgerechnet er wurde mit einem vormaligen Weltreich zu Grabe getragen. Der Erste Weltkrieg zerstörte den Vielvölkerstaat. Seine militärischen Führer waren eher unfähig, der modernen Kriegsführung nachzufolgen. Einzig General von Hötzendorf versucht das Steuer noch gegen Kriegsende herumzureissen. Die Todesstunde des privilegierten Adles war jedoch längst eingeläutet worden Nachfolger Rudolf Erzherzog von Österreich (1858 bis 1889). Rudolf verübte Selbstmord. Sein Vater Franz Joseph war ihm unnahbar, seine narzistische Mutter Sisi nur an sich selbst interessiert. Auf Grund dieser Familientragödie war Rudolf absolut desinteressiert, das morsche Reich weiterzuführen. Heute würde man sagen, dass er ein unpassendes Lotterleben führte. Vermutlich als Rache an der Lieblosigkeit seiner Eltern.
Erzherzog Franz Ferdinand (1863 bis 1914). Nach dem Selbstmord des Sohnes von Franz Joseph, trat die Familie des Bruders von Franz Joseph, Karl Ludwig, in die Thronfolge ein. Franz Ferdinand war das pure Gegenteil von Rudolf. Er galt als klerikal- konservativer Erzherzog. Er war gegen die Entwicklung des Balkan, was ihm das Leben kostete. Dem drohenden Untergang des Kaiserreiches und dem ersten Weltkrieg hätte Franz Ferdinand nicht entgegenwirken können. Seine Ermordung 1914 in Sarajevo brachte nur einen nützlichen Vorwand, Europa noch eher in den Krieg hineinzupressen. Die Reaktion der Wiener Bevölkerung, nach der Ermordung von Franz Ferdinand, war deutlich zu spüren. Das Volk traute diesem Herrscher nicht über die «Hutschnur» und bezeugte dies durch das Desinteresse den Beerdigungszug zu begleiten. Erzherzog Karl I. von Österreich-Ungarn (1887 bis 1922). Der letzte Habsburger und letzte Kaiser einer untergehenden Epoche. Der letzte gescheiterte Versuch, das Habsburgerreich am Leben zu erhalten scheiterte mit der Absetzung Karls. Immer noch wird für eine Neugeburt geworben. Ich sah dies 2010 in der Karlskirche in Wien wo immer noch Gedanken an ein neu erstehendes Österreich Ungarn manifestiert werden. 1918 kam das Fanal zum Verzicht auf Österreich Ungarn. Den Habsburgern wurden die Adelstitel aberkannt. Karl emigrierte mit seiner Familie in die Schweiz (welch seltsame Entwicklung der Weltgeschichte). Nach dem er zweimal erfolglos versuchte 1921, die Restauration der Monarchie in Ungarn durchzuführen, wurde er nach Madeira verbannt. Er sah sich zeitlebens als von Gott berufenen Kaiser Österreichs. Er wurde wohl abgesetzt, hat jedoch nie abgedankt. Das moderne österreichische Volk wollte keine Habsburger mehr im Land dulden. Erst im Verlauf des 21. Jahrhunderts, nach dem Erkennen, dass eine Monarchie in Österreich niemals mehr Fuss fassen würde, wurde die Einreisesperre für die Habsburger aufgehoben. Die Sprache des Volkes war deutlich, nieder mit den aristokratischen Herrschern! Die Jahrhunderte geltende Präambel, dass die Kaiser durch Gottes Gnade regieren und durch Gott eingesetzt werden, starb mit Karl I. Wege in den Abgrund im Nahen Osten: Lawrence und das Sykes-Picot Abkommen. 1916 legten die Briten und Franzosen einen Plan fest, um nach dem Ersten Weltkrieg, nach der Vernichtung des Osmanischen Reiches, den Nahen Osten in eine koloniale Herrschaft umzuwandeln. Das Sykes- Picot Abkommen wurde von Grossbritannien und Frankreich ratifiziert. Die zunächst gut gesinnte arabische Welt wurde unter den beiden Mächten aufgeteilt. Grossbritannien annektiert Jordanien und den Irak und Haifa, die Franzosen die Südtürkei, den Nordirak, Syrien und den Libanon. Die gutgläubigen Araber wurden bewusst hinters Licht geführt. Der damalige Geheimdienst brachte den britischen Offizier Thomas Edward Lawrence ins Spiel. Der Auftrag an den Offizier lautete, die Araber zum Kampf gegen die Osmanen zu gewinnen. Dieser Mann glaubt an den damit verbundenen Auftrag, den Arabern nach dem Niederringen der verhassten osmanischen Herrschaft die Freiheit zu schenken und selbständige Nationen zu bilden. Lawrence passt sich an die arabische Kultur an und gewinnt unter dem arabischen Volk grosses Ansehen. Auch Lawrence wurde von der eigenen Regierung belogen, das vorher ratifizierte Sykes-Picot Abkommen wurde knallhart verwirklicht. Lawrence of
Arabia begeht Selbstmord. Die Stimme der arabischen Bevölkerung wurde nicht angehört. Dadurch baute sich eine schleichende Radikalisierung gegenüber dem Westen auf. 14. Mai 1948 Israel wird als freier, unabhängiger Staat, durch David Ben Gurion ausgerufen 29. November 1947 stimmt die UNO für einem Teilungsplan für Palästina. Das Gebiet wird in einen jüdischen und arabischen Staat zweigeteilt. Die Araber lehnen das Existenzrecht Israels ab. Die Araber hatten praktisch keine Stimme sich zu äussern. Die Existenzfrage Israels bleibt bis zum heutigen Tag durch die Westmächte unbeantwortet. Denn 1933-1939 wächst die jüdische Bevölkerung in Palästina, durch die Verfolgung der Nazis, stark an. 1937 legen die Briten Galiläa und ein Küstenstreifen als israelisch an. Der Plan scheitert am Widerstand der Araber. Als Antwort der Araber folgt der erste Palästina Krieg Am 14. Mai 1948 verlassen die Engländer Israel. Die Araber verfügen über freie Bahn! Am 15. Mai 1948 bis zum 10. Juni 1948 tobt der erste PALÄSTINA-KRIEG zwischen Israel und den arabischen Staaten. Arabische Truppen aus Syrien und Ägypten übertreten die israelischen Grenzen. Die Israeli zerschlagen den Angriff der Araber. Israel versucht alle feindlichen Araber aus ihrem Land zu vertreiben. Die Offensive der arabischen Staaten Ägypten, Irak, Syrien kommt ins Stocken. Die UNO überträgt dem schwedischen Grafen Folke Bernadotte den Auftrag Frieden zwischen den Israelis und Arabern zu stiften. Graf Bernadotte wird am 17. September 1948 von einem israelischen Terroristen ermordet. Am 22. Mai 1948 kommt es zur ersten durch die UNO geforderten Waffenruhe. Die Suezkrise vom 29. Oktober 1956 bis März 1957. Es geht um die NUTZUNGSRECHTE des Suezkanals. Frankreich, Grossbritannien und Israel wollen Gamal Abdel Nasser, zum «Hitler vom Nil» emporstilisieren und stürzen. Nasser will sich aus dem Joch der Franzosen und Briten befreien durch die Verstaatlichung der britisch- französischen- Erdölgesellschaft. Es sind immer noch Relikte der Kolonialherrschaft am Werk. Der Krieg wird zum militärischen Sieg der Franzosen und Briten, aber zu moralischen Sieg von Gamal Abdel Nasser. Der Westen überhört wieder die Stimme des arabischen Volkes in Ägypten. Der Sechstage Krieg 5. bis 10.Juni 1967 Der Sechstagekrieg war wohl kurz und für Israel erfolgreich, aber ein Menetekel zur heutigen Situation im Nahen Osten. Ägypten sperrt die Strasse von Tiran für die israelische Schifffahrt. Nasser erzwingt den Abzug der UNEF-Truppen aus dem Sinai. Jordanien schliesst am 30. Mai 1967 einen Verteidigungsvertrag mit Ägypten. Am 5. Juni eröffnet Israel mit einem Präventivschlag ihrer Luftstreitkräfte den Krieg gegen die ägyptischen Luftwaffenbasen. Schlag auf Schlag übernehmen
die Israeli die Kontrolle über den Gazastreifen, die Sinai-Halbinsel, die Golanhöhen, das Westjordanland und Ostjerusalem. Nachhaltige Kriegseroberung im Nahen Osten deren Auswirkungen bis heute andauern. Der Jom Kippur Krieg, 1967 Am 6. Oktober 1973 greifen syrische und ägyptische Truppen, am jüdischen Versöhnungsfest Jom Kippur, die von Israel besetzten syrischen und ägyptischen Gebiete an. Der Angriff wird zum ersten erfolgreichen Schlag gegen Israel. Syrische Truppen erobern die Golanhöhen und die Ägypter brechen die Verteidigungsstellungen und dringen über den Suezkanal ein. Die Israelis benötigten einige Tage, um einen Gegenschlag auszuführen. Im Norden wurden die Syrer zurückgeschlagen, die israelischen Truppen können jedoch die syrische Front nicht durchbrechen. Israel führt einen erbitterten Luftschlag auf Damaskus aus, der viele zivile Opfer fordert. Der Krieg führte zu einer Traumatisierung der israelischen Bevölkerung. Die USA kommt ins Spiel: Der Jom Kippur Krieg internationalisiert sich. Vom 12. Oktober bis 14. November 1973 wird Israel durch die USA mit einer massiven Luftbrücke unterstützt. Panzer, Munition Geschütze, Flugzeuge und Versorgungsgüter werden mit über 567 Versorgungsflügen eingeflogen. Die USA befürchten, dass die UdSSR sich in den Jom Kippur Krieg einmischen könnte und damit alle Friedensbemühungen im Nahen Osten zu zerstören. Präsident Nixon ist die treibende Kraft Israel durch die USA kräftig zu unterstützen. Die UdSSR unterstützt ihrerseits Syrien und Ägypten tatkräftig mit Waffen. Nixon ist ebenfalls der erste US.- Präsident der Israel, Syrien und Ägypten besucht. Zweifellos verfügt Nixon über ein gutes Händchen in der US.-Aussenpolitik.
Die Morgenröte der Religionskriege: 1979 Die iranische Revolution Mohammad Reza Schah Pahlavi, von 1941 bis 1979 Schah von Persien. Der letzte Vertreter der glorreichen Vergangenheit des persischen Weltreiches. Er nannte sich Aryamehr (Sonne der Arier). Er unterhielt einen Hofstaat wie aus 1001-Nacht und hatte einen enormen Einfluss in der westlichen Hemisphäre. Viele europäische Staaten und die USA legten sich im wahrsten Sinne des Wortes ihm zu Füssen. Ajatollah Chomeini kehrt am 1. Februar 1979 aus dem WESTLICHEN Exil in den Iran zurück. Die Iranische Revolution wird zum Startschuss des Untergangs der säkularen Gruppen im Nahen Osten. Chomeini führt die die Regentschaft der Geistlichkeit ein und wird Staatsoberhaupt des Iran. Es beginnt ein arabischer Bürgerkrieg zwischen den beiden islamischen Glaubensrichtungen der Schiiten und der Sunniten. Der Westen, der sich nach und nach aus dem Nahen Osten zurückgezogen hatte, hinterliess ein Vakuum. Dieser Raum wurde erstmals mit fundamentalen religiösen Gruppen aufgefüllt. Was Jürgen Habermas erwähnt hat mit der Warnung, dass «verbrannte Erde» der Nährboden des Fundamentalismus werden kann. Der erste Schlag gegen ein westliches Regime folgte 1979, durch die Besetzung der US-Botschaft in Teheran. Der Ajatollah bestraft die Helfer des Schahs. Am 4. November 1979, 11:30 Uhr wird die US.- Amerikanische Botschaft in Teheran durch 400 iranische Studenten gestürmt. Vordergründig geht es um die medizinische Versorgung des Schahs, der am 22. Oktober 1979 in New York hospitalisiert ist. Als dies bekannt wird, nutzt der Revolutionsführer Ruhollah Chomeini, die Gunst der Stunde indem er eine Erklärung verbreitet. «Im Gedenken an die ein Jahr zuvor getöteten demonstrierender Studenten. Es ist deshalb Sache der lieben Schüler, Studenten und Theologiestudenten, mit aller Kraft die Angriffe gegen die USA und Israel zu verstärken, damit die USA den abgesetzten kriminellen Schah ausliefern». Der amtierende US-Präsident, Jimmy Carter, verliert durch einen stümperhaftangelegten Befreiungsschlag der Botschaftsgeiseln, sein Gesicht. Es wird ihm die Wiederwahl kosten. Sunniten gegen Schiiten: Von 1980 bis 1988 tobt der sogenannt «Erste Golfkrieg», ein religiöser erster Waffengang im Nahen Osten. Der irakische Staatspräsident, ein bekennender Sunnit, wird vom Iran angegriffen. Dabei bedient sich der schiitische Chomeini mit den Truppen des entmachteten Schahs. Saddam Hussein, der unmenschliche, sunnitische Herrscher des Irak, will das arabische Grossreich verwirklichen. Dazu gehört der Zugang zum persischen Golf und die Eroberung «Persiens» des heutigen Iran. Geldmittel, wirtschaftliche Unterstützung und militärische Aufklärungsdaten erhält er von der Sowjetunion, Frankreich und den USA. Das heisst, er versichert sich der Gunst der beiden Supermächte Sowjetunion und USA. Seine mächtige, innere Waffe, ist sein mächtiger Geheimdienst: «Die sunnitische Baath-Partei» gegen die irakische schiitische Minorität.
Die Islamische Revolution und die Vertreibung des Schahs schwächt den Iran. Der Iran verfügt über keine Unterstützung der westlichen Welt. Im Mai 1979 stehen die schiitischen Iraner in der ölreichen Provinz Chusistan auf. Ayatollah Chomeini droht die Islamische Revolution auf den Rest des Nahen Ostens auszuweiten. Seine Armee ist jedoch zu schwach. Chomeini hasst die säkularen Sunniten und versucht die Schiiten im Irak, in Kuwait und Saudi-Arabien zu einer Islamischen Revolution zu gewinnen. Die westliche Welt wendet sich vom Iran ab und unterstützt dadurch die Expansionspläne Husseins. Dazu gehört auch die Feindschaft mit Israel. Die Büchse der Pandora wird geöffnet. Der Krieg bringt den Irak zum Bankrott, die Schulden gegenüber Saudi-Arabien und Kuweit sind gewaltig. Die USA unterstützt beide Kriegsparteien durch Waffenverkäufe. Die an den Iran gehen verdeckt über andere Staaten. 1985-1986 wurden Raketensysteme (TOW und HAWK) via Israel an den Iran geliefert. Das erworbene Geld wird politisch bedingt in den USA abgezweigt. Die «Iran Contra-Affäre» (Irongate) des US-Präsidenten Ronald Regan. US.-Präsident Ronald Regan liefert die Einnahmen aus den geheimen Waffenverkäufe an den Iran der rechtsgerichteten Guerilla-Bewegung der Contras in Nicaragua aus. Die Regierung REGAN unterstützt so die sandinistische Regierung. Der US- Kongress beschloss ursprünglich, dass diese Gelder zur Befreiung von US-Amerikanischen Geiseln im Libanon verwendet werden sollten. Der zweite Golfkrieg 1991 Nach einer «Presselüge» gegenüber dem Irak im Zusammenhang des ausgebrochenen Krieges gegen Kuwait, Saddam will sich den Zugang zum persischen Golf sichern, wird der Nahostkrieg zu einem internationalen Konflikt. Eine Presseagentur liefert gefälschte Beweise, dass die Invasionstruppen Saddams Gräueltaten in kuwaitischen Spitälern angerichtet haben sollen. Derweil sich die kuwaitische Oberschicht im sicheren Europa aufhält, kämpft ihre Bevölkerung gegen einen überlegenen Feind. Der zweite Golfkrieg treibt den fundamentalen Islamismus in den Untergrund. Der Krieg ist eine internationale Auseinandersetzung um das Erdölvorkommen im Golf. Es ist kein ideologischer Waffengang. 1989 werde ich als technischer Assistent und Bürochef des Verteidigungsattachés, von der Untergruppe Nachrichtendienst (UNA), in die USA abkommandiert. Damit wurde ich zum unmittelbaren Beobachter des zweiten Golfkrieges. Der US-Präsident Georg W. Bush sen. ist Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte. Ich mache eine kurze Bekanntschaft mit dem damaligen Staatssekretär Verteidigung, Dick Cheney, anlässlich einer Einladung durch seinen Mitarbeiterstab. Aber auch eine persönliche Bekanntschaft mit dem US-Generalstabschef Colin L. Powell. Die Operation «Desert Shield» der Koalitionstruppen im Golf lief unter dem Kommando des General Norman Schwarzkopf bereits über Monate.
Im Prinzip die Vorbereitung eines massiven Schlagabtausch mit den Truppen von Saddam Hussein. Vor dem Ausbruch der heissen Phase, «Desert Storm» wurde noch eine Friedenskonferenz in Genf einberufen. Eine kleine Episode am Rande des Weltgeschehens. Der Stabschef John H. Sununu des Präsidenten, wurde in Genf gehindert, zu seinem Chef Bush zu gelangen. Präsident und Stabschef fliegen getrennt. Der Bewachungssoldat der Schweizer Armee setzte sogar seine Waffe als Drohung ein. Darauf folgte die Vorladung unseres Botschafters ins Weisse Haus. Zu «Desert Storm» das in den Medien als: «Wie ein Blitzkrieg Arabien endgültig ins Chaos stürzte» betitelt worden ist. Am 16. Januar 1991 begann die Operation «Desert Storm». An diesem 16. Januar trafen wir uns, Unteroffiziere akkreditierter fremder Militärpersonen, in der Deutschen Botschaft in Washington D.C. zum monatlichen Meeting des FJSNA. Dann erreichte uns die Meldung aus dem Pentagon, dass die Koalitionstruppen die Operation «Desert Storm» befohlen haben. Einer meiner US-Kollegen meinte noch: «Nun sitzt mein Sohn in einem der Bomber im Golf und fliegt einen Angriff, hoffentlich kommt er zurück»! FJSNA = Foreign Joint Services NCO Association Heisst so viel wie: «Vereinigung amtierender Berufs-Unteroffiziere fremder Nationen» Daheim die ersten Fernsehübertragungen aus Bagdad, nächtliches Bombardement. Der amtierende Generalstabschef der US-Streitkräfte, Colin L. Powell, verbot im Zuge der zivilen Berichtserstattungen, den US-Fernsehstationen solche Direktübertragungen. Mit der Begründung, als reine Sicherheitsmassnahmen gegenüber der in Kampfhandlungen stehenden Truppen. The first information War: Eine sehr interessante, lautlose Aktion lief ohne grosses öffentliches Aufsehen. Dieser Krieg wurde in Informatikfachkreisen als: «The First Information War». Da ich während dieser Zeit Mitglied von IT- und Informatikspezialisten des US-Department of Defence war, erhielt ich sehr interessante Informationen, die ich im anschliessenden Dienst unserer Armee, im Bereich MILFIS (Militärische Führung- und Informationssysteme) anwenden konnte. Der «Cyberwar» wird immer mehr Bedeutung zukommen. Die französischen Streitkräfte haben 2019 eine Spezialtruppe zum Schutz der Weltraumsatelliten und den damit verbundenen Daten angekündigt. Die Zukunft der strategischen Kriegsführung liegt eindeutig im «Weltraum». Die laufend vorkommenden Probleme an der Schnittstelle der Interkommunikation zwischen der zivilen, arabischen Bevölkerung und den US-Streitkräften, wurden über General Schwarzkopf an unsere offenen Nachrichtendienste weitergeleitet. Somit einige Informationen zwischen zwei Kulturen: Der saudische Prinz erwähnt, dass die weiblichen US-Soldaten keine kurzärmligen T-Shirts tragen dürfen! Dass alle religiösen Embleme der Seelsorger-Offiziere, der Christen wie Juden nicht öffentlich getragen werden dürfen. Dass Werbeaufdrucke auf T-Shirts, beispielsweise Werbung der «Kamel-Zigaretten, zu entfernen sind. Darauf folgen Anweisungen an die US-Truppen, wie sie sich gegenüber der arabischen Bevölkerung verhalten sollen. Den umgänglichen Handschlag mit Frauen ist verboten. Ich
könnte weitere Beispiele erwähnen. Es war im zweiten Golfkrieg noch möglich über bilaterale Gespräche mögliche kulturelle- und religiöse Probleme zu regeln. Auch auf dieser Ebene: «nur im gegenseitigen Dialog». General Colin L. Powell und die Powell-Weinberger-Doktrin: Ich lernte den Joint Chiefs of Staff, General Colin L. Powell, über seinen Stabschef persönlich kennen. erachte es heute noch als ein ganz besonderes Privileg. Während einer offiziellen Einladung als Vertreter der Schweizer-Armee kam es, in der Nachgeschichte, zu einem persönlichen Gedankenaustausch. Colin Powell kannte unseren damaligen Generalstabschef ebenfalls persönlich. Aus meinem Gespräch mit Colin Powell folgte ganz ungewollt eine im Nachhinein historische Aussage. Ich fragte Powell, ob er nicht als Präsidentschaft-Kandidat ins Rennen gehen wolle, als erster farbiger Generalstabschef wäre er der erste farbige Präsident der USA. An seiner Stelle antwortete seine Frau: «Nachdem mein Mann pensioniert worden ist, wird er von politischen Aktivitäten fernbleiben»! Die Zukunft entschied anders. Unter Präsident Georg W. Bush jun. wurde er Aussenminister der USA. Die von Colin L. Powell und Caspar Weinberger entwickelte «Powell-Weinberger-Doktrin» war grundlegend verantwortlich, dass die USA im zweiten Golfkrieg relativ gut abschnitt. Die eigenen Verluste an gefallenen Soldaten waren absolut gering. Es existierte ein «Plan B» wie nach dem Waffeneinsatz weiter zu Verfahren sei. Die Nationale Sicherheit war weitgehend intakt. Das US-Amerikanische Volk stand geeint hinter der US-Aussenpolitik. Diese Situation sollte in der Folge nie mehr erreicht werden. An der Doktrin wurde unbeirrt festgehalten. Es hätte der endgültige Schluss- strich um die Vermeidung zukünftiger militärischer Interventionen sein können! Fort Huachuca Arizona: 1993 besuchte ich als Vertreter der Schweizer Armee mit einer internationalen, militärischen Fachgruppe der in Washington D.C. akkreditierten Militärs, das FORT HUACHUCA in Arizona. Die Koalitionsstreitkräfte waren nach dem Golfkrieg mit Truppenteilen immer noch im Irak präsent. Im Fort Huachuca werden die Übermittlung- spezialisten der US-Armee unter wüsten ähnlichen Bedingungen auf ihren militärischen Einsatz im Irak vorbereitet und ausgebildet. Die von uns besuchten militärischen Installationen stehen in direktem Kontakt via
Colin L. Powell, Generalstabschef; Caspar Weinberger, Verteidigungsminister der USA; Heinz Häsler, Generalstabschef der Schweizer Armee; Colin L. Powel Aussenminister der USA
Satellitensystemen mit den Truppen im Irak. Das sind KEINE Manöver, sondern ONLINE- Informationsverarbeitung unter Kriegsbedingungen. Ein informativer persönlicher Erfahrungsaustausch zwischen den anwesenden Spezialisten und den NATO-Partner Offiziere war sehr lehrreich. Als Stabsadjutant unserer Armee wurde ich in die US-Armee als «Warrant Officer» akkreditiert, daher war der Zugang zu den Unteroffizieren wir Offizieren der USA möglich. Die Streitkräfte setzen viel Know-How ein, um die Serverleistungen zur Sicherung und Übertragung grosser Datenströme (Big-Data) zu erforschen. Eines der Augenfälligen Beispiele umfassten Geo- Informationssysteme (Satelliten) in der Datenverarbeitung unter Echtzeitbedingungen. Erkenntnisse, die ich für meine anschliessende Tätigkeit im Informationsaustausch, an der Schnittstelle Onlinedaten und Onlineauswertung, gut gebrauchen konnte. Wer die Datenströme beherrscht und die Informationen innert kurzer Zeit verarbeiten kann, beherrscht den Waffeneinsatz. Der Informationsaustausch in einer für alle interessierten, simplen Form, in einer allgemeinverständlichen Sprache, ist technisch auf einem höheren Stand als unser Informationsaustausch in «säkularer Sprache». Die Informationstechnik bietet auch nützliche Komponenten zum Informationsaustausch bis Dialog. Die Netzwerk-Systeme sind jedoch bis heute keineswegs sozialisiert. Da spricht die unkontrollierte Informationsüberflutung von heute (2019) eine deutliche Sprache. Indien hat kürzlich eine Mondlandung durchführen wollen, die jedoch aus technischen Gründen nicht funktionierte. Interessanterweise habe ich diese Woche (Juli 19) einen indischen Benediktinerpater kennen gelernt. Er bestätigte die Aussage: «Die Zukunft der Menschheit liegt im Weltraum». Aus lauter Profitgier diverser Nebenschauplatzhirsche im sozialen Netzwerk, könnte wiederum ein unreflektierter Meinungskrieg entstehen, der den Fortschritt hemmt. Herausgerissen aus der Unverwundbarkeit: Der 11. September 2001. (Säma ibn Muhammad ibn Awad ibn Lädin), kurz der Saudi-arabische Terrorist und Gründer der Gruppe-al-Quaida Osama bin Laden, reisst die USA aus ihrem Traum der Unverwundbarkeit. Pearl Harbor, 1941 lässt grüssen. Erst ist der neue Präsident, Georg. W. Bush jun. im Amt kommt es durch den Terroranschlag auf das US-Pentagon und das «World Trade Center», zu einer schicksalhaften Verknüpfung dieser beiden Vertreter zweier grundlegend differenten Kulturen. Osama bin Laden rächt sich bitter an der US-Amerikanischen Aussenpolitik im Nahen Osten. Bush und Bin Laden werden zu einem Zweikomponentensprengstoff die schlussendlich einen Krieg im arabischen Raum entfachen, der bis heute andauert. Zwei extreme Vertreter ihrer politischen und religiösen unvereinbaren Kulturen werden die Welt in ein Chaos von Terrorismus und Glaubenskriege stürzen. Sprachlos stehen die USA und Afghanistan einander gegenüber. Wo Diplomatie und Reden nicht mehr gilt, dort wird mit Waffen gesprochen! Osama bin Laden: Vermutlich im März oder Februar 1957/58 geboren. Am 2. Mai 2011 in Pakistan ermordet. Zuerst führte er den Kampf gegen die Sowjets in Afghanistan. Nach dem dritten Golfkrieg eröffnete er ein Fatwa (Heilige Vergeltung) gegen die USA. Jedes Muslims Pflicht ist das Töten von US-Soldaten und US-Zivilpersonen. Der Dschihad ist die Selbstverteidigung der Araber gegen die westlichen Invasoren und der westlichen Kultur und Glaubenswelt. Dass bin Laden jemals von den USA im Afghanistankrieg der Sowjetunion unterstützt worden sei, ist vermutlich eine Legende. Bin Laden unterstrich vehement jemals von den USA Hilfe empfangen zu haben.
Der dritte Golfkrieg: In schicksalhafter Verknüpfung, die drei wichtigsten Protagonisten im Jahre 2003; Georg W. Bush Präsident der USA; Vizepräsident der USA, Dick Cheney und der damalige Aussenminister, Colin L. Powell. Am 5. Februar 2003, hält US-Aussenminister Collin L. Powell seine ungewollte und unglücklichste Rede vor dem UN-Sicherheitsrat. In mindestens fünf Punkten soll Powell die Rede als lügenhaft bezeichnet haben. Vorerst weigerte er sich den Bericht dem Sicherheitsrat der UN vorzutragen. Präsident Bush forderte ihn jedoch ultimativ auf, mit dem Papier vor den UN-Sicherheitsrat zu treten. Später einmal soll Bush gegenüber Powell bemerkt haben: «Ich bin von unserer Sache überzeugt und schlafe wie ein Bébé nachts ein»! Darauf soll Powell erwidert haben: «Ich auch Herr Präsident, aber ich erwache alle zwei Stunden und schreie». Powell dankte 2005 ab, diese Rede bezeichnete er als seinen grössten Fehler. Aus eigener Erfahrung kenne ich Powell als äusserst loyalen Mann, die Loyalität hat ihm schlussendlich das Amt gekostet. Die erfolgreiche Condolezza Rice trat an seine Stelle. Der schicksalhafte 5. Februar 2003: Der Bericht, den Powel vortragen musste, orientierte, dass Saddam bewiesenermassen über Massenvernichtungswaffen verfüge und dadurch zur potentiellen Gefahr für die Stabilität (die nach dem ersten Golfkrieg nie existierte) des Nahen Ostens und der USA zur Gefahr werden könne. Es stellte sich nach dem dritten Golfkrieg (2003) ebenfalls bewiesenermassen klar heraus, dass dies eine Kriegslüge war. Der Zweck der Übung des Papieres war: «Einen dritten Krieg im Golf zu entfesseln» und dazu gehörte das OK des UN- Sicherheitsrates. Die Kriegslüge gelang. Ein ebenso pikantes Detail, auf die erforderlichen Punkte zur Kriegsführung, vorgesehenen Punkte der Powell- Weinberger-Doktrin wurde nicht eingegangen. Ein «Plan B» existierte nicht, die Legitimation durch das US-Amerikanische Volk war nicht in Erscheinung getreten. Ein weiterer schwerwiegender Fehler wurde am 5. Februar 2003 begangen. Der Fall Abu Mus abaz Zarqawi: Der bis an hin kaum bekannte arabische Terrorist Zarqawi erreichte nach der Rede Powells die Weltöffentlichkeit. Zarqawi gehörte zum inneren Kreis von Osama bin Ladens Terrornetzwerk. War also dem US-Amerikanischen Geheimdienst bekannt. Zarqawi wurde 1966 in Jordanien geboren. Von den amerikanischen Besatzungstruppen inhaftiert, sass er in den berüchtigten US-Amerikanischen Gefängnissen im Irak, unter anderem in Abu Guraib. Dort wurde der Terrorist, der vor 2003 in keinerlei Anschläge gegen die Besatzungstruppen verwickelt war, radikalisiert. Er trat zum «Dschihad» und war vermutlich am Anschlag auf die UN- Vertretung in Bagdad, im August 2003, beteiligt. Das Terrornetzwerk des «Dschihad» führte ebenfalls auf die schiitische Ali Moschee, die 125 Todesopfer kosteten. Der Sunnit Zarqawi setzte deutliche
Zeichen gegen die schiitische irakische Mehrheit. Die Amerikaner liessen ein Gerücht in Umlauf bringen, dass Saddam Hussein dem Terroristen Zarqawi im Irak Unterschlupf geben würde, was erwiesenermassen nicht stimmte. Die Terrorwelle des Sunniten Zarqawi war daher Wasser auf die Mühlen der Verfolger von Saddam Hussein. Für die Ergreifung Zarqawi wurde ein Kopfgeld von 25 Millionen Dollar ausgesetzt. Zarqawi kam (vermutlich) am 7.Juni 2006, durch einen amerikanischen Bombenangriff ums Leben. Der dritte Golfkrieg: Am 20. März 2003 schlugen die US-Amerikanischen und die Koalitionsstreitkräfte im Irak zu. «Der Krieg gegen Saddam Hussein» begann 90 Minuten nach dem Ablauf des US-Ultimatums. Die Regierung Georg W. Bush bekam was sie wollte. Ein Sieg der Falken. Ausserdem hatte Bush Junior noch eine offene Rechnung mit Saddam. Die Familie Bush pflegte nach einem angeblichen Attentatsversuch gegen Bush Senior 1993 in Kuwait, einen tiefen Hass. Im Juli 2002 wurde die Planung eines erneuten Krieges im Irak in Angriff genommen. Die Briten waren einverstanden, Frankreich und Deutschland waren skeptisch gegenüber einem neuen Waffengang im Nahen Osten. Der Weltsicherheitsrat sträubte sich, Frankreich, Deutschland und Russland waren dagegen. Das Ziel jedoch, Saddam Hussein zu stürzen, gelang nach wenigen Kriegswochen mit Hilfe von 92'000 US-Amerikanischer Soldaten. Am 1. Mai 2003 endete der Krieg. Unvergesslich der Auftritt des US-Präsidenten auf dem Flugzeugträger USS Abraham Lincoln, «Mission Accomplished» (Mission beendet). Ein beinahe so mediengewaltiger Auftritt wie unsere Zeit es vom US-Präsidenten Donald Trump gewohnt ist. Nun, nach diesem Pyrrhus begann der tatsächliche Krieg erst, der bis heute nicht beendet ist. Bushs Kriegswahn öffnete die Büchse der Pandora vollends. Die Rolle der Schiiten und Sunniten: Der unendliche Streit über die Nachkommenschaft des Propheten Muhammad dauert seit 632 Jahren an. Die eine Seite behauptet, die einzig wahren Nachkommen von Muhammad zu sein, wie auch die Gegenpartei. Die Schiiten verfolgen eine eigene Glaubensrichtung. Sie stellen mit rund 30 % gegenüber den 60% der Sunniten, eine Minderheit dar. Die Sunniten: Die Sunniten stellen in den islamischen Ländern die Mehrheit. Ausnahmen: Iran, Irak, Oman, Libanon, Aserbaidschan, Bahrein. Auf arabisch leitet sich das Wort Salafismus aus: «Die rechtschaffenen Altvorderen» ab. Das Ziel der sunnitischen Salafisten ist die Errichtung eines Gottesstaates. Innerhalb des Salafismus gibt es zwei Richtungen, einem friedlichen, politischen Salafismus und einen dschihadistischen,
Eine Manifestation salafistischer Moslems. Saddam Hussein war ein sunnitischer Herrscher gegenüber einer schiitischen Mehrheit im Irak. USA und Saudi-Arabien zusammen ist eine absolut, im westlichen Denken, unlogische Verbindung im Sinne der Religion
militanten Salafismus. Es gibt keine eineindeutige Trennung zwischen beiden Blöcken. Somit entsteht ein unkontrollierbarer, politischer Sprengstoff. Die Radikalisierung der Bewegung der Dschihadisten wird heute durch die weltpolitische Lage zwischen dem Westen und Osten aktiviert. Die inneren, unbewältigten Spannungen zwischen Schiiten und Sunniten werden immer wieder mit neuer Nahrung versehen. Die Salafisten sind Nutzniesser im Spannungsfeld zwischen der westlichen und östlichen Kultur Arabiens. Im Westen sind die Salafisten die an der schnellsten anwachsenden islamischen Bewegung. Die Schiiten: Im Irak stellen die Schiiten etwas 60% der Bevölkerung, die Sunniten gut ein Drittel. Das bildet eine grosse Differenz zu anderen islamischen Staaten sunnitischer Mehrheit. Im Irak sind die Sunniten der Minderheit und nach dem Sturz des Sunnitischen Staatschef Saddam Hussein, dem Hass der schiitischen-Mehrheit ausgesetzt. Die Unterdrücker von damals sind die Unterdrückten von heute geworden. Einzig die Kurden konnten im Nordosten einen weitgehend eigenständigen Staat errichten. Unter dem Schutz des sunnitischen Königreich Saudi-Arabien entwickelt sich der sunnitische Einfluss auch in Europa zu einer ernsten Bedrohung. Der Iran stellt sich absolut gegen die Saudis. Saudi-Arabien sind dank ihres Reichtums vehemente Vertreter der Sunniten. Der Iran sieht sich selbst als Interessenvertreter der Schiiten und möchten die islamische Revolution verwirklichen. Eine Prognose, insofern dies innerhalb der gegenwärtigen Sachlage möglich ist, sagt dass der Iran an Stärke gewinnen werde. Weiter verheerend ist die Machtpolitik des saudischen Königshauses. Die wissen genau, dass der kleinste Funke ihre Herrschaft vernichten kann. Es droht ein erneuter Schlag gegen das labile Gleichgewicht der Mächte im Nahen Osten. Die USA unterstützen Saudi-Arabien, was eigentlich ein kontraproduktiv ist für ihre gegenwärtige Aussenpolitik. Auf alle Fälle deuten innen und aussenpolitische Spannungen innerhalb des Saudischen-Königshauses und ihrer Herrschaft, auf einen kommenden Sturz hin. Ebenfalls sagt die Studie, dass die Kurden wohl zu den Gewinnern zählen dürften. Wie eine Paradoxie erscheint in den verworrenen Auseinandersetzungen im Kräftefeld des Nahen Ostens die Tatsache, dass aus wirtschaftlichen Gründen die USA eine Freundschaft mit der Macht verbindet, die den IS vehement unterstützt und dadurch den Salafismus weltweit fördert. Die ganze unrealistische arabische Politik ist die logische Folge der militärischen Interventionen durch die USA. Ich selbst bin nicht der Ansicht, dass der gegenwärtige Präsident der USA in irgendeiner Form den selbst geknoteten Gordischen- Knoten lösen kann. Dazu fehlt Donald Trump jegliche Erkenntnis zum kulturellen Hintergrund der arabischen Welt. Er verfügt über einen zu einseitigen, einfachen Bildungsstand, der die Ausmasse des Eingreifens des damaligen Präsidenten Georg W. Bush jun. in das arabische Weltgeschehen der Gegenwart, nie bewusst werden kann. Aus diesem Blickwinkel sollte die logische Folgerung erscheinen, dass das Pendel einmal zu Gunsten der Schiiten ausschlagen wird. Die verschiedenen Kampforganisation der Araber: Die schiitischen Splittergruppen und Kampforganisationen: Die Schia: Die Schia (Anhängerschaft, Partei oder Gruppe) repräsentiert das Schiitentum, auch Schismus genannt. Es ist die zweitgrösste religiöse Strömung im Schiitentum. Die Schiiten, als Nachfolger der Schia, dem Schwiegersohn Muhammads Ali ibn Tälib, sahen in ihm den einzig legitimen Nachfolger (Kalif) Somit göttlich legitimiert Nachfolge-Prophet nach Muhammad. Im Schiitentum haben sich im
Laufe der Jahrhunderte innerhalb der Schia verschiedene Strömungen herausgebildet. Sie bilden eine einflussreiche Minderheit in den Staaten mit schiitischer Mehrheit. Berühmt wurden die verschiedenen schiitischen Rechtsschulen. Die Rechtsgelehrten nennen sich Mufti. Die Zwölfer-Schiiten Die grosse Mehrheit der Schiiten gehört den sogenannten Zwölfer-Schiiten an. Sie erwarten die Wiederkehr des im neunten Jahrhundert verschwundenen zwölftem Imam, der als Erlöser «Mahdi E "Fehler! Textmarke nicht definiert.» die Welt retten wird. Es ist die Glaubensrichtung, die der Ayatollah Ruholla Chomeini 1979 als die Grundlage der Islamischen Republik Iran machte. Die Zwölfer-Schiiten leben heute im Iran, im Irak und Libanon. Die Ismailiten: Die Siebner-Schiiten Das Oberhaupt der Ismailiten-Gruppe ist der Aga Kahn. Gleichnamige Stiftungen in der Entwicklungshilfe-sind unter dem Namen Aga Kahn bekannt. Die Geheimreligion der Drusen leitet sich von den Ismailiten ab. Die Alawiten: Der syrische Staatschef Baschar al-Assad E "Fehler! Textmarke nicht definiert. zählt sich zu den Alawiten E "Fehler! Textmarke nicht definiert.. Der Alawitische Glauben gilt ebenfalls als Geheimreligion. Die Alewiten werden zu den Schiitengezählt. Die meisten Alawiten leben in der Türkei E "Fehler! Textmarke nicht definiert., jedoch als sunnitische Mehrheit. Schiitische Kampforganisationen: 1982 wurde die libanesische Hisbollah gegründet. Unterstützt von den Schiiten Organisationen des Irans und Syrien. Die Hisbollah kämpft auf der Seite des schiitischen Assad. Die Mahdi Armee im Irak: Als Mahdi Fehler! Textmarke nicht definiert.-Miliz (Jaish al-Mahdi (JAM) bekannt. Stärkste schiitische Miliz. Im Juni 2003 vom irakischen Schia-Geistlichen Muqtada as-Sadr gegründet. Sie spielte während dem 3. Golfkrieg im Irak eine gewichtige Rolle im irakischen Bürgerkrieg. 2008 wurde die Mahdi-Armee offiziell aufgelöst. Die sunnitischen Splittergruppen und Kampforganisationen Die Wahhabiten: Der Gelehrte Muhammad ibn Abd al-Wahhab ist der Begründer des Salafismus die in Saudi-Arabien Staatsreligion ist. Das Königreich Saudi-Arabien fördert mit Spenden die Ausbreitung des sunnitischen Salafismus in ganzen westlichen Kulturbereich. Soweit ich recherchieren konnte, ebenfalls in der Schweiz. In Qatar steht die dem Imam Muhammad ibn Abd al-Wahhab X "Fehler! Textmarke nicht definiert. gewidmete Moschee. Weitere sunnitische Islamorganisationen: Ägypten, Muslimbruderschaft 1928 von Hassan al-Banna, älteste sunnitische Islamistenbewegung. Al-Kaida. Mitte der 80-iger Jahre gegründete Extremistenorganisation durch Osama bin Laden. Syrischer Ableger der Al-Kaida ist der Dschabhat al-Nusra die Al-Nusra-Front. Extremlistenorganisation Islamischer Staat, im Irak und Grosssyrien die ISIS, 2003 unter dem Namen Al-Kaida im Irak vom Jordanier Abu Massab al-Sarqaui gegründet. Der gegenwärtige Führer ist Abu Bakr al-Baghadi Fehler! Textmarke nicht definiert., Nachfolger des getöteten Zarqawi. Die gefährlichste und radikalste Islamistengruppe in Syrien.
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Saddams Ende und sein Vermächtnis: Saddam Hussein wurde am 28. April 1937 geboren. 1979 bis 2003 Staatspräsident des Irak. Saddam gehörte zur sunnitischen Glaubensgruppe im schiitischen Irak. Natürlich war er ein Despot und unberechenbarer Verfolger seiner Widersacher. Die Nicht des Despoten beschreibt ihn als aufrechte, charismatische, mutige und sehr konsequente Persönlichkeit. Diese Charakterzüge wurden anlässlich seines Prozesses bestätigt. Am 13. Dezember 2003 wurde Saddam Hussein in einem Erdloch in Ad Dawr aufgespürt und gefangengenommen. Das irakische (schiitische) Gericht verurteilte Saddam wegen Verbrechen an der Menschlichkeit und Kriegsverbrechen, am 5. November 2006 zum Tode. Am 30. Dezember 2006, in al-Kazimiyya hingerichtet. Schon im Herbst 2006 warnten Stimmen aus dem Irak von den Folgen dieses Urteils. Dass ein schiitisches Gericht, einen sunnitischen Gefangenen zum Tod verurteilten, gab dem Terrornetzwerk riesigen Aufschwung. Das Gericht tagte unter der Aufsicht der Besatzer im Irak. Ein französischer Anwalt beschrieb später eine Situation: «Ich durfte Saddam besuchen und befragen. «Es ist mir noch nie im Leben eine charismatischere Person begegnet, andererseits aber auch absolut unnahbar und unsympathisch»! Vor der Vollstreckung des Todesurteils soll Saddam gesagt haben: «Nun habt ihr einen Krieg entfesselt, der euch vernichten wird»! Saddam war unbeliebt, aber dass eine fremde westliche Nation das Urteil massgeblich beeinflusste, sprach zu Gunsten der muslimischen Extremisten. Abu Bakr al-Baghdadi: Der irakische Terrorist ist seit 2010 Anführer der dschihadistisch-salafistischen Terrorgruppe Islamischer Staat. Im Juni 2014 ruft al-Baghdadi in der Moschee an-Nuri, in Mossul über weite Teile Syriens sein Kalifat aus und nennt sich Kalif Ibrahim. Er sieht sich, nach sunnitischer Tradition als Nachfolger Muhammads. Es ist nicht sicher, ob Baghdadi noch am Leben ist. Verantwortlich für Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Enthaupten, Kreuzigen und Verbrennen bei lebendigem Leib, werden dem Terroristen zur Last gelegt. Die USA hat 25 Millionen Dollar auf seine Ergreifung ausgesetzt. 2003 schloss sich al- Baghdadi der sunnitischen Widerstandsgruppe Ansar as-Sunna an. Im Februar 2004 wurde er verhaftet und bis Dezember 2004 im Camp Bucca der US- Streitkräfte im Irak festgehalten. Zuvor befand er sich im berüchtigten US-Gefängnis in Abu Graib. 2007 verfasste er eine Dissertation und erhielt im März 2007 seinen Doktor. Im Gefängnis Camp Bucca wurde er zum Terroristen. Sein erster und vermutlich letzter öffentlicher Auftritt war in der Grossen Moschee des an-Nuri in Mossul, im Juli 2014. Am 9.Dezember 2015 soll sich a-Baghdadi aus Syrien abgesetzt haben. Am 3. November 2016 wurden erstmals Audiobotschaften von al-Baghdadi veröffentlicht. Seit 2014 sind Gerüchte aus verschiedenen Quellen vorhanden, die behaupten, dass al-Baghdadi nicht mehr am Leben sein würde. Doch erst kürzlich tauchte eine nicht bestätigte Video-Botschaft auf (2019).
Ab 2011, der syrische Bürgerkrieg: Das autoritäre Regime Assads: Zuerst war es ein friedlicher Protest gegen das Regime Assads in Syrien. Das Problem begann mit der wachsenden Einflussnahme ausländischer Staaten. Ein lukratives Waffengeschäft und massivem Einsatz von freiwilligen, ausländischen Söldnern in Syrien. Anstelle einer motivierten Opposition zur Demokratisierung traten Stellvertreterkriege in Aktion. Verschiedene Organisationen unter verschiedenen religiösen und ethnischen Vorzeichen bekämpften sich untereinander. Der zuerst friedliche Protest gegen Assad versank im Sumpf konkurrierender Mächte. Kurden, Islamisten und Assads Oppositionsgruppen spalteten Syrien vollends. Assads Bündnispartner, Iran stellte die Hisbolla-Miliz zur Verfügung, Russland einen Militäreinsatz. Und wieder einmal mehr ein internationales Bündnis, unter der Führung der USA, zum Kampf gegen die sunnitische Terrorgruppe Islamischer Staat. Stellvertreterkrieg: Der schiitische Iran, gegen das sunnitische Regime Saudi-Arabien, mit seinen Verbündeten Türkei und Katar auf der anderen Seite. Dazu mischten sich die globalen Interessen der beiden Nationen USA und Russland. Ein überregionaler Konflikt zwischen den beiden Grossmächten wurde wie üblich auf dem Rücken unschuldiger Opfer ausgetragen. Ab 2015 konnten die Türken Luftangriffe gegen die Kurden in Syrien führen. 2018 marschierten türkische Truppen in Syrien ein. Die Vereinten Nationen konnten ausser Reden schwingen nichts ausrichten, ausser Statistiken über Kriegsopfer veröffentlichen. Syrische Bevölkerungsgruppen: Syrien ist ein Vielvölkerstaat. Seit dem Ende des Ersten Weltkrieges zuerst Spielball der Franzosen und Engländer als Protektorat der Franzosen. Die heterogene syrische Gesellschaft lieferte das notwendige Potential um ab 2011 einen Bürgerkrieg ohne absehbare Folgen zu generieren. Syrische Araber, Kurden, Assyrern-Armäern, Turkmenen, Armenier, Tscherkessen und Palästinenser verteilen sich auf diverse Religionsgemeinschaften. Sunniten 70% und die religiösen Minderheiten, schiitische Alawiten und Drusen, Jesiden und Christen X " Fehler! Textmarke nicht definiert. . Die Baath-Partei: Syriens beherrschende Baath-Partei trat für einen an europäischen Sozialismus angelehnte Programmatik ein. Syrien solle ein laizistischer, säkularer Staat werden. Die politische Einflussnahme religiöser Gruppen sollte verboten werden. Die Baath-Partei unterstützt den Panarabismus, den Säkularismus unter einem sozialistischen Arabien. Es bildete sich eine syrische und eine irakische Baath-Partei heraus, die sich ideologisch bekämpften. Nach 2003 ist der Baathismus nur noch in Syrien Staatsideologie. «Einheit, Freiheit, Sozialismus» Die Muslimbruderschaft X"Fehler! Textmarke nicht definiert. hingegen trat für eine sunnitische Staatsreligion ein. 1980 wurden diese Bemühungen niedergeschlagen mit Zehntausenden von Todesopfern. Die kleineren Religionsgemeinschaften unterstützen die Trennung von Kirche und Staat in Syrien. Die Sunniten "Fehler! Textmarke nicht definiert. liessen dies jedoch nie zu. 2011 nach dem Ende des Baath-Regimes im Irak und dem Niedergang des arabisch- sozialistischen Regimes in Libyen, kämpft das Baath-Regime in Syrien um das politische Überleben. Ab 2000 hat der Sohn und Nachfolger von Hafiz al-Assad, Baschar al-
Assad die Macht in Syrien übernommen. Er löste jedoch die sozialen Probleme in Syrien nicht, trotz einiger kleinen Reformansätzen. Assad verlor durch den Bruch mit langjährigen Baath Politikern die ohnehin geschwächte Basis unter der sunnitischen Mehrheit. 2011 bricht der Bürgerkrieg aus. Der Premierminister Ryad Farid Hidschab wechselt zur Opposition (2012). Unterstützt durch die arabischen, sunnitischen Staaten, soll Assad die Macht an den sunnitischen Vizepräsidenten Faruk al-Scharaa abgeben. 2013 wird er von Assad aller Funktionen innerhalb der Baath-Partei enthoben, bleibt jedoch Vizepräsident Syriens. Resümee: Die Interkommunikation, der Dialog, der Gesprächswille ist vorerst nicht mehr möglich. Auf Grund der Internationalisierung des Konflikts, gehen die kulturellen, wirtschaftlichen und religiösen Forderungen im Getümmel unkontrollierbaren und unvorhersehbaren Wirkungen unter. Groteske Situationen gehören zum Alltag. Das Doppelgesicht Saudi-Arabien wird von den USA gehätschelt, denn die Saudis benötigen Waffen und verfügen im Moment noch über starke Finanzen. Die Vision der Saudis, alle islamischen Staaten und Organisationen unter einem Dach zu vereinigen und zu radikalisieren, ist deren Strategie.
Das erste Friedensgebet 2018 in Thun: Nach einer sorgfältigen Vorbereitung einigten wir uns im November 2018 ein Friedensgebet durchzuführen. Im Umfeld vom Schloss Schadau, in der ehemaligen Stadtgärtnerei von Thun, fanden wir sehr gute Bedingungen. Das Ziel, respektive die Zielvorstellung war: «Wir beten nicht miteinander, sondern wir beten füreinander»! Der Besucheraufmarsch war überwältigend. Zum ersten Mal waren die muslimischen Gläubigen in der Mehrheit. Ein wunderbares Manifest zur interreligiösen Zusammenarbeit. Die Moslems begegneten unseren Gästen voller Achtung und selbstloser Art, sie waren erstmals Gastgeber gegenüber unseren christlichen Teilnehmern. Sie übernahmen die Verpflegung und Versorgung mit Getränken. Nicht nur interreligiöse, sondern auch interkulturelle Aspekte öffneten Herzen und Welten. Auf das christliche Gebet folgten die Moslems mit ihrem traditionellen Gebetsritus. Kurze Einführungen des Diakon, des Imam und mir ebneten die Verständigung. Der Gebetsruf des Muezzins eröffnete das islamische Gebet. Dann der schlichte Eingang des katholischen Diakon, er forderte uns Christen auf, in unserem Gebet den gleichen einzigen Gott anzusprechen. Ein Moslem sagte zu mir: «Ich bin zweiunddreissig Jahre in der Schweiz und zum ersten Mal in dieser Form mit Christen zusammen»! Die anwesenden Imame aus verschiedenen muslimischen Vereinen in der Schweiz waren sehr beeindruckt. Das «Thuner Modell» fand und findet ein ansprechendes Echo in der muslimischen Gesellschaft. Der interreligiöse Dialog im Licht und Schatten von Akzeptanz und Intoleranz: Natürlich sind in der anspruchsvollen Arbeit etwas Neues zu schaffen, um dadurch Vorurteile abzubauen, nicht nur positive Kommentare einzuholen. In der heutigen, oft unreflektierten Medienwelt der hyperschnellen Nachrichten, werden Reaktionen auf interreligiöse Bestrebungen ebenso unüberlegt und oberflächlich gefällt wie all überall. Hauptsächlich nach der Veröffentlichung des Interviews im «Thuner Tagblatt» wurden sehr wenige Hass-Reaktionen an mich zugeschickt. Ich habe bewusst meine Adresse als verantwortliche Kontaktperson im Thuner Tagblatt veröffentlichen lassen, Anonymität ist unangebracht. Dem üblichen Entgegnen von durch Angst getriebene Mitbürger, die den Islam als ultimative Bedrohung unserer Schweizer-Demokratie und unserer Religion Brandmarken, kann nie verhindert werden. Nur wenige Reaktionen warfen uns Naivität und Blauäugigkeit vor. Dies jedoch in einem sehr aggressiven Ton. Unser nachfolgendes Bestreben war «ÖFFNUNG» gegenüber sozialen, religiösen Institutionen, Seelsorgetätigkeit des Imams im Spital Thun und in der Flüchtlingsbetreuung und Prävention. Eine besonders gute Öffnung der Moschee für interessierte Besucher, förderte das gegenseitige Aufeinanderzugehen und Verständnis durch Moscheebesuche.
Die IKRE-Moschee setzt auf Offenheit und ein offenes Gotteshaus. Etliche Male sind christliche wie weltliche Besucher in die Moschee eingeladen worden. Der Imam und der Vorstand verfügen über eine informative Tonbildschau und passende Räumlichkeiten. Es dürfen alle Fragen gestellt werden. Dabei ist immer wieder feststellbar, auf welche Unkenntnisse die Besucher stützen. Sei es zu Fragen, die den Moscheebesuch durch Frauen betreffen, oder Fragen über das Kopftuchtragen der muslimischen Frauen, Fragen zum Koran. Die Frauen unserer Moslems verfügen über einen eigenen Gebetsraum. Sie dürfen jedoch auch im gleichen Raum wie ihre Männer beten. Jedoch für sich, hinter den Männern, denn während dem Gebetsritus kommen sich die Betenden körperlich sehr nahe. Für Frauen wäre dies inakzeptabel. Ausserdem möchten die Frauen, so der Imam, lieber unter sich sein. Das bedeutet, dass hier im europäisch geprägten Islam das gemeinsame Gebet nicht eine Frage der Intoleranz ist, sondern der Freiheit. Letztes Jahr wurden auch Schulklassen aus der Region zum Moscheebesuch eingeladen. Das Interesse der Kinder war enorm, sie wollten noch länger bleiben als die Zeit zwischen den Gebeten es erlaubten. Der Besuch in der Moschee während der rituellen Gebete ist ebenfalls für Besucher anderer Religionen erlaubt. Ebenfalls für deren Frauen, die sich in der Moschee im Hintergrund auf einer sehr bequemen Polsterbank, das Geschehen mitverfolgen
können. Ausserdem sind die Vertreter der IKRE sehr spendabel und stellen nach jedem Besuch Getränke und Süssigkeiten bereit. Meine eigenen Erfahrungen unter meinen muslimischen Freunden (Brüder) Unsere Moslems sind grösstenteils aus dem Balkan zu uns gekommen. Die meisten sind bereits in der dritten Generation in der Schweiz, also bestens integriert. Seit meiner Zusammenarbeit mit dem Imam und seinen Glaubensgenossen, wurde ich immer enger in ihre Kultur und Gebräuche aufgenommen. Ich besuche jede Woche einmal eines der Gebete und werde immer sehr wohlwollend aufgenommen. Ich bete nicht mit ihnen zusammen. Jeder weiss, dass ich Christ bin. Eine ganz grosse Ehre wurde mir zuteil, zusammen mit dem Ober-Imam von Nord-Mazedonien, einem Mufti und Professor, zum offiziellen Abendessen eingeladen zu werden. Ebenfalls darf ich beim Fastenbrechen, nach dem Ramadan, zugegen sein. Die grosse Ehre ist seit diesem Monat als «unser Bruder Hans» angesprochen zu werden. Es war ein langer, aber intensiver, lehrreicher Weg bis zu diesem Moment für mich. Früchte des Vertrauens und des Dialogs: Meine Frage: «Was bedeutet Freundschaft zwischen Christen und Moslems»? Es gibt zwei grundsätzlich, in meinen zwei Koran, sehr differenten Freundschaftsbegriff. (Koran 1); 5. Sure, (52) O Gläubige, nehmt weder Juden noch Christen zu Freunden. (Koran 2); 5. Sure, (50) O ihr, die ihr glaubt! Nehmt nicht Juden und Christen zu Beschützern. Freund oder Beschützer sind zwei sehr interpretierbare Begriffe.
Imam Azir: «Wir beide sind wahre Freunde, du als Christ und ich als Moslem. Wir sind nicht im Krieg (Kampf) miteinander, sondern im Frieden nach Allähs Gebot. Dich hat Alläh mit Weisheit gesegnet, als rechter Freund, es gibt nichts Trennendes. Ausser: Der Koran spricht an einer anderen Stelle vom echten Zeugen. Sure 5, (105-106, O ihr die ihr glaubt! Wenn der Tod an einen von euch herantritt, liegt die Zeugenschaft zum Zeitpunkt der Testamentseröffnung bei euch, oder bei zwei anderen, die nicht zu euch gehören, wenn ihr gerade im Lande herumreist und euch das Unglück des Todes trifft. Ihr sollt sie beide nach dem Gebet zurückhalten; und wenn ihr zweifelt, so sollen sie bei Alläh (Gott) schwören: «Wir erstehen damit keinen Gewinn». Als Beispiel nennt Azir eine persönliche Situation, wo er zwei Christen als Zeugen verpflichten konnte. Der Koran beteuert keinen Unterschied zwischen Christen und Moslems bei einer Zeugenschaft. Er bezeugt ebenfalls zur Freundschaft, dass Alläh keinen Grund sehe, wenn der andersgläubige Mensch in guter Absicht handle, etwas gegen die Freundschaft zu finden. Die Grenze liegt im Koran zwischen Frieden und Krieg. Der Krieg ist ungerecht und unterliegt den härtesten Gesetzen. Azir sagt: «Wenn ein Feind von dir kommt und zu mir sagt, du musst diesen ungläubigen Christen töten, dann hätte ich keinen erkennbaren Grund dies zu tun. Denn wir führen keinen Krieg untereinander. Der Koran ist nicht in Prosa geschrieben wie viele Teile der Bibel, sondern äusserst kurz gefasst. Azir erwähnt dazu, dass die Interpretation absolut notwendig ist. Fazit: Wenn einer in der Bibel oder im Koran etwas zur Feindschaft sucht, dann wird er diese finden. Ebenso ist es mit dem sogenannten «Heiligen Krieg». Ob Christ oder Moslem, er findet immer in der Bibel oder im Koran einen Grund einen solchen Krieg zu rechtfertigen. Kreuzzüge, Glaubenskriege, Ungerechtigkeit gegenüber dem Andersgläubigen werden immer Grund genug sein, den Pfad des Friedens zu verlassen. Es ist viel schwieriger den Weg des Friedens, ohne die eigene religiöse Heimat zu verlieren, zu gehen. Die Bereitschaft den Andersgläubigen zu ächten ist viel einfacher und wird in der heutigen Situation politisch und medial unterstützt. Es gibt das Evangelium und den Koran des Friedens und des Krieges: Alle drei monotheistischen Religionen haben einen gemeinsamen Ursprung. Sie stammen aus einem geographischen Bereich, der bis zum heutigen Tag nicht befriedet worden ist. Das äusserst unbedachte Vorgehen der angeschlagenen «Weltmacht USA» im Nah-Ost-Konflikt dokumentiert meine Ansicht, dass alle beteiligten Mächte in ihren heiligen Schriften, dass Trennende und den bedingungslosen gegenseitigen Kampf finden. Die monotheistischen Religionen sind archaisch und zutiefst der menschlichen Natur verpflichtet. Dennoch schimmert die göttliche Natur der Schöpfung durch die verschlossenen Türen des Unzufrieden. Das heisst die Hoffnung. Ich habe mich mit dem Buch von Andreas Maurer «Basiswissen ISLAM, Wie Christen und Muslime ins Gespräch kommen» auseinandergesetzt. Andreas Maurer ist promovierter Theologe an der Universität in Pretoria, Südafrika. Arbeitet in der Schweiz als Leiter des Institutes für Islamfragen. Meine Beurteilung: «Er bringt es nicht zustande was er eigentlich vorhat». Die Vorschläge wie Christen mit dem Islam leben können sind zu wissenschaftlich, theologisch begründet, ohne jeden Biss. Zusammenleben und zusammen existieren geht nur vom Menschen zum Menschen im alltäglichen, persönlichen Umfeld. Maurer überhöht das Trennende aus Berufung und wird durch eine verdeckte Mission geleitet. Maurer agiert mit viel Publizität und vielen Prominenten aus dem theologischen Elfenbeinturm. Es gibt sehr kritische Stimmen, so Hugo Stamm, der sagt: «Ein Christ will Muslime missionieren»! Ich
selbst neige, auf Grund persönlicher Erfahrungen zu den Skeptikern gegen die gefärbte Mission von Maurer. Krieg und Frieden: Einer meiner muslimischen Freunde, er ist längst ein integrierter Schweizerbürger, erzählte aus seiner Vergangenheit und Flucht vor dem Terror des damaligen Bürgerkriegs im Kosovo. Seine Familie, Moslems, und sein Nachbar, ein Christ, lebten bis zum Krieg ohne religiöse Probleme nebeneinander. Während des Krieges nahm der Nachbar Verbindung mit radikalen Verbänden gegen den Islam auf. Er positionierte ein Artilleriefeuer auf das Anwesen des Moslems. Ein fünfjähriges Kind und sein Vater kamen ums Leben. Grund zur Flucht vor der Willkür. Ebenso kennt die Geschichte den abstrusen Kampf des IS gegen sein Volk und die Ungläubigen. Wenn, 14.5.18, ein Vertreter der israelischen Seite, zum unsinnigen Akt des 45. Präsidenten der USA mit der Botschaftsverlegung nach Jerusalem, eine Stellungnahme bringt. «Die Palästinenser sind viel zu schwach, daher müssen wir in Aktion treten»! Dann spielt der beschriebene Krieg in den Heiligen Büchern eine drastische Sprache. Der Missbrauch durch Stellvertreterkriege im Nahen Osten treibt einem Höhepunkt entgegen. Der USA geht es um die Niederwerfung ihres Erzfeindes, dem IRAN. Die Besuche des 45. Präsidenten und es Aussenministers in Israel, lassen ein Ziel erkennen. Der Irakkrieg 2003 wurde durch eine phänomenale Lüge vom Zaun gerissen, jetzt geht es mit List und Lüge weiter. Ich zitiere aus dem Buch von Andreas Maurer: «Der Koran erlaubt Täuschungstaktik», Trotz der herrschenden und intoleranten Einstellung des Korans zu Juden und Christen, weil sie die «Anderen» sind, gibt es Verfügungen im Koran, die es den islamischen Gemeinschaften ermöglichen, die Intensität und Gültigkeit dieser antisemitischen und anti christlichen Lehren zu verschleiern, hinunter zuspielen und wenn nötig abzustreiten. Die Verfügung nennt sich Taqiyya, das bedeutet wörtlich, Vorsicht, Furcht, Verschleierung und erlaubt nötigenfalls, bestimmte religiöse Praktiken vorübergehend einzustellen.» Wo bleibt da die Vernunft und die Ethik? Ich höre viel lieber auf die Meinung des Islams aus dem Islam heraus und nicht auf eine christianisierte Version. Wie Azir erwähnte: «Es gibt den Krieg und es gibt den Frieden und das sind zwei getrennte Welten, ebenfalls auch im Koran». Mit welch christlicher, jüdischer oder muslimischer Begründung können die gestern und heute getöteten Demonstranten an israelischen Grenzen sanktioniert werden? Sicher ebenfalls mit entsprechenden Hinweisen in der Tora, Bibel und dem Koran. Wer macht hier wem etwas vor? Christ und Moslem, eine Positionierung: Die in Folge geschilderten theologischen Differenzen sind insoweit repräsentativ, dass sie an der Basis, im persönlichen DIALOG zwischen mir und Imam Azir, geführt worden sind. Es ist demnach nicht die Ebene der wissenschaftlichen Experten, sondern die der praktizierenden Gläubigen an der Basis beider Religionen. Es ist die religiöse Erfahrungswelt der christlichen
Der Krieg hört dort auf, wo sich die Spatzen ihre Nester im Kanonenrohr bauen!
und der islamischen Bevölkerung. Imam Aziri Azir kommt aus dem nord-mazedonisch- albanischen Raum und ist seit Januar 2018 in Thun, verfügt über alle notwendigen Bewilligungen der Schweizer Behörden (Visum, Aufenthaltsbewilligung etc.), und leitet das islamische Kulturzentrum IKRE in Thun. Ausserdem belegt er intensiv Sprachkurse, um sein Deutsch zu perfektionieren. Als Imam ist er der einzige Mitarbeiter des Zentrums, der entlöhnt wird. Alle anderen Personen in leitender Funktion arbeiten FREIWILLIG. Als Imam ist er allein zuständig theologische Gespräche zu führen. Er ist allein zuständig für den theologischen, interreligiösen Dialog. Er ist allein zuständig um den bewussten, interreligiösen Umgang mit dem Koran (Qur’an) zu führen. Er unterstützt die Arbeit zum interreligiösen Dialog, durch gegenseitige Wissensvermittlung, um bester gegenseitigen Freiheit die eigenen Positionen zu vertreten. Für ihn gilt dasselbe wie für mich: «Wir werden uns in keiner Weise gegenseitig missionieren». Er und ich sind inzwischen Freunde unter unserem gemeinsamen Gott (Alläh) geworden. So führt jede Begegnung mit dem anderen, zu einer voll akzeptierten freien Meinungsfreiheit im Glauben, trotz unseren dogmatischen religiösen Unterschieden. Die Angst der Moslems innerhalb unserer Gesellschaft: Geistige Haltung: Es ist der unglaublich negative Einfluss, innerhalb unserer islamischen Bevölkerung, die salafistischen Gruppierungen verbreiten. Jeder Terroranschlag, der in den globalen Medien Wellen wirft, fällt auf unsere muslimische Bevölkerung zurück. Man mag die Zurückhaltung, als mangelnde Gegenwehr der Moslems ankreiden. So einfach ist es nicht! Die Zurückhaltung hat ihre Wurzeln in der islamischen Kultur, aus der unsere Mitmenschen stammen. Andererseits aus einer verzweifelten Verunsicherung. Sie bewegen sich spürbar in einer defensiven Haltung gegenüber ihrer religiösen Umwelt. Jegliche Öffnung zum interreligiösen DIALOG wird genau untersucht. Die Leiter des IKRE sind vorsichtig gegenüber den Medien. Jakop Seljam, Präsident der IKRE, hat erwähnt, dass es in Bern ab und zu interreligiösen Kontakten kommt. Seine Erfahrungen sind jedoch nicht allzu positiv. Es kommt nicht zum Dialog auf gleicher Augenhöhe. Die institutionalisierten Glaubensvertreter können dies auch nicht, denn es fehlt an den geeigneten Rahmen. Oft auch der Bereitschaft auf den fremden Glauben einzugehen. Die gegenseitigen Vorbereitungsarbeiten für den interreligiösen Dialog in Thun, vom Imam und mir, wird vom IKRE voll unterstützt. Wir sehen uns im kleinsten Kreis in die Augen. Ausserdem ist das Konzept beidseitig beschlossen, dass zuallererst die interne Aufklärung und Wissensvermittlung vollzogen wird, erst danach die Begegnungen der Menschen untereinander. Vorsicht und Vertrauen: Jeder Mann, jede Frau, darf die Moschee zu den Gebetszeiten besuchen, als stiller Zuschauer, dadurch kommt es zum Kontakt mit dem «Volk». Das Zentrum kontrolliert peinlich alle Schriften und Texte, die von Aussenstehenden und ihren Mitgliedern hineingetragen werden. Sämtliche radikalen Texte und Veröffentlichungen, auch salafistischer Inhalte, werden vernichtet. Das gilt ebenfalls für Koranübersetzungen und Koranverfärbungen mit salafistischem Gedankengut. Imam Azir beteuert «Wir betreiben keine «Bahnhofmission»! Ich durfte die Bibliothek des IKRE besuchen und konnte mir selbst ein Bild darüber machen. Natürlich kenne ich die arabische Sprache nicht, aber ich erkenne die Ehrlichkeit meiner muslimischen Freunde. Eine grosse Arbeit wird für die Glaubenserziehung der Kinder investiert. Zum Nachtgebet sind oft Kinder mit ihren Vätern in der Moschee. Der oft vermuteten Missionsarbeit bin ich nicht begegnet. Denn es ist schwierig, für den Aussenstehenden, das Vertrauen der Moslems zu gewinnen. Ich habe dreieinhalb Monate dazu verwendet, periodisch mein Anliegen vorzutragen. Erst der neue Imam zeigte sich bereit, den Kontakt zu knüpfen. Trotzdem ich aus dem islamischen Umfeld in Steffisburg eine Rückmeldungen erhalten, dass aus Gründen gegenseitiger Inakzeptanz, kein Kontakt erwünscht sei. Das hat mich nicht entmutigt, sondern mit Sturheit mein Anliegen weiter zu verfolgen.
Gemeinsamkeiten und Differenzen: Das gemeinsame Gebet: Wir eröffnen die gemeinsamen Gebete mit der Sure 112, (Sura AL-Ihläs) (Die aufrichtige Ergebenheit), Sure 112 zählt zu den wichtigsten im Qur’an: Im Namen Allähs, des Allerbarmers, des Barmherzigen! Sprich: «Er ist Alläh, ein Einziger. Alläh der Absolute, von dem alles abhängt. Er zeugt nicht und ist nicht gezeugt worden, und ihm ebenbürtig ist keiner»! Apostolisches Glaubensbekenntnis (Auszugsweise): Ich glaube an Gott, dem Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Diskussion: Wir beide beten zum einen Gott. Azir fragt: «Aber wie kann Gott zugleich Vater sein? Das ist doch irgendwie unlogisch. Dann sind bereits zwei Personen im gleichen Gott vorhanden»? Ich erwidere: «Überlege was in unserer Kultur VATER bedeutet! Wir beten unser wichtigstes, gemeinsames christliches Gebet unter dem Namen: «Vater unser / unser Vater». Im Grossen sind wir einig, im Kleinen sind wir verschieden. Wir einigen uns deswegen nicht auf einen faulen Kompromiss, sind jedoch überzeugt, dass wir im Glauben frei sind und nur Gott (Alläh) über die gerechte Art entscheidet. Gemeinsamkeit bezüglich Jesus: Sure 3, 44-47, (über Maria und Jesus): (44) Damals sprachen die Engel: «O Maria, siehe, Alläh verkündet dir ein Wort von Ihm, sein Name ist der Messias, Jesus, der Sohn den Maria angesehen im Diesseits und im Jenseits und einer von denen die Alläh nahe stehen. (45) Und reden wird er in der Wiege zu den Menschen und auch als Erwachsener, und er wird einer der Rechtschaffenen sein». Und ER wird ihn das Buch lehren und die Weisheit und die Thora und das Evangelium. Wir erkennen natürlich einige Unterschiede: Der gleiche Engel Gabriel, der Maria die Geburt Jesu verkündete, befahl Muhammad während der ersten Offenbarung: «Liess (oder trag vor)»! Der Koran spricht ebenfalls von einer jungfräulichen Geburt. Der Koran spricht jedoch über das Evangelium als bereits verfasstes Werk wie die Thora. Wir haben uns im gemeinsamen Glauben, dass Jesus durch die Verheissung Gottes zur Welt gekommen ist, getroffen. In einer weiteren Koranübersetzung, Sure 2, 88-89 «Wir offenbarten bereits Moses die Schrift, liessen ihm noch andere Boten folgen, wir rüsteten Jesus, den Sohn Marias, mit überzeugender Wunderkraft aus und gaben ihm den Heiligen Geist»! Vom Propheten Abraham (Ibrahim): Aus der Geschichte des Propheten Muhammad: Eines Tages kam Abraham und verkündete seinem Sohn Ismael, dass Alläh ihnen beiden befohlen habe, SEIN Haus in der Mitte des Tales von Mekka zu bauen. Die beiden errichteten die Grundmauern der Kaaba und Abraham betete «Unser Herr, nimm es von uns an, denn wahrlich, Du bist der Allhörende und Allwissende»! (Qur‘an: Sure 2, (124) Muhamad befreit Ibrahim von den jüdischen Wurzeln, Alläh macht Ibrahim und Ismael zu Glaubenszeugen und Begründer des Islams. Durch den Qur’an wird immer wieder auf Ibrahim hingewiesen, die Sure 14 im Quran ist Ibrahim gewidmet (Sura Ibrahim).
Sure 2 (110): Und sie sagten: «Es wird niemand in das Paradies eingehen ausser Juden und Christen»! Sure 2 (131) Und Abraham befahl es seinen Söhnen an und ebenso Jakop: «Meine Söhne! Alläh hat für euch die Religion auserwählt, deshalb sterbt nicht anders als Alläh ergeben zu sein»! (32) Wart ihr etwa Zeugen, als Jakop im Sterben lag. Als er zu seinen Söhnen sagte: «Wir dienen deinem Gott dem Gott deiner Väter Abraham, Ismael und Isaak, dem Einzigen Gott, und Ihm sind wir ergeben»! Damit ist es nicht verwunderlich, dass mich Imam Azir fragt, welchen Zugang ich zum Pr0pheten Abraham hätte. In der islamischen Theologie spielt Abraham eine tragende Rolle. Er ist Gründer der Kaaba in Mekka. Er wird nicht als Jude verstanden, sondern ausserhalb der jüdischen Gemeinschaft. Der Islam verfolgt eine präzise Logik. Im Fundament sind wir alle monotheistischen Gläubigen im Lichte des einzigen Gottes. Wenn Abraham den Auftrag von Alläh befolgen muss, so wird Abraham automatisch von der jüdischen Gesellschaft getrennt. Er wird zum Propheten des islamischen Glaubens. Muhammad folgt dem Ruf nach und offenbart nach der zweiten Offenbarung den Koran. Jesus wird ebenfalls als Prophet bezeichnet, dem ausserordentliche Attribute von Alläh verleihen werden. So reiht er sich in das logische Verstehen ein, dass einer der das Wort Gottes predigt, über die Thora, über das Evangelium, nur als Prophet angesehen werden kann. Die Geschichte über Abrahams Opfer seines Sohnes und dessen Befreiung, wird im Koran ebenfalls erwähnt. Ich erkläre dem Imam auf seine Frage hin, dass Abraham wohl in unserer Religion erkannt wird. Da er jedoch nicht als Religionsstifter auftritt, nicht den gleichen Stellenwert, jedoch eine besondere Stellung in unserem Glauben einnimmt, da wir seine Opferbereitschaft als Zeuge des Vertrauens in Gott, ebenfalls würdigen. Es folgen kurze gegenseitige Positionierungen unter dem Lichte: «Allein Gott kann entscheiden, wer Recht hat, wir alle sind als Menschen frei im Glauben»! Somit bewegen wir uns ganz sachte auf Jesus zu. Prophet oder Sohn Gottes. Dieses Gespräch steht noch aus. Die Verehrung des Engels Gabriel: Der Engel Gabriel nimmt in beiden Religionen eine ganz besondere Stellung ein. Er ist der Verkünder der Botschaft Gottes an Maria zur Geburt Jesus dem Christus. Sure 2, (96) Sprich: «Wer auch immer Gabriel zum Feind nimmt, so hat er ihn doch mit der Ermächtigung Allähs in dein Herz herausgesandt als Bestätigung dessen, was vor ihm war, und als Rechtleitung und frohe Botschaft für die Gläubigen»! Der Engel Gabriel spielt eine wichtige Rolle im Leben Muhammads. Er erscheint in der ersten und zweiten Offenbarung Muhammads mit dem Auftrag, den Koran zu vermitteln. Er begleitet Muhammad auf seiner Nachtreise in den Tempel al Aqsa-Moschee in Jerusalem, wo er zusammen mit den Propheten betet. Er begleitet Muhammad auch bei seiner Himmelfahrt, wo er mit Alläh und den Propheten zusammen trifft. Himmel und Hölle sieht. Moses empfiehlt ihm währen der Rückkehr, die fünfzig Gebete auf fünf pro Tag zu reduzieren.
Gabriel setzt seine Mission als Botschafter Gottes weiter, in dem er Muhammad in die Reihen der Verkündenden aufnimmt. Der islamische Glaube ist nicht eine Adaption des Juden- und Christentums, sondern eine logische Weiterführung im Reich der monotheistischen Religionsgemeinschaften. Imam Azir und ich verabschieden uns als Freunde im Namen Gottes des Allmächtigen in der traditionellen Umarmung. «es selamu aleikum und aleikum salam». Der Friede des Herrn sei mit uns. katholische Kirchgemeinde in Thun Akzeptanz und Hilfe. Die Erfolge der beiden Projekte sind jedoch vielversprechend, dass ein Verbot ohne Gesichtsverlust beider Landeskirchen nicht mehr möglich ist. Der tiefere Grund liegt in der erstarrten rückständigen Administration der kirchlichen Arbeit. Ein Laie, ohne einen von den Kirchen anerkannten Ausweis zur Kompetenz des Projektleiters, darf es nicht geben. Die reformierte Kirche kontert grundsätzlich, dass eine Mitarbeit mit einem kurzen Gebet, beim Friedensgebet nur über eine autorisierte Bewilligung der Kirche stattfinden kann. Die katholische Kirche legt demgegenüber keine entsprechenden Vorschriften fest. Entstarrung: Es ist nicht auf meinem Mist gewachsen, dass der moderne, mündige Mitchrist an der Basis unserer Kirchen, zuerst das Gehör (GEHORSAM) und dann die SPRACHE (DIALOG) verliert. Es sind zwei grosse Dinge zeitgemässer Wahrheit: «Wir alle sind Kirche», Papst Franziskus und «Wir müssen die säkulare Sprache zum Kirchenvolk beleben», Jürgen Habermas. Dazu die eindrücklichen Orientierungen des ehemaligen Abt von Einsiedeln, der in kritischer Positionierung, dem Erstarren der Kirche entgegenwirkt. Für mich gibt es Maximen: «Gott ist der Herr, er urteilt über Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit unserer Taten. Jeder Mensch verfügt über den eignen freien Willen, verantwortungsbewusst den Glauben zu stärken. Es steht nirgends geschrieben, dass der Glaube nur über ein Diktat von oben herab, über die alleinseligmachende Wahrheit verfügt. Zeichen der Glaubenskulturen am Himmel der westlichen Glaubenswelt Eine kurze Geschichte der Orthodoxen Kirche: Alle national-orthodoxen Kirchen gehen auf den Balkan zurück. Griechenland, Kleinasien, Syrien, Russland. Die byzantinische Reichskirche, in Konstantinopel, verwaltete bis 1453 die nationalen orthodoxen Kirchen. Der osmanische Sultan, Mehmed II., eroberte 1453 Konstantinopel und besiegelte das Ende des Byzantinischen Reiches. Konstantinopel wurde zur Hauptstadt des Osmanischen Reichs. Mehmed bewunderte die hohe Baukunst der Hagia Sophia und verschonte das Gotteshaus. Die Hagia Sophia wurde zum muslimischen Heiligtum. Der erste ökumenische Patriarch unter der osmanischen Herrschaft war Gennadios Scholarios. Mehmed II ernannte den Patriarchen auf Grund dessen anti westlichen Haltung zum vakanten Patriarchen der griechisch-orthodoxen Kirche. Die kirchliche Tradition der orthodoxen Lehre geht auf Jesus dem Christus zurück. Voll ausgeprägt waren
diese während dem Byzantinischen Reich im Zentrum Byzanz, Konstantinopel. Das Byzantinische Reich entstand 395 durch die Teilung des Römischen Reiches in einen Ost- und Westteil. Es entstanden die zwei kirchlichen Zentren in Konstantinopel und Rom. Die lateinische (römische) Kirche und die griechischen (Ostkirchen) Kirchen entstanden. Konzil von Chalkedon, 8. Oktober bis 1. November 451 Während diesem, dem siebten ökumenischen Konzil der alten Kirchen, kam es zur Kirchenspaltung. Es ging um eine Auseinandersetzung über das Wesen von Jesus Christus. Wie war Jesus im Verhältnis zur menschlichen- und der göttlichen Natur? Die Zwei-Naturen-Lehre gegen die Dreifaltigkeit. Also als wahren Gott oder als dreieiniger Gott (Gottes Sohn in zweiter Person). Die Ostkirchen entschieden sich zur Zwei-Naturen-Lehre, die Westkirche zur Dreieinigkeit, die noch während dem Konzil dogmatisiert worden ist. Das morgenländische Schisma: Das grosse Schisma oder das griechische Schisma zwischen den orthodoxen und der römisch- katholischen Kirche. Der Beginn des Schisma wird auf das Jahr 1054 gelegt. Papst Leo IX gegen Patriarch Michael I. von Konstantinopel. Der Streit zwischen der Ost- und Westkirche eskalierte 1054, als der Gesandte des Papst Leo IX die unterschiedlichen religiösen Praktiken zwischen beiden Kirchen anprangerte. Dieser Streit dauerte schon Jahrhunderte, führte jedoch nicht zum Bruch bis ins Jahr 1054. Der Gesandte des römischen Papstes, Humbert de Silva Candida, exkommunizierte den Patriarchen der Ostkirchen kurzerhand. Patriarch Michael I. erwiderte diesen Akt ebenfalls mit der Exkommunion der römischen Gesandten. Das war der Beginn des abendländischen Schisma. Papst Paul VI und der Patriarch Athinagoras hoben die gegenseitige Exkommunion, 1965, auf. Das Schisma dauerte mehr als 900 Jahre. Die Situationskarte zeigt die Unterteilung der West- und Ostkirche ab 1054. Damals war das Byzantinische Reich noch in Kraft, mit der Hauptstadt Konstantinopel, Griechenland, slawischen Staaten und Vorderasien. Die Gebiete der Westkirche sind im typischen Einflussbereich des antiken, römischen Reiches.
Papst Leo IX und Patriarch Michael I.
Die Entfremdung: Da war ein Umstand, dass in den ersten Jahrhunderten, im Westen, die griechische Sprache immer weniger beherrscht worden ist. Im antiken Rom waren die Zweisprachigkeit, Latein und Griechisch, an der Tagesordnung. Im Mittelmeerraum wurde griechisch gesprochen, was in etwa vergleichbar zu unserem modernen Englisch, als die allgemeine Umgangssprache gegolten hat. Aber bei den westlichen Kirchenvätern verschwand das Griechische immer mehr. Ebenso verschwand das Latein in den Ostkirchen. Die Unterscheidungsprozesse wurden schärfer, als Kaiser Theodosius im Jahre 395 das römische Reich unter seinen Söhnen in ein West- und Ost-Reich aufteilte. Die Hauptstadt Ostroms wurde Konstantinopel, der Bischof von Konstantinopel legte sich den Titel Patriarch zu, damit verbunden die Oberhoheit über die Patriarchen des Abendlandes (Alexandrien, Jerusalem, Antiochien). Dadurch verbunden war ein unheilvolles Machtstreben der Patriarchen von Konstantinopel. Rom löste sich stetig von Byzanz. Byzanz war nicht in der Lage einen Schutz für die Kirchen zu gewährleisten. Hauptsächlich der ehrgeizige Patriarch Photios von Konstantinopel, der mit Hilfe einer Fälschung, die morgenländische- von der abendländischen Kirche trennen wollte, um sich selbst an die Spitze der Ostkirche zu setzen. Das Vorhaben scheiterte, 858, unter Papst Niklaus I. 863 setzte Papst Niklaus I. den Patriarchen Photios ab und exkommunizierte ihn. Erst 1054 glückte es Patriarch Michael I. sich von Rom und der abendländischen Kirche zu lösen.Als Humbert in der Hagia Sophia eine Bannbulle auf den Altar legte (1054), war das Schisma vollzogen. Der Grund war die drohende Gefahr, die vom Osmanischen Reich ausging. Während dem 17. Konzil, 1431-1445, (Basel/Ferrara/Florenz) konnte eine kurzlebige Union mit den Griechen getroffen werden. Der Grund war wohl die drohende Gefahr, die vom Osmanischen Reich ausging. Der christliche Osten, unter dem byzantinischen Kaiser Johannes VIII. und dem Patriarchen von Konstantinopel, Joseph II., bemühten sich in einer offeneren Haltung zur Westkirche. Sie suchten die Hilfeleistung der abendländischen Kirche gegen die aufstrebenden Osmanen. Eine erste ökumenische UNION wurde Wirklichkeit. Auch war geplant auf ökumenischer Basis das Konzil im Osten fortzuführen. Das scheiterte auf Grund der Osmanen. Das Konzil wurde nach Ferrara verlegt. Hauptsächlich auf Betreiben der Päpste Martin V. und Eugen IV. förderten nach dem Konzil zu Konstanz eine Union mit der Ostkirche. Noch 1422 und 1442 trotzte Konstantinopel der Belagerung durch die Osmanen unter Murad II (der Eroberer). Kaiser Johannes VII. besuchte Papst Eugen IV. um eine Einigung zwischen
Patriarch Photios und Papst Niklaus I. Papst Eugen IV. und Kaiser Johannes VIII. von Byzanz,Patriarch Joseph II. und Sultan Murad II.
der orthodoxen- und der römisch-katholischen Kirche zu erreichen. Das Ergebnis, die Union, wurde 1439 in Florenz, vertraglich bestätigt. Diese Union war jedoch ein Fehlschlag. 1453 eroberten die Osmanen unter Mehmed II. Byzanz. Kultur und Bildung: Die Römer empfanden die Griechen als spitzfindige, hochnäsige Wissenschaftler. Dagegen sahen die Griechen in den Römern ungebildete Barbaren. Ein kulturelles Erbe, dass das Schisma ebenfalls begünstigte. Die römisch- abendländische Kirche: Die römischen Theologen der Westkirche verfügten über eine hochwertige, vorwiegend juristische Bildung (Rechtfertigungslehre). Das förderte auch die organisatorischen Aspekte (Oekonomia). Damit wurde der Hierarchie ein besonderes Gewicht zugeordnet (Ekklesiologie). Die orthodoxe, morgenländische Kirche: Im Osten überwiegt naturgemäss die klassische Bildung. Philosophie, Naturwissenschaften und Rhetorik. Das Wissen gründete sich in der Geisteswissenschaft griechischer Fundamente (Christologie). Die orthodoxe Theologie ist grundlegend philosophisch ausgerichtet. Probleme: Die Ansichten der beiden Poole mussten rein wissenschaftlich auseinanderdriften. So werden Fragen der Häresien in einem absolut widersprüchlichen kirchlichen Kontext wahrgenommen. In der Ostkirche finden sich keine Hexenprozesse wie in der Neuzeit der Westkirche. Die christologischen Fragen bewegen sich im Spannungsfeld des Glaubens zur weltlichen Philosophie. Die Auseinandersetzung zwischen den beiden Elementen, Ekklesiologie und Christologie fanden schon in den ersten sieben Konzilien statt. Vertreter des Arianismus und Monophysitismus auf der morgenländischen Seite, gegen die Trinitätslehre der abendländischen Kirche. Ein beinahe gordischer Knoten, der bis heute nicht lösbar geworden ist. Ich nehme noch ein Beispiel hinzu. Die Ketzerei und die Wissenschaft: Eine Ketzerverfolgung im Sinne des westkirchlichen Musters ist in der ostkirchlichen Theologie kaum nachvollziehbar. Der morgenländische Pragmatismus und die äusserst gut gebildeten Laien im Kirchenleben, haben auf Grund ihrer Wissenschaften kaum zu gleichen Verurteilungen gefunden. Die traditionelle Bildung innerhalb der orthodoxen Kirche verfügte ab dem 5. Jh. über ein Bildungsmonopol. Dagegen waren die frühen Päpste der Westkirche praktisch alles Juristen. Die Ostkirche sicherte sich einen Klerus der NUR innerhalb der Kirche ausgebildet werden konnte. Ein Mangel für das Laientum, das über einen tiefen bis keinen Bildungsstand verfügt. Die Westkirche versteht sich
Ketzerei und Häresie im Mittelalter und Neuzeit
jedoch in einem freiheitlichen Bildungsprinzip über rechtliche, öffentliche Bildungsanstalten. Das sichert wiederum, das breite Angebot ausgebildeter Laien. Leider haben Kirchenlehrer der römisch- katholischen Kirche in ambivalenter Art und Weise viel zur Ketzer- und Hexenverfolgung beigetragen. Entweder sind ähnliche Verhaltensweisen der Ostkirchen durch das Schisma bei uns nicht erkannt worden, oder die Ostkirchen haben schlicht und einfach eine andere Kultur, die Auswüchse dieser Art nicht erlauben. Inzwischen hat sich die römisch-katholische Kirche in aller Offenheit von den historischen Verfehlungen losgesagt. Hat die orthodoxe Kirche ebenfalls eine gleichbedeutende Erneuerung durchgestanden? Die politische Seite zweier unterschiedlichen Welt-Kirchen: 330 wurde die Hauptstadt des römischen Reiches von Rom nach Konstantinopel verlegt. Der Kaiser war im Osten und mehrere Patriarchen in der Kirche. Der Westen blieb jahrhundertelang ohne zentrale politische Führungsstruktur. Sie hatten keinen Kaiser, nur Lokalfürsten. Der Papst hatte die alleinige Kompetenz über das Geschick der Kirche zu bestimmen. Da die politische Oberhoheit in diesem System fehlt, wird der Papst wohl oder übel diesen Mangel zu seinen Gunsten nutzen müssen. Die Kirche und der Papst werden politisiert. Irene von Athen: Geboren 752 in Athen. Als der römische Kaiser, Leo IV, 780 starb, wurde dessen Sohn Konstantin VI. Kindkaiser. Die Frau Kaiser Leo, Irene, übernahm die Regierungsgeschäfte. Irene wurde 790 zur Alleinherrscherin. Sofort gab es eine Soldatenrebellion, Irene wurde abgesetzt. Ihr Sohn, Konstantin, rehabilitierte Irene 792 und sie wurde wieder Mitregentin. 797 rebellierten Verbündete von Irene. Konstantin wurde abgesetzt und gefoltert, an deren Folgen Konstantin verstarb. Irene wurde endgültig Kaiserin des byzantinischen Reiches. Als Kaiserin war sie nicht erfolgreich. Die Armee verweigert ihr ihre Unterstützung. Das römische Recht akzeptiert keine Frau als Oberkommandierende der Armee. Dadurch war die Legalität, dass eine Frau Kaiser werden konnte, nicht gegeben. Leo III. veranlasste dieser Zustand zur Feststellung, dass der römische Kaiserthron als vakant zu beurteilen sei. Irene von Athen wurde 802 abgesetzt. Irene wurde auf die griechische Insel Lesbos verbannt und verstarb 803. Das Ende der «syrischen Dynastie» war gekommen. Die Macht des byzantinischen Reiches war gebrochen. Die römischen Kaiser, und das kommende «Römische Reich Deutscher Nationen» wurden zukünftig in Westeuropa etabliert. Dieses Reich ging erst im 20. Jahrhundert unter. Ebenso verlor die orthodoxe Kirche im Abendland an Bedeutung, nachdem es keinen byzantinischen, römischen Kaiser mehr gab.
Römische Kaiser Leo IV. und Konstantin VI von Byzanz
Karl der Grosse: Als Papst Leo III. am 25. Dezember 800, Karl der Grosse zum Kaiser krönte, fühlte sich die Ostkirche wieder einmal mehr betrogen. Die Westkirche sah den byzantinischen Kaiserthron als unwürdig, durch die Regentschaft der Kaiserin Irene von Athen, vertreten. 787 ging Irene ein Bündnis mit Karl ein, das jedoch nicht von Erfolg gekrönt war. Der Versuch die Tochter Karls, Rotrud, mit Konstantin VI zu verheiraten misslang. Durch diese Krönung ergab sich eine unglückliche Situation für die Ostkirche. Die Griechen, vom Politiker bis zum Normalbürger entsetzten sich über die Anmassung von Papst Leo III., der einen Barbarenfürsten zum ersten römischen Kaiser krönte. Dadurch wurde im Prinzip ein römischer Gegenkaiser zum rechtmässigen römischen Kaiser von Konstantinopel gewählt. Die Ostkirche sah den Verrat der Westkirche am Staat und der Kirche als vollendet. Die guten Beziehungen des Papstes mit Frankreich waren ausschlaggebend. 795 sandte Leo den Schlüssel zum Grab des Heiligen Petrus an Karl. Damit wurde Karl der Grosse zum Schutzherrn von Rom. Gegen Leo wurde in Rom ein Attentat verübt, danach flüchtete der Papst zu Karl in Paderborn. Karl schickte Leo nach Rom zurück, um die Vorwürfe und Gefangennahme des Papstes zu klären. Nachdem nichts Wesentliches gegen den Papst vorlag, zog Karl im Jahre 800 nach Rom, um die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Die beste Lösung ergab die Wahl von Karl zum römischen Kaiser verbunden mit der Rettung des Papstes gegen die an ihn erhobenen Vorwürfe. Die Erneuerung des weströmischen Kaisertum, und der Untergang des oströmischen Kaisertum führte dazu, dass 812 der oströmische, byzantinische Kaiser, Michael I. Karl als Kaiser anerkannte. Die Theologie der beiden christlichen Bekenntnisse: Einige Unterschiede sind theologisch begründet. Dreifaltigkeit: Der Osten betont den Schwerpunkt neutral auf die drei Personen einschliesslich des Heiligen Geistes. Der Westen betont die Einheit der drei Personen betont dadurch die Rangordnung, 1. Gott, 2. Jesus, 3. Der Heilige Geist. Erbsünde: Der Osten sieht in der Erbsünde die Schuld Adams, den Tod, dessen Begierde und der Neigung zur Sünde. Der Westen sieht die Erbsünde von der Zeugung durch Adams Schuld in den Menschen eingepflanzt und dadurch juristisch schuldig. Ein Grund, dass die unbefleckte Empfängnis Marias nötig machte. Erlösung: Im Osten bewirken Tod und Auferstehung von Jesus Christus die Befreiung von Tod und Sünde, die den Menschen wieder gottähnlicher machen und bewirken, dass der Mensch in der Ewigkeit mit Gott leben kann.
Irene von Athen, Papst Leo III. und Karl der Grosse Karl der Grosse
Im Westen geht es um den juristischen Freispruch den Jesus bewirkt hat. Er nahm die Strafe der menschlichen Sünde auf sich und erlöste dadurch die Sünder. Transsubstantiation: Die Westkirche vertritt die Haltung, dass sich Wein und Hostie während der Wandlung in den tatsächlichen Leib Christi und in das Blut Christi verwandelt. Die Orthodoxe Kirche anerkennt eine Veränderung der Elemente, jedoch nicht im Sinne der römisch- katholischen Tradition und Lehre. Die Mutter Gottes wird verehrt, jedoch nicht dogmatisiert. Gebet und Gesang: Die Westkirche pflegt den Gesang während des Gottesdienstes unter Begleitung von Musikinstrumenten. Gesang gehört zum liturgischen Ablauf. Neben dem Gesang folgen kurze, in die Liturgie eingebaute Gebete. Die orthodoxe Kirche setzt den Gesang mit dem Gebet gleich. Daher ist die Begleitung mit Musikinstrumenten nicht gestattet. Die Ostkirche pflegt die Verbindung von Gebet und Gesang als Einheit. Die gesungene Liturgie ist voller Symbolik. Gottesdienst: Die Westkirche pflegt einen rituellen, nach festgelegtem Liturgieplan gehaltenen Gottesdienst. Diese Gottesdienste sind gegenüber der orthodoxen Tradition eher kurz. Die orthodoxe Kirche pflegt einen rituellen, ausgiebig gestalteten Gottesdienst. Die Eucharistie kann überall gefeiert werden, wenn ein Bischof, oder ein beauftragter Priester zugegen ist. Die Gottesdienste dauern länger als die der Westkirche. Bilder, sakrale Kunst: Die Westkirche bevorzugt grossflächige, Gemälde mit der Darstellung der Passion Christi, Bilderlegenden über die Heiligen. Gemälde die Kirchenpatrone darstellen. Es findet eine Verschmelzung mit der weltlichen Kunst statt. Die sakrale Kunst umfasst eine Einheit zwischen Gemälden und Figuren. Die Gemälde können jeweils eine ortsgebundene kirchliche Geschichte wiedergeben. Die orthodoxe Kirche wiedergibt sich als in sich geschlossene Einheit zwischen Ikonen und Architektur. Innerhalb des kirchlichen Raumes herrscht eine Wirkung gleich eines umhüllenden, prächtigen Mantels. Zu den Ikonen darf nicht gebetet werden, jedoch werden sie verehrt und spielen eine zentrale Rolle in der Liturgie. Zölibat: Im Osten können Verheiratete als Priester geweiht werden. Der Westen besteht auf das Zölibat. Eucharistie (unterschiedliche Regelung des Fastens): Die Ostkirche verwendet gesäuertes Brot. Die Westkirche ungesäuertes Brot. Kirche und Staat: Die gegenwärtigen, westeuropäischen Kirchen operieren unter der juristischen Auflage der Trennung von Kirche und Staat. Sie befürwortet den säkularen Staat und fühlt sich als eigenständige kirchliche Institution. Die orthodoxen Kirchen befürworten ein harmonisches Zusammenleben von Kirche und Staat.
Bischofsamt: Im Osten gelten die Bischöfe als gleichberechtigt, da viele lokale Kirchen sich auf die Gründung durch einen Apostel berufen können. Entscheidungen können nur durch ein ökumenisches Konzil getroffen werden. Dazu muss die Zustimmung des Volkes erfolgen. Der Osten hat mit der monarchischen Haltung der Westkirche insofern kein Problem, solange es sich auf das westliche Patriarchat beschränkt. Im Westen kann sich nur die römische Kirche, durch den römischen Bischof auf einen Apostel berufen. Das ergibt eine Sonderstellung der römischen Kirche. Aus Gründen der Hierarchie und Justiz der Westkirche, kann die Ostkirche den römischen Papst nicht als allumfassendes christliches Oberhaupt anerkennen, wenn sich der Papst als Oberhaupt der gesamten Kirche beruft. Die orthodoxen Bischöfe können sich nicht als Befehlsempfänger des Papstes sehen. Im Moment sind dies Fakten, beider Kirchen, die sich gegenseitig ausschliessen. Es gibt nur den ökumenischen Weg der gegenseitigen Achtung und der Annahme den eigenen Glauben zu lieben und den anderen zu achten. Ökumene, das Treffen von Papst Franziskus und Patriarch Kyrill: Die Festversammlung zum Jahrestag der Begegnung von Havanna 2016, am 12. Februar 2017 an der Universität Fribourg. Aufgerufen durch die Schweizerische Bischofskonferenz und dem Institut für ökumenische Studien. «Die Gemeinsame Erklärung» des Heiligen Vaters und dem Patriarchen Kyrill, der Russisch-Orthodoxen Kirche, Moskau. Frau Prof. Dr. Barbara Hallensleben, zur Einleitung: «Tatsächlich könnte angenommen werden, dass es beim Treffen, 2015, in Havanna um einen bilateralen Dialog zwischen der Katholischen Kirche und der Russischen Orthodoxen Kirche gehandelt hätte. De facto war es aber durch die Mitwirkung von Metropolit Jérémie und der starke rumänische, griechische und serbische Präsenz, ein «panorthodoxes» Ereignis. Diese Erweiterung hat mich sehr gefreut. Für die interessierten, katholischen Pfarreimitglieder ist es wichtig, dass es sich nicht um eine Ökumene der Hierarchie geht, sondern dass die Ökumene der Heiligen, die kulturelle Ökumene und die Ökumene der praktischen Zusammenarbeit gerade alle Gläubigen vor Ort einbeziehen will, damit sie sich besser Kennenlernen und zu einem gemeinsamen Zeugnis ihres Glaubens in den jeweiligen Herausforderungen der Geschichte finden». (Frau Prof. Dr. Barbara Hallensleben, zu Handen des Vortrages über die orthodoxe Kirche, an die Besucher der Pfarrei St. Marien, Thun, 20. Februar 2017) Am 12. Februar 2016 haben sich Papst Franziskus und Patriarch Kyrill in Havanna zum Dialog beider Schwesterkirchen getroffen. Am 12. Februar 2017 wurde die Jahresfeier zum Gedenken an das Treffen, von der Schweizerischen Bischofskonferenz und dem Ökumenischen Institut der Universität Fribourg durchgeführt.
Der zweite Jahrestag der «Gemeinsamen Erklärung» vonPapst Franziskus und den Patriarchen Kyrill in Havanna.
Der Anlass fand in der Aula Magna der Universität Miséricorde in Fribourg statt. Eine Wegetappe ist der erste Jahrestag der Begegnung in Havanna, der am 12. Februar 2017 in Fribourg begangen wird. Kardinal Kurt Koch und Metropolit Hilarion. Metropolit Hilarion Alfejew. (24. Juli 1966 in Moskau) Ist russisch-orthodoxer Metropolit, Leiter des Aussenamtes des Moskauer-Patriarchats. Kardinal Kurt Koch, (15. März 1950) ist Schweizer-Kurienkardinal der römisch-katholischen Kirche. Ehemaliger Bischof der Diözese Basel. Vortrag von Metropolit Hilarion, 12.02.2017 (auszugsweise) Der Metropolit erwähnte, dass das Treffen zwischen Papst Franziskus und Patriarch Kyrill, «weit weg von den alten Auseinandersetzungen der Alten Welt, organisiert worden ist. Ein Aufeinander-Zugehen in einer historischen zwischen kirchlichen, internationalen, gesellschaftlichen Beziehung. Die beiden, gegenseitig anerkannten Kirchenoberhäupter haben die Gespräche in einem Dokument beleuchtet. «Die wechselseitigen Beziehungen zwischen den Kirchen, die wesentlichen Anliegen unserer Gläubigen und die Aussichten zur Entwicklung der menschlichen Gesellschaft»! Die gemeinsame Erklärung spreche ehrlich über die Probleme, die noch zwischen den Kirchen bestehen. Es sind an die tausend Jahre her, dass die Katholiken und Orthodoxen, der Gemeinschaft der Eucharistie entbehren. Für die Trennung gäbe es theologische und kulturelle Gründe, die wären jedoch «eine Folge menschlicher Schwäche und Sündhaftigkeit, die dem Willen des Erlösers zur Einheit seiner Jünger widersprechen». Diesem Zustand darf nicht nachgegeben werden. Papst und Patriarch hätten ihre Begegnung in Havanna darin verstanden, einen Beitrag zur Wiederherstellung dieser von Gott gewollten Einheit, für die Christus gebetet hat und die Christen in aller Welt inspiriert, Gott mit neuem Eifer um die volle Einheit all seiner Jünger zu bitten. Hilarion: «Eine wichtige Voraussetzung zur Wiederherstellung des Vertrauens auf Seiten der orthodoxen Christen war die erstmals auf höchster Ebene in Havanna ausgesprochene Erklärung, dass die UNION kein Mittel zur Erlangung der Einheit zwischen den Kirchen ist und dass in den orthodox- katholischen Beziehungen der Proselytismus in jeder beliebigen Erscheinungsform keine Berechtigung hat». Dabei verschwieg Hilarion nicht, dass die Griechisch-Katholische Kirche in der Ukraine in der Frage zur UNION eine gereizte Haltung eingenommen hat. Hilarion: «Orthodoxe und Katholiken müssen sich schlussendlich bewusst werden, dass die alte Psychologie der Rivalität und des «Seelenfangs» weichen muss vor der geschwisterlichen Zusammenarbeit angesichts der Herausforderungen, auf unsere Kirchen in Europa stossen, wo der Deckmantel der Durchsetzung von Ideen wie Toleranz, Demokratie und der Einführung liberaler Werte eine wirkliche Verfolgung der Christenheit und traditionellen sittlichen Werte ausgelöst worden ist.».
Der Metropolit Hilarion am 12.02.2017 in der Universität FR.
Bildungspotential: Das Projekt, das im Jahre 2015 im Rahmen der kulturellen Zusammenarbeit zwischen der Russischen Orthodoxen Kirche und dem Heiligen Stuhl initiiert wurde und nach der Begegnung von Havanna einen neuen Impuls erhielt: «Die Sommeruniversität» für Studenten der päpstlichen Ausbildungsrichtungen an der Gesamtkirchen Aspirantura und Doktorantura unter den Namen des Apostelgleichen Heiligen Kyrill und Method. Die Studenten der Römisch- Katholischen Kirche kommen für zwei Wochen nach Russland und können nicht nur ihre Kenntnisse der russischen Sprache verbessern, sondern auch aus der Nähe mit den Traditionen und dem heutigen Leben der Russischen Kirche vertraut machen und deren Heilige Orte besuchen». 2016 haben im Gegenzug eine Gruppe von Klerikern und Studenten der Russisch-Orthodoxen Kirche die Möglichkeit zu einem Besuch in Rom, um die Arbeit der verschiedenen Abteilungen der römischen Kurie und die Organisation des Ausbildungsprozesses an der Päpstlichen Universität kennen zu lernen. Schlusswort: «Die gemeinsame Erklärung der beiden Oberhäupter ist – ich scheue mich nicht es zu sagen - eine wahre Charta, an der wir uns orientieren können und mit der wir alle unsere weiteren Aktivitäten in den kommenden Jahren abstimmen müssen»! «Die Begegnung in Havanna sollte weitreichende Folgen für die ganze Welt haben. Das Wort von Papst und Patriarch, durchdrungen von Hirtensorge und Hirtenliebe, richtet sich an ganz verschiedene Menschen, darunter politische und gesellschaftliche Führungsmöglichkeiten. Von der Frage, ob sie diesem Wort Folge leisten, hängt die Zukunft der Menschheit ab»! Vortrag von Kurt Kardinal Koch, 12.02.2017, an der Universität Fribourg: Die Gemeinsame Erklärung (auszugsweise) «Überraschend hat die Begegnung der Oberhäupter der Kirchen des europäischen Kontinents mit der grössten Anzahl Gläubiger nicht in Europa stattgefunden, sondern auf Kuba. Selbst wenn das providenzielle Zusammentreffen der Reisen eine Rolle gespielt hat, erfolgte die unerwartete Wahl nicht ganz zufällig. Patriarch Kyrill hat sie begründet mit dem Wunsch, das Treffen möge weit entfernt von einem Kontinent stattfinden, der als Symbol der Auseinandersetzungen und der Spaltung der Christen erscheinen könnte – wie es im Übrigen auch die Gemeinsame Erklärung selbst zum Ausdruck bringt: «Weit weg von alten Auseinandersetzungen der Alten Welt» Kardinal Koch erwähnt zum Dokument: «Es handelt sich um einen Beginn und nicht um das Ende. Die Gemeinsame Erklärung dokumentiert eine Etappe-, aber sie bezeugt nur ein bestimmtes Stadium unseres Weges zur Einheit. Diese Einheit entsteht auf dem Weg, wie der Heilige Vater sofort nach der Begegnung bemerkt hat. Dieses Dokument bezeugt das hohe Niveau der Beziehungen zwischen unseren Kirchen, das Ergebnis einer besonders positiven Phase in unseren Beziehungen, doch es erhebt keinen Anspruch auf Vollendung: Es will nur
ausdrücken, was in einem bestimmten Kontext und zu einem bestimmten Zeitpunkt gemeinsam gesagt werden kann. Es bleibt zu hoffen – so Gott will -, dass weitere Begegnungen und weitere Erklärungen das Gesagte vertiefen und vervollständigt werden. «Zweitens handelt es sich um eine gemeinsame Erklärung, mit den Vor- und Nachteilen jedes gemeinsamen Textes. Gemeinsam sagt man weder dasselbe noch spricht man auf dieselbe Weise wie in gesonderten Erklärungen, die allein den Gesichtspunkt der einen oder anderen Seite darstellen. Ein gemeinsamer Text ruft unausweichlich Unzufriedenheit auf beiden Seiten hervor». Drittens muss die Erklärung als ein pastoraler Text gelesen werden. Der Heilige Vater selbst hat es klar gesagt: «Es ist keine politische Erklärung, es ist keine soziologische Erklärung, es ist eine pastorale Erklärung». Der Text bezieht sich auf das, was man «pastorale Ökumene» nennen könnte, oder um mit den Worten von Papst Franziskus zu sprechen: «Es ist ein Text «von zwei Bischöfen, die sich mit einem pastoralen Anliegen getroffen haben». Die Einleitung der Erklärung situiert sich übrigens von vorherein in dieser Perspektive: «Unser christliches Gewissen und unsere pastorale Verantwortung erlauben es uns nicht untätig zu bleiben angesichts der Herausforderungen, die eine gemeinsame Antwort erfordern». Die Gemeinsame Erklärung zeigt also einen historischen Schritt in den Beziehungen zwischen unseren Kirchen an. Doch, wie gesagt, sie erhebt keinen Anspruch auf Vollkommenheit. Im Übrigen waren gewisse kritische Stimmen zu hören. Einige konnten bezüglich der uns verbindenden Elementen bedauern, dass die Sakramente im Dokument nicht ausdrücklich erwähnt sind, insbesondere die Taufe als Grundlage der Beziehungen unter Christen, aber auch die apostolische Suchzession und die Eucharistie. Das wäre umso einfacher gewesen, als die entsprechenden Positionen unserer Kirchen bezüglich der gegenseitigen Anerkennung der Sakramente sehr klar sind. Ein weiter geäusserter Vorbehalt betrifft den Eindruck einer zu sehr «auf Moral bezogene» Vision, die den Anschein erwecken könnte, die katholisch-orthodoxe Annäherung gründe einzig und alleine in den zu verteidigenden «Werten». Sie unterstreichen vor allem, dass die Christen in erster Linie nicht durch die Moral geeint sind, sondern durch eine Person, die alle Werte übersteigt und deren Handeln sich in der Kirche fortsetzt, die der Leib Christi ist». Ich war beeindruckt festzustellen, dass die mehrfachen Begegnungen Anlass für die Praxis einer Ökumene der Heiligen gaben. Austausch der Gaben: Patriarch Kyrill überreichte dem Heiligen Vater durch den Metropoliten Hilarion, Reliquien des heiligen Seraphim von Sarov, der einer der im Westen bekanntesten russischen Heiligen ist. Der Heilige Vater schenkte dem Patriarchen, überbracht von Kurt Kardinal Koch, des heiligen Franziskus, seines Patrons, der unter den westlichen Heiligen in seiner Erfahrung der Osterfreude und seinem Streben nach Frieden für die ganze Schöpfung eine besonders grosse Nähe zum heiligen Seraphim aufweist. Papst Franziskus schrieb in seinen Wünschen an den Patriarchen: «Mögen diese beiden ausserordentlichen Zeugen Christi, die im Himmel bereits vereint sind, fürbittend für uns eintreten, damit wir gemeinsam immer enger zugunsten der vollen Einheit arbeiten, um die Jesus Christus gebetet hat»! Schlusswort: Ich bin geneigt, von einem kirchlichen Ereignis am Rande der Weltgeschichte zu sprechen. Nach einer über Jahrhunderte erstreckende gegenseitige Entfremdung, zwischen der Römisch-Katholischen und der Orthodoxen-Kirchen, gelingt es im Jahre 2016 eine fundamentale Kehrtwendung zu initialisieren. Unter den Augen der Weltöffentlichkeit, in Anbetracht der gegenwärtigen politischen, sozialen und religiösen Auseinandersetzungen, findet ein Ereignis statt, dass weit mehr Beachtung finden sollte.
Die besondere Bedeutung wird die kommende Geschichte zu werten wissen. Spannungen politisch- sozialer Art, zwischen West und Ost sind genügend vorhanden. In einer Zeit, wo die West- und Ostmächte wieder aufrüsten und ihre nationalen Werte hochhalten, jeder sich gegen den anderen verteidigen will, kommen die Kirchen mit der Bereitschaft gegenseitiger Hochachtung. Das ist eine Demonstration der Stärke und des Vertrauens in eine bessere Zukunft der Menschheit von historischer Grösse. Wie sprach der Metropolit Hilarion: «Von der Frage, ob sie diesem Wort Folge leisten, hängt die Zukunft der Menschheit ab». Begriffsbestimmungen: Der Patriarch: Der oberste Bischof mit Jurisdiktionshoheit über ein Patriarchat. Ostkirche: Steht an der Spitze der vier verbleibenden spät antiken Patriarchate: Konstantinopel, Antiochien, Alexandrien, Jerusalem. Grosse orthodoxe Landeskirchen: serbisch-, russisch,- bulgarisch- und rumänisch-orthodoxe Kirchen. Die anderen orthodoxen Kirchen verfügen über Metropoliten oder Erzbischöfe. Westkirche: Das altkirchliche Patriarchat der römischen Westkirche ist heute Papstsitz, und der Papst Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche im Rom. Der Titel wurde von Papst Benedikt XVI abgeschafft. Metropolit: Ost- und Westkirche: Metropole steht für die Hauptstadt einer Provinz im oströmischen Reich. Der Metropolit steht demnach dem Bistum einer Provinz vor. Der Metropolit verfügt gegenüber einem Diözesanbischof über zusätzliche Rechte. In der katholischen Ostkirche ist die Rolle des Metropoliten gleich der in der orthodoxen Kirche. In der Römisch-katholischen Kirche kann der Erzbischof, der einer Kirchenprovinz vorsteht als Metropolit gelten. Orthodox: Griechisches Wort, heisst «die richtige Lehre Gottes». Die ersten christlichen Kirchen waren katholisch und byzantinisch, als Ost- und Westkirche. Die orthodoxen Kirchen bekennen sich in der Nachfolge der Apostel. Heute sind sie mit über 300 Mio. Angehörige die drittgrösste christliche Gemeinschaft. Die Kirchen teilen sich in russisch-, griechisch-, rumänisch-Orthodox, als byzantinisch- orthodox und verschiedener selbst verwalteter Nationalkirchen. Schuld und Unschuld: Um eine Gemeinschaft nachhaltig zu spalten, bedarf es einer gegenseitigen Schuldzuweisung. Diese extreme effiziente Methode wird durch die Machtgier von bereits zu mächtigen Personen oder Gemeinschaften genährt. Zu einem Ganzen kann ein neues Element zugefügt werden. Dieses Element kann wieder abgetrennt werden. Um ein in sich Ganzes zu teilen ist nur über die Spaltung möglich. Das Zusammenfügen von gespalteten Elementen zu einem ursprünglich Ganzen ist nicht möglich ohne bedeutende Verluste. Wo Schuld und Unschuld trennend regieren bleibt kein Platz für Gerechtigkeit. Wohl sind Verhandlungen zwischen beiden Blöcken möglich, jedoch ineffizient da die Kontrahenten jeweils von ihrer eigenen Unschuld ausgehen. Wenn es jedoch gelingt, ohne gegenseitige Schuldzuweisung einen Dialog aufzubauen, dann bleiben die spaltenden Emotionen auf der Strecke. So sehe ich es unter dem Dialog der beiden Schwesterkirchen. Das aufgespaltene zu einem Ganzen zusammenzufügen ist ohne einen Neuanfang auf einem neuen gemeinsamen
Fundament bedingt möglich. So wie es am Anfang der gemeinsamen christlichen Kirchen war, ist es nicht mehr möglich. Die Römisch-katholische Kirche muss sich ihrer Rolle neu bewusst werden. Die gegenwärtigen harten Auseinandersetzungen innerhalb des Vatikan sind Gift für den würdigen Fortbestand der Kirche und einem würdigen Dialog mit den Kirchen. Die langen, alten Schatten erscheinen wieder und es sind wiederum Machtansprüche über die Hoheit des «Rechten Glaubens». Vermutlich sind die einschneidenden Konsequenten der Spaltung zwischen Protestanten und Katholiken heute vergessen. Was damals nicht verhindert werden konnte, kann erneut eintreffen. Wo steht die pastorale Verpflichtung zu Gunsten des profanen, einfachen Gläubigen? Was kümmert es diese wichtigste Schicht an der Basis unserer Kirche, was in den Hochburgen des Wissens verhandelt wird. Die Realitäten driften immer mehr auseinander. Warum zeigen sich Vertreter der «Institution Kirche» passiv bis ablehnend gegen das christliche Wirken von Papst Franziskus, ohne sich Rechenschaft über die Signalwirkung gegenüber den Gläubigen bewusst zu sein? Weg von Schuld und Unschuld, hin zum gerechten Dialog. In voller Bereitschaft die vergangenen Ungerechtigkeiten ahnden, bestrafen, um mit stolzem Selbstbewusstsein Christus zu folgen! Im Bewusstsein, dass wir alle Kirche sind und diese Kirche nicht anders sein kann als die Menschen, die sie tragen. Quellenangaben Verfasser: Hans H. Weber Quellen: historische Grundlagen div. und Wikipedia, Texte zum Jahrestag 12.02.2017, der Universität Fribourg. Beitrag von Prof. Dr. Barbara Hallensleben, Universität Fribourg. Fotos und Illustration: Aus dem Google Bilderfundus (zur Wiederverwendung freigegeben) und Unterlagen des ökumenischen Institutes der Universität Fribourg. Auch die orthodoxe Kirche ist nicht frei von Machtansprüchen: Im Jahre 2000 wurde Niklaus II. heilig gesprochen. Die russisch- orthodoxe Kirche ist wieder erstanden, um wiederum eine Symbiose mit den neuen Machthabern Russlands einzugehen. Eine der seltsamen Ereignisse im Umfeld der Säkularität, eine Rückführung der Säkularität zu einem dominanten System. Ob das auf die Dauer gut geht, wissen wir nicht. Unlängst hatte ich während einer Tagung die Gelegenheit, einem Vortrag des russisch-orthodoxen Metropoliten von Volokolamsk, Hilarion, zu folgen. Er umriss die Geschichte der russisch- orthodoxen Kirche «Holy Rus», ab dem neunten Jahrhundert. Die tragische Zeit der Kirche unter dem Diktat der Sowjet-Union, in Erinnerung an über hundert Millionen orthodoxer Christen, die geopfert worden sind. Dann die späten 1980 und 1991, dem Fall der Sowjet-Union und die neu auferstandene russisch-orthodoxe Kirche. Was die damalige Sowjetregierung unter ihrem Diktat erreichte, war die ethnischen Kulturen und Gruppierungen einigermassen zusammen zu halten. Nachdem Verlust der Kontrolle über Volk und Staat, 1991, brachen vielerorts die alten ethnischen Kämpfe wieder aus. Nun versucht die Kirche, einen integralen Zusammenhang zwischen Russland, Belarus und der Ukraine, wiederaufzubauen. Die Ukraine ist ausgeschert. Die ukrainische orthodoxe Kirche, spaltete sich von ihrer russischen Mutterkirche ab. Sie wurde zu einer Nationalkirche unter dem Patriarchat von Konstantinopel. Was folgt sind wiederum Menschenopfer, Uneinigkeit, Kirchenschisma. Trotzdem die Bindung der russischen Politik mit der orthodoxen Kirche viel enger ist als in unserer römischen Kirche, ist ein einigender Dialog nicht mehr möglich. Religionen sind trotz säkularem Umfeld nicht prädestiniert, auch säkular zu sprechen. Die säkulare Sprache kommt von unten der Basis her. Unter Säkularität verstehen wir eine Verweltlichung der Kirchen aber auch des Staates (säkularer Staat). Die Verweltlichung führte immer zu einer Anpassung
an die Erfordernisse der Wirklichkeit. Nicht von der herrschenden Klasse beschworen, sondern von den Beherrschten gefordert. Demnach ist die Formel: «der DIALOG auf gleicher AUGENHÖHE», vermutlich eine säkulare Sprache. Martin Luther Die Moral ist das schlechte Gewissen der Weisheit: Martin Luther wurde am 10. November 1483 in Eisleben geboren. Am 18. Februar 1546 starb er ebenfalls in Eisleben. Er trat dem Orden der Augustiner-Eremiten, am 17. Juli 1505, bei. Am 27. Februar 1507 wurde er zum Priester geweiht. Wurde Theologieprofessor und begann durch diese Tätigkeit, das Wesen der damaligen Römisch-katholischen Kirche zu studieren und zu hinterfragen. Die damalige weltliche und teils auch die kirchliche Welt stand unter der Ordnung des Heiligen Römischen Reiches. 1511: Die Romreise: vermutlich im Spätsommer 1511 begab sich Luther auf eine Romreise. Die historischen Berichte sind mehrmals revidiert worden. Luther unterwarf sich seiner dritten Generalbeichte und erklomm auf den Knien gehend die «Heilige Treppe» im Lateran. Die damals praktizierte römische Buss- und Ablasshandel, nahm Luther in Kauf. Was Luther jedoch entsetzte, war der Sittenzerfall von Kirche und Gesellschaft in Rom. Ein Schlüsselerlebnis, dass den nicht reisegewohnten Luther zeitlebens verfolgte. Papst Julius II., Giuliano della Rovere 1503-1513 ein Abkömmling des hohen Adels, residierte während Luthers Aufenthalt in Rom. Dieser Papst legte im April 1506 den Grundstein für die neue Peterskirche. Damit wurde der Ablasshandel zur Geldbeschaffung der Kirche auf die Höhe getrieben. Für Luther, der das ganze Theater selbst erlebte ein wichtiger Impuls, um gegen die Buss- und Ablasspraxis seiner Kirche anzukämpfen. Während der Romreise hegte Luther noch keine Zweifel gegen diese Praxis. 1515-1517: Die Römerbrief-Vorlesung und die 95 Thesen: Luther verlangte 1515 nach einem neuen Verständnis zur Rechtfertigung; dass der Mensch allein durch die Gnade Gottes erlöst werden könne (Sola gratia). Diese Erkenntnis gewann Luther durch die Bibel; «Denn darin wird offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche aus dem Glauben kommt und zum Glauben führt; wie geschrienen steht: Der Gerechte aber wird aus dem Glauben leben». «Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt». Einen überlieferten Werbespruch von Tetzel. «Mit einem Minimum an Angst, kann man die Welt regieren»! (So in etwa sagte es Erich Mielke, 500 Jahre nach der Reformation (DDR)). Johann Tetzel zog in Sachsen umher und terrorisierte mit drastischen Theaterkulissen und Fegefeuerdarstellungen die Bevölkerung. Die Verbreitung der Angst, gekoppelt mit dem Ablasshandel, war eine wirksame Werbekampagne der Kirche, um ihre marode Finanzlage zu sanieren. Jeder wollte sich und seine Vorfahren aus dem Fegefeuer loskaufen. Die dunkle Geschichte des Ablasshandels erreichte ihren Höhepunkt. Am 4. September 1517 stellte Luther zuerst 97 Thesen seinen Mitdozenten vor. Im Oktober verfasste er weitere 95 Thesen mit direktem Verweis auf den Ablasshandel und schickte
diese an Erzbischof Albrecht von Mainz, ebenfalls zuständig für Wittenberg/Magdeburg. Dann kommt es zu einer Legende. Dass Luther am 31. Oktober 1517 die Thesen an die Türen der Wittenberger Kirche anschlug ist nicht erwiesen. Dass die Thesen gleichzeitig an mehreren Wittenberger Kirchen gleichzeitig veröffentlicht worden sind, ist ebenfalls möglich. Martin Luther nutzte die Erfindung des Buchdruckes und war damit Vorreiter für das Zeitalter der Medienverbreitung. 1518: Augustinerkongregation in der Heidelberger Disputation: Erzbischof Albrecht von Mainz/Magdeburg, nun zum Kardinal gekürt, zeigte Luther in Rom an. Der Streit zwischen Tetzel und Luther ist voll ausgebrochen. Tetzel schrieb eine Gegenthese. Martin Luther durfte jedoch seine Theologie während der Heidelberger Disputation verteidigen. Luthers Einfluss verfestigte sich in Wittenberg. 1518-1519: Zwischenspiel: Der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, Maximilian I. (der letzte Ritter) wurde zum Zünglein an der Waage. Papst Leo X. ein Medici Abkömmling, wurde 1513 als Nachfolger von Julius II. gewählt. Einer der unwürdigsten Renaissance-Päpste der Geschichte, hatte sich mit der beginnenden Reformation auseinander zusetzen. Leo X. verprasste das Kirchengut und hatte keinen anderen Ausweg, als durch den Ablasshandel um den von Papst Julius II. begonnen Bau der Peterskirche zu vollenden. Leo X. politisch untauglich und klerikal eine Niete war das schlussendlich auch für Luther eine Art Rettungsanker. Papst Leo X. benötigte die Stimmen der Kurfürsten von Sachsen für die kommende Neuwahl des Kaisers. Damit wurden die politischen Interessen der Kaiserwahl direkt mit dem Fall Luther verknüpft. Leo X. hatte keine Lust, auf den von Maximilian vorgeschlagenen Nachfolger, der spanische König Karl I. zu unterstützen. König Karl I. verfügte über grosse Besitztümer in Italien und könnte so zu mächtig gegenüber dem Kirchenstaat des Papstes werden. Maximilian starb 1519, der neue Kaiser des Heiligen Römischen Reiches wurde der Habsburger (spanische Linie) Karl V. Deshalb trat der Prozess Luther in den Hintergrund. Der Kurfürst wurde für eine friedliche Lösung gewonnen, Luther verpflichtete sich zum Schweigen. 1518 1520 Der Reichstag zu Augsburg: Cardinal Cajetan sollte anstelle des Papstes Luther während dem Reichstag zu Augsburg verhören. Die Kurie hatte zuerst Luther nach Rom beordert. Luther erreichte jedoch, dass er auf deutschem Gebiet verhört werden sollte. Der Kurfürst von Sachsen, Friedrich III., der Weise, unterstütze Luther und lieferte ihn nicht nach Rom aus. Luther widerrief seine Thesen nicht. Trotz der Gefahr der Häresie anheim zu fallen und hingerichtet zu werden. Cajetan sah die Häresie Luthers als erwiesen und wollte ihn an Rom ausliefern, was der Kurfürst ablehnte. Am 21. Oktober floh Luther aus Augsburg. Auf Grund der vorher geschilderten politischen Umständen 1518 bis 1519 beruhigte sich der Fall Luther vorerst. Am 28. Juni 1519 wurde Karl V. zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gewählt. Die politischen Bedenken des Papstes waren verflogen und die Kurie nahm den Häresie-Prozess im Frühjahr 1520 wieder auf. Der Papst erliess am 15. Juni 1520 die Bannandrohungsbulle Exurge Domini, um Luther aus der Kirche auszuschliessen.
Luther beim Verhör, Kurfürst Friedrich III Kaiser Maximilian I. Pabst Leo X., Kaiser Karl V.
1520 1521 Reichstag zu Worms: Luther widmet Papst Leo seine Schrift «Von der Freiheit des Christenmenschen» mit der Bitte um ein neues Konzil. Aber im Dezember kommt es zum endgültigen Bruch, Luthers Bücher werden öffentlich verbrannt. Am 3. Januar 1521 wird Luther mit der Bannbulle «Decet Romanum Pontificem» ex-kommuniziert. Kurfürst Friedrich der Weise verhandelt zähe mit der Kirche, dass Luther sich noch einmal erläutern und verteidigen kann. Gleichzeitig zerfällt die mittelalterliche Macht des Papstes. Kaiser Karl V. war der letzte von einem Papst gekrönte Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Erinnern wir uns, dass Karl der Grosse den Anfang nahm. 1521 steht Luther vor dem Reichstag in Worms. Er wird von den Fürsten und Reichsständen verhört und zum Widerruf gedrängt. Luther kann dies nicht, weil er sich auf die Worte Gottes beruft. «ich kann und will nichts widerrufen, weil es gefährlich und unmöglich ist, etwas gegen das Gewissen zu tun. Gott helfe mir Amen»! 1521 Das Wormser Edikt: Kaiser Karl V. verfügt, dass Luther auf die Berufung der Bannbulle, keine Unterstützung empfangen dürfe. Nicht beherbergt werden darf. Seine Schriften werden verboten und dürfen nicht gedruckt werden, er soll festgesetzt werden, um dem Kaiser über stellen. Die Reichsacht wurde jedoch nach dem offiziellen Reichstag veröffentlicht, dass rüttelte an deren Rechtsgültigkeit. Luther war «Vogelfrei». Der Kurfürst erwirkte jedoch das freie Geleit. Am 4. Mai 1521 wurde Luther auf seinem Heimweg auf das Schloss Wartburg entführt. Luther ist gerettet aber auch Gefangener unter der Obhut des Kurfürsten Friedrich von Sachsen. 1522 1534 Als Junker Jörg und die Bibelübersetzung: Luther bleibt bis 1522, unter dem Namen Junker Jörg auf der Wartburg. 1522 erste Auflage des Neuen Testament, 1523 die Teilübersetzung des Alten Testament. Bis 1534 übersetzt Luther das übrige Alte Testament. Er bleibt nicht wortgetreu, sondern übersetzt biblische Aussagen nach ihrem Sinn. Am 29. Oktober 1525 hielt er die erste deutsche Messe in Wittenberg. Luther war körperlich durch zahlreiche Erkrankungen geschwächt. Schwindelanfälle, Tinnitus, Schwerhörigkeit und Nierensteine. Er hat sich nicht geschont, die Folgen blieben nicht aus, die psychischen, physischen Belastungen haben Luther gezeichnet. 1524 1526 die Bauernaufstände in Sachsen und Bildersturm: Die Revolution des einfachen Mannes (die Bauern, Stand 3 in der damaligen Ständeordnung)), wurde im Kurfürstentum Sachsen, 1526 blutig niedergeschlagen. Die Bauern litten am meisten unter den Missständen der Kirche und Kurfürsten. Luther selbst war tief betroffen über die mordenden Horden des einfachen Mannes. Diese führten oft im Namen von Luthers Reformation Krieg gegen die herrschenden Klassen. Hauptsächlich der enge Gefährte Luthers, Thomas Müntzer, war einer der Wirrköpfe, die die Ansicht vertraten, dass jeder Mensch, ohne die Vermittlung der Kirche seinen Weg zu Gott finden würde. Der Absolutionsanspruch der katholischen Kirche verlor den Einfluss beim einfachen Volk. Luthers Schrift «Von der Freiheit des Christenmenschen», der Christenmensch ist Herr über alle Dinge und niemandem Untertan, wurde zum Schlachtruf des Bauernaufstandes. Es waren Standpunkte der Reformation, die als eine wesentliche Rechtfertigung für die aufständischen Bauern herhalten mussten. Anfänglich hatte der Bauernaufstand Luthers Duldung, denn noch
Drei Stände Gesellschaftsordnung
1525 kritisierte Luther das hochmütige Verhalten der Fürsten. Erst nach der Weinsberger Bluttat schlug er sich auf die Seite der Fürsten. Am 15. April 1525 lagerten rund 6000 Bauern auf den Wiesen vor Neckarsulm. Die glücklosen Anführer der Ritter und Landsknechte, unter dem Grafen von Helfenstein und Dietrich von Weiler, mit ihnen rund ein Dutzend von weiteren Adligen wurden gefangen genommen. Der Bauernführer Jäcklein Rohrbach, liess die Gefangenen vor dem Tor Weinsberg hinrichten. Sie mussten «durch die Spiesse laufen (Spiessrutenlaufen)» eine besonders herabwürdigende Art der Hinrichtung. Normalerweise wurde diese Form nur an einfachen Landsknechten angewendet, nicht aber an Adligen. Die Bluttat führte bei den Herrschenden einen Schock aus. Luther schlug sich nach dieser Bluttat eindeutig auf die Seite der Fürsten. Er verurteilte die Tat der Aufständischen. Seine Schrift «Wider die Mordischen und Reubischen Rotten von Bawern». Der Protestantismus verlor nach 1525 den revolutionären Geist und trat zurück in die Reihen der Ordnung: «Seid untertan der Obrigkeit»! Eine unwiderrufliche Art der Zerstörung von Kultur und Kunstgegenständen war der Bildersturm. Nur die Schrift (Sola scriptura), Luthers Aufforderung die katholische Heiligen-Verehrung und deren Folgen zu eliminieren, führten während dem Bauernaufstand zur Zerstörung unwiederbringlichen Schätze der sakralen Kunst. 1523 Katharina von Bora: Im Jahre 1523 flüchtete Katharina mit weiteren Nonnen aus dem Zisterzienserkloster Nimbschen. In Wittenberg fand sie Zuflucht. Nach damaligen Gepflogenheiten wurden adlige Töchter, die nicht verheiratet werden konnten, in ein Kloster abgeschoben. Der Makel «geflohene Nonne» trug auf beiden Glaubensseiten einen schalen Nachgeschmack. Luther nahm sich diesen Geflohenen an und versuchte sie zu verheiraten. Am 13. Juni 1525 verlobte er sich mit Katharina und heiratete im Juni. Luther schaffte, aus Gründen seiner Lehre, das Sakrament der Ehe ab und damit auch das Zölibat. Die Auflösung der Klöster gingen ebenfalls auf sein Betreiben hin. Die beiden bekamen drei Töchter und drei Söhne. Von der Nachkommenschaft ist nicht viel bekannt. 1525 Das Bauernmassaker bei Frankenhausen In Frankenhausen wurden bis zu 5000 aufständische Bauern massakriert. Das Ende des Aufstandes, jedoch noch lange nicht das Ende der Deutschen Bauernkriege, nahte. Die Angelegenheiten und die Macht der Landesfürsten wurden zurückgewonnen. Damit verlor die Reformation die Legitimation einer Volksbewegung. Die Ständeordnung wurde rehabilitiert. Der Klerus und der Adel, die Zwei-Reichs-Lehre gab der katholischen Kirche neuen Schwung und auch die Kraft dringende, reformatorische Korrekturen anzugehen. Der sächsische Kurfürst bat 1525, als Mitglied der Kirche, dass Visitationen angeordnet wurden. Der Klerus sollte auf Glaubenstreue und Amtsführung im Sinne des Evangeliums überprüft werden. In den evangelischen Landesteilen wurde diese Visitation zu Regel erklärt. Die Entwicklung der konfessionellen Landeskirchen wurde durch den Landesfürsten gedeckt, aber auch gelenkt und in Abhängigkeit gebracht. Die Fürsten holten das verlorene Terrain zurück und schlugen die Bauern empfindlich. Damit musste sich auch Luther neu positionieren.
1529 1530 Die Confessio Augustana (Das Augsburger Bekenntnis): Nach dem zweiten Reichstag zu Speyer 1529 wollten die katholischen Reichsstände die Duldung der Evangelischen aufheben. Fünf Fürstentümer und 14 Städte aus den evangelischen Landesteilen protestierten erfolgreich. Danach wurde den evangelischen Christen der Name Protestanten gegeben. Am Reichstag zu Augsburg 1530 wollen die Luther-Anhänger, dass der neue Glaube rechtskräftig und reichsrechtlich anerkannt werde. Melanchthon verfasste das protestantische Glaubensbekenntnis, die Confessio Augustana. Luther nahm als Geächteter nicht am Reichstag teil. Der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches nahm die Confessio als geduldet an. Dass die Türkengefahr unmittelbar an der östlichen Reichsgrenze drohte, mag einen Einfluss auf Kaiser Karl gehabt haben. Einen neuen inneren Krieg im Reich durfte nicht riskiert werden. Das rettete Luthers Reformation wieder einmal mehr. 1521 1543 Die Türkenkriege: Luther benutzte die Türkengefahr zuerst für seine kirchenpolitischen Zwecke. Als sich dann der Türke 1529 bedrohlich der Reichsgrenze näherte, revidierte Luther seine Haltung und zog mit der katholischen Seite gleich. Luther dem die Lehrtätigkeit versagt wurde, verfasste viele Schriften. «Vom Krieg wider die Türken». Süleymans Truppen belagerten im Winter 1529 Wien. Suleyman musste jedoch auf Grund des kalten Winters die Belagerung aufgeben. 1546 Luther stirbt in Eisleben: Luther war nach dem Augsburger Reichstag nur noch als Seelsorger und Publizist tätig. Sein Herzleiden holte ihn ein, als er am 18. Februar 1546 in Eisleben einen Streit schlichten wollte. Sein Leichnam wurde in Wittenberg, am 22. Februar in der Schlosskirche beigesetzt. Die biographischen Daten stammen aus «Martin Luther» der Wikipedia Datei, die Texte aus meinem Fundus. Bildmaterial: Google Bildergalerie; «Zur Weiterverwendung freigegeben»06.11.2017
Ecclesia semper reformanda, für alle! Positionierung: Je mächtiger die Institution, je beharrlicher wirkt sie einer eigenen Veränderung entgegen. Je grösser der Fels, je länger hält er der Erosion stand. Der Schöpfungsplan Gottes beinhaltet ungeschriebene Gesetze. Alles innerhalb seines Schöpfungsbereichs ist der fortschreitenden Veränderung unterworfen. Die Zeit spielt eine untergeordnete Rolle. Erosion: Die stärkste Naturkraft innerhalb unserer Umwelt sind Wind und Wasser. Die stärkste Geisteskraft innerhalb unseres Lebens sind Wissen und Erkenntnis, in der Verwendung als Werkzeug des Dialogs. Das Evangelium: Das Evangelium der Kirche Jesus dem Christus ist von dieser Erosion ausgenommen, denn grundsätzlich ist dessen Wahrheit wohl interpretierbar aber nicht umzustossen. Der Blick zurück: Eine Frage sei erlaubt. Hat sich im Werden der 2000 Jahre Christentum etwas verändert? Immer noch sind die Mächtigen der Religionen untereinander zerstritten. Immer noch sind die Mächtigen der Sozialsysteme (Staaten) untereinander zerstritten. Immer noch ist der Mensch erlösungsbedürftig. Das WERDEN der Kirche Jesu ist noch im Gange. Am Ende der Zeit wird die Vollendung kommen und dann benötigt der Mensch keine Kirche mehr. Solange das Werden andauert, solange ist der Mensch und seine Umwelt nicht vollendet. Die endliche Struktur der Macht: Die Zweischwerterlehre: Der unendlich dauernde Streit um das Primat der Macht auf unserer Welt, gipfelte in einer Theorie, dass es in der Welt zwei höchste Gewalten nebeneinander und nicht mehr und nicht weniger geben soll. «Lk. 22,38 Sie sprachen aber Herr, siehe hier sind zwei Schwerter. Er aber sprach zu ihnen: Es ist genug»! Papst Bonifatius VIII. forderte 1302 über die Enzyklika «Unam Sanctam», dass die weltliche Macht nicht vom Papst gefordert würde, wohl aber die Unterordnung der Monarchen. Dieser Streit dauerte Jahrhunderte.
Die zwei Schwerter. Die Kurtisane in Konstanz demonstriert das Papsttum gegenüber dem weltlichen Reich: Alle unterstehen dem Gleichen Gesetz. Die Zweischwerter-Lehre von Papst Bonifatius VIII. und die ursprüngliche Lehre in der Spätantike, durch Gelasius
Die Renaissance: In der Zeit der Renaissancepäpste konnten sich reiche und einflussreiche, korrupte Familie den Papstthron kaufen. Es sind die Spanier Borgias, die Italiener Rovere, und die Florentiner Medici, die sich das Papsttum kaufen konnten, um ihren Reichtum zu vergrössern. Hauptsächlich tritt das Haus Medici ins Rampenlicht. Papst Leo X. erwähnte: «Gott hat mir das Papsttum gegeben, schauen wir was wir damit anfangen können». Die Päpste schauten immer darauf, dass der Besitz, damals die Kirche, innerhalb der Sippe blieb. Das dauert so lange bis eine noch bedeutendere Familie das Erbe antrat. Prinzipiell war der Medici Papst Leo X, zeit seines Pontifikats bestrebt, das Kirchengut, also seinen Reichtum, zu mehren. Leo X. verprasste das vorhandene Kirchengut, um sich einen papstunwürdigen Lebensstil zu leisten. Zusätzliche Einnahmequellen mussten erschlossen werden, um das Werk des Papstes Julius II. zu vollenden, der Bau des Petersdoms. Das Schicksal des kleinen Mönchleins Luther interessierte Leo keinen Augenblick. Schlussendlich rettete diese Einstellung Luthers Leben. Die seit Jahre auf sich wartende, dringend verlangte Reformation der Kirche blieb auf der Strecke. Bis zur Erosion durch Martin Luther. Luther war kein Aussenseiter einer neuen Kirche, sondern Vertreter der damaligen weltlichen und kirchlichen Machtstruktur. Seine Reformation rettete nicht nur die Protestantische- sondern auch die katholische Kirche. Nach dem sich der Protestantismus soweit gefestigt hatte, um keine Umkehrung zur Stammkirche zu fürchten, wurde in Trient, 1545 bis 1563, das am längsten dauernde Konzil einberufen. Die reformierte Kirche ist oft der Auffassung, dass dies das Konzil der Gegenreformation sei, in Tat und Wahrheit war es die seit langem notwendige Reformation der katholischen Kirche. Der Satz: «Ecclesia semper reformanda» ist nicht ein Besitz der Reformation, sondern das Anliegen und das Allgemeingut aller Kirchen. Von den Irrlehren: Ungerecht ist es, wenn sich in der heutigen Zeit, die zwei Konfessionen gegenseitiger Verfehlungen bezichtigen. Keine Konfession hat sich gegenüber der anderen schuldig gemacht, denn beide haben das Kreuz ihrer Irrlehren zu tragen. Schuld erzeugt Unschuld und Differenz. Jeder schaue zum Rechten in seinem eigenen kirchlichen Haus! Schuldzuweisung ist eine ungnädige Schwäche, das Recht zur Schuldzuweisung gehört zum jüngsten Gericht Gottes. Die Schrecken der spanischen Inquisition und die Verfolgung der Wiedertäufer sind nicht dazu da, um die andere Konfession damit zu stigmatisieren. Beide müssen ihre Verfehlungen selbst verantworten. Verantwortung lässt sich nicht delegieren! Leider wurden während dem Jubiläumsjahr «500 Jahre Reformation» des Öfteren auf das Gegenseitige Ankreiden ihrer Irrlehren und der Differenz gegeneinander hingewiesen. Ich bete dafür, dass diese Unsitte aus dem christlichen Leben entfernt werden kann! Weit unchristlicher ist die gegenseitige Schuldzuweisung unter: «Ihr habt es ja auch getan»!
Der Hexenhammer: Im Winter 1486/87 erscheint der «Hexenhammer». Verfasser ist der Dominikaner und Inquisitoren Jacob Sprenger und Heinrich Institoris. Der Zweck des Werkes war, die Hexenverfolgung in Gang zu setzen. Die beiden Kirchenlehrer, hl. Augustinus (354-430) und der hl. Thomas von Aquin (1225- 1274), werden zitiert und müssen der Thesen Hauptargumente liefern. Augustinus: Verfasser des «Dämonenpakt». Als Sohn einer Christin und eines Heiden wurde er nach seiner Ausbildung Christ. Im Gedenken an das duale Prinzip von Gut und Böse, verwendete er die These, dass die Dämonen für das Böse verantwortlich sind und das Gute allein von Gott kommt. Götterverehrung, Aberglaube, Astrologie und Wahrsagerei waren in der Spätantike bei den Christen weit verbreitet. (Psalm 96,5 «Alle Götter der Heiden sind Dämonen»)! Er vertrat vehement diese Sicht, und glaubte, dass Dämonen mit Menschen in sexuellen Kontakt treten können. Eine höchst willkommene frühe Rechtfertigung für den im Mittelalter um sich greifenden Hexenwahn. Augustinus ist der Begründer der Lehre der zwei Staaten. «Civitas Dei (Gottesstaat)» und «Civitas Terrena (Weltstaates, der auch Teufelsstaat genannt wird). Der Teufel ist der Leib der Gottlosen. Eine duale Sicht auf das Gute und das Böse, das von Gott getrennte Böse. Das augustinische Gedankengut gewann eine dominante Bedeutung zur Lehre der lateinischen Kirche. Thomas von Aquin: Seine scholastische Theologie «Summe der Theologie» enthält Sequenzen über die Wahrsagerei, die nicht auf die göttliche Offenbarung fusst und zum Kult der Dämonen gehört. Der Dämonenglaube ist eine der Künste des Aberglaubens und muss auf das Schärfste verurteilt werden. Auch hier wieder ein Hinweis auf die Verwerflichkeit des Dämonenpakets, der im Hexenwahn gute Nahrung gab. Papst Johannes XXII. (1316-1334) war von der Existenz der Magie, Zauberer, Hexen, Teufel und Dämonen so überzeugt, dass er sie hinter jeder Säule des Vatikans sah. Hexenhammer: Durch diese Zeugnisse lässt sich eindeutig ein Bezug zur Dogmatik der christlichen Religion herstellen. Luther hat den Hexenwahn nicht erfunden, er lebte Seite an Seite mit ihm als ein Relikt der römischen Kirche. Er glaubte wohl an das Hexenwerk, in seiner Erklärung zu en Zehn Geboten (1518) forderte er die Exkommunion von als Hexen verdächtigten Frauen. Der Hexenwahn ist ein Produkt der damaligen Zeit und der vormaligen Kirche. Es ist unsittlich, dass der Protestantischen Kirche dieser Malus qualifiziert angelastet werden kann. Es waren beide Konfessionen beteiligt.
Christian Thomasius: Gilt als Frühaufklärer, während der Zeit des Absolutismus. Er brachte den entscheidenden Durchbruch zur Abschaffung der Folter und der Hexenverfolgung. Lehrte an der Martin-Luther-Universität in Halle. Ihm ist die Umkehr aus dieser Wahnhaften Zeit zuzuschreiben. Sein Wirken blieb nicht nur im protestantischen Deutschland präsent, sondern beeinflusste auch die Universitäten der katholischen Territorien. Thomasius verstand sich unter einem innerlichen, persönlichen Christentum. Die wahre Kirche war ihm eine innere, unsichtbare Gemeinschaft der Christen. Er brachte den Auftrag an die Kirchen, dass sie sich wieder auf ihre Gründlichkeit des Heils zurück zu besinnen sollen. Albigenser und Täufer: Die Katharer vertraten im 12. Jahrhundert eine dualistische Irrlehre. Neben Gott gibt es das Prinzip des Bösen. Sie leugneten die Auferstehung Christi. Sie verwarfen die göttliche Dreieinigkeit und glaubten, dass Jesus nur einen Scheinleib gehabt hätte. «Der alttestamentliche Gott ist das Prinzip des Bösen». Die Katharer siedelten sich um 1150 in der südfranzösischen Albi an. Sie kritisierten den Reichtum und die Macht der Kirche. Die Verweltlichung einiger Bischöfe und Priester wurde für die frommen Katharer zur Separation. Nach mehreren Versuchen, Dominikaner wurden beordert, die verirrten Schafe zurück zur Herde zu führen, was überhaupt nicht fruchtete, begann eine grausame Inquisition. Es sind praktisch keine Katharer am Leben geblieben. Die Täufer Dass sich der früh getaufte Christenmensch nach einer Glaubenskrise noch einmal Taufen liess, war ein absolutes Sakrileg und gegen das Sakrament der Taufe gerichtet. Oft waren es Glaubensgründe, die Menschen bewogen hatte ihren angestammten Platz in der Kirche zu verlassen. Martin Luther predigte 1524 Toleranz, dass den Häretikern mit der Schrift nicht mit Feuer begegnet werden solle. Ab 1530 schloss Luther die Todesstrafe für die häretischen Täufer nicht mehr aus. Es konnte nicht sein, dass sich innerhalb der protestantischen Reformkirche Spalterscheinungen breit machten. Luther sprach vom «mörderischen, aufrührerischen rachegierigen Geist, dessen Odem nach dem Schwerte stinkt». Die Auswirkungen dieser Verfolgung hielten nicht an den Grenzen des Reiches und der Kurfürsten an. Es kam wie bei den Albigensern zu einer Verfolgung auf Grund biblischer Dogmen. Abendmahl und Eucharistie: Die dogmatische Verschiedenheit um das letzte Abendmahl von Jesus dem Christus und seiner Bedeutung konnte bis zum heutigen Tag nicht überwunden werden. Da stehen sich die Wandlung und die Realpräsenz als in Stein gemeisselte Differenzen gegenüber. DIALOG: Ich vertrete, dass es keiner Einheitskirche bedarf, um dieses Problem aus der Welt zu schaffen. Warum sollte eine der beiden Kirchen auf ihre Ansicht über das Abendmahl verlassen? Ist diese sakrale Differenz Grund dazu, über die konfessionellen Grenzen zu gehen und irgendwelchen Konstrukten Platz zu machen? Sind wir nicht gleichberechtigte, freidenkende Christen in unserer kirchlichen Heimat? Gibt es einen vernünftigen Grund, unser christliches Zusammenleben aus dogmatischen Gründen zu opfern? Karl Barth erwähnte: «Den eigenen Glauben lieben und den der anderen achten»! Gott hat uns die Freiheit und den Gehorsam anvertraut. Der Gehorsam setzt
voraus, dass wir in aller Freiheit entscheiden dürfen, welchen Weg wir einschlagen werden. Was ich als sehr förderlich beurteile, ist das gegenseitige Gespräch. Nur der Dialog lässt Vorurteile abbauen. Anstelle einer untauglichen Lösung müssen das Selbstbewusstsein und das Wissen über die andere Seite das Primat haben. Muss um alles in der Welt immer alles in einem Kompromiss enden, der so oder so keinen langen Atem hat? Nach 500 Jahren gemeinsam auf dem Weg zur Vollendung: Die katholische- und die protestantische Kirche sind nicht in ihren Dogmen stecken geblieben. Beide Konfessionen mussten sich immer wieder mit den Anforderungen der sich laufend ändernden Sozialstrukturen der menschlichen Gesellschaft anpassen. Der schwere Gang aus dem Absolutismus, die Aufklärung und der anschliessende Niedergang der katholischen Kirche in der Zeit des Umbruch und der Französischen Revolution. Das Wiedererstehen der katholischen Kirche nach 1871, die Zeit des ersten Vatikanischen Konzils. Die Überforderung beider Konfessionen durch zwei Weltkriegen. Die totale Umkehr aus veralteten Strukturen nach dem Zweiten Vatikanum 1963, lassen den Ernst zu Reformen der Kirchen erkennen. Die katholische Kirche hat durch die Reformation viele Lehren ziehen dürfen. Es muss nun endgültig die Zeit anbrechen, das Verbindende zu erleben und zu leben. Das Trennende darf nicht als Vorwand missbraucht werden, den konfessionellen Partner daran zu messen. Dieser Wunsch darf nicht UTOPIE werden. Der Mensch, die Kirchen, die Gemeinschaft sind bis zur Endlichkeit im Werden. Die Kirche in Jesus Christus ist kein Mittel zum Zweck, sondern die Kirchen sind ein Mittel zum Zweck, sich in der Kirche Jesus Christus zu vereinigen. «Wo chiemte mer hi/ wenn alli seite/ wo chiemte me hi/ und niemer giengti/ für einisch z’luege/ wohi dass me chiem/ we me gieng» (Kurt Marti) Ein emotionales Element, die kirchliche Heimat: Der Begriff HEIMAT hat unendlich viele Gesichter. Vom überschwänglichen Kitsch bis zu Blut und Boden. Vom Heimatfilm bis zum Kriegsfilm. Jedes menschliche Wesen kann sich unter Heimat etwas vorstellen. Diese Tatsache ist mir fest ins Bewusstsein gedrungen, als ich über das christliche Zusammenleben studierte. Es ist die Bindung, die das Primat sucht. Die kirchlichen Institutionen sind für die meisten ihrer Mitglieder eine Art religiöse Heimat. Heimat lässt sich nicht zerstören, der Entscheid eine Heimat zu haben, liegt im freien Ermessen jedes Einzelnen. Im Gespräch mit den einzelnen christlichen Institutionen war die gesellschaftliche Verbundenheit der jeweiligen Mitglieder eindeutig das Gefühl in der christlichen Gemeinschaft zu Hause zu sein. Warum sind die Differenzen und Vorurteile und das Unwissen gegenüber dem christlichen Nachbar oft in starkem Masse dominant? Verlust der Heimat, die Heimat wird angegriffen, Verteidigung, gegen Fremde, Abschottung und Missgunst, dies einige negative Attribute zum Begriff HEIMAT. Es hat auch positive Elemente, die in Richtung Sicherheit und Geborgenheit, «zusammen sind wir stark», aufgehoben in der Gemeinschaft etc. Heimat bedeutet einen Bezug zu einem Raum, eines Landes, einer Institution zu haben. Dem Menschen «seine Heimat nehmen» ist ein emotionales Verbrechen.
Das Kreuz mit der Institution: Unmögliches kann in der Wirklichkeit nicht erkannt werden, sondern nur in der Realität. Diese Begriffsdifferenzierung ist nicht einfach zu verstehen. Ausser: «Wirklichkeit ist nicht Realität», denn sie schliessen sich gegenseitig aus. Auf diese Beweisführung gelange ich über das Wesen der virtuellen Realität. Die Auswirkungen der Evolution und Erosion die laufend das System verändern sind nicht voraussehbar, mit Hilfe einer Wahrscheinlichkeitsberechnung annähernd erkennbar. Die Institutionen sind gefordert sich stetig zu verbessern und anzupassen. Diese Tatsache verlangt nach einer Übersteuerung durch eine immer komplexer werdende Mechanik. Damit verbunden ist der wachsende Bedarf an Schutzfunktionen. Das kann zu einer totalen Erstarrung führen. Natürlich unterliegt dieses Phänomen einer unbestimmten Zeitspanne. Mittel ohne Zweck: Sind das Evangelium und der Koran Mittel zum Zweck bessere Menschen und bessere Brüder und Schwestern zu werden? Wohl kaum, denn ansonsten würden nicht menschenverschlingenden Konflikte durch den Lauf der Geschichte eilen. Eher sind sie Mittel zum Zweck eines Dialogs. Ein Dialog, der keine Zugeständnisse an faule Kompromisse verlangt, sondern ganz einfach und bescheiden die in Gottes Gnade gründende Akzeptanz vom Menschen zum Menschen. Schon ein kleiner zusätzlicher, im Glaubensbekenntnis ergänzende Satz, überschreitet Grenzen: Schlussgedanken: Gottes Weisheit ist unendlich, Jesus war Jude, für die Christen Sohn Gottes und für die Moslems ein Prophet. Jede Monotheistische-Religion nach ihrem Modus Gott zu erkennen ist möglich. Der Streit, welche der Religionen die richtige sei, ist «unmöglich»! Jede dieser religiösen Welten erkennt das tiefe Geheimnis des Erkennens und ihrer eigenen Erkenntnis. Das Problem, nur seine Ansicht als die einzig richtige zu erkennen, beginnt in der Freiheit Adams. Adam entdeckt, dass es möglich ist, in aller Freiheit einen eigenen Weg einzuschlagen und seinem Gott zu widersprechen. Aus Gewissensgründen wird er diesen «Abweg» bis zur letzten Konsequenz verteidigen müssen. Somit wird jede religiöse Gemeinschaft versuchen, ihren eingeschlagenen Weg als den einzig richtigen zu verteidigen. Dabei könnte das Rückbesinnen dazu führen, dass ein Dialog auf gleicher Augenhöhe, den gemeinsamen Ursprung wieder entdecken lässt. Die drei unterschiedlichen Bilder über Jesus lassen deutlich erkennen, dass die Möglichkeit der Toleranz, Akzeptanz und des friedlichen Zusammengehens aller Völker und Kulturen unter der göttlichen Herrschaft möglich ist. Jede der drei Ansichten hat ihre eigene Glaubensheimat und das einheitliche Recht nach ihren eigenen Glaubenselementen zu leben.
Das Phänomen der säkularen Sprache im Dialog: Was bedeutet «SÄKULAR»? Erstens ein revolutionärer Begriff, die Weltordnung in eine diametral entgegengesetzte Form zu pressen. «Nieder mit der kirchlichen, geistlich dominanten Herrschaft des Klerus, nieder mit dem selbstgerechten, korrupten Adel. Nieder mit den Ewiggestrigen. Alle Macht dem Volke»! Die Französische Revolution war die erste nachhaltige Bewegung des Volkes von unten, von der Strasse her. Es sprach das profane Volk in ihrem profanen Verständnis, es stand das profane Volk auf, um eine neue Weltordnung zu schaffen. Profan: Der durch die Römer 586 zerstörte jüdische Tempel auf dem Tempelberg in Jerusalem, bestand aus einem Heiligtum, dem FANUM, und einem Vorhof, dem PROFANUM. Der Vorhof war Treffpunkt des Volkes. Dort waren Handel, Geldgeschäfte und Informationen ans Volk erlaubt. Innerhalb des Heiligtums jedoch strickte untersagt. Dieses Bild der Trennung hat bis in unsere Zeit eine Analogie geschaffen. Die geistlich Herrschenden im Fanum, das einfache (profane) Volk im Vorraum (PROFANUM). Die Profanen müssen sich von denen im Fanum unterordnen. Es herrscht das heilige, über das unheilige Volk. Solche Äusserlichkeiten sind bis heute erhalten geblieben. Das Volk versammelt sich im Kirchenschiff, der Klerus spricht vom Chor aus zum Kirchenvolk. Das stärkste Instrument der Auflehnung des Volkes ist im Wort «GEHORSAM» verborgen. Gehorsam wird von den Herrschenden verlangt, sonst droht Strafe. Nun meine Definition: «Wenn das Volk nicht mehr gehorsam ist, im wahrsten Sinne von HÖREN (horchen und gehorchen), darum nicht mehr auf die Sprache der Kirchen hört, sind diese Kirchen machtlos, sie werden nicht mehr gehört.» Gegenüber der Waffe des Nichtzuhörens, scheitert jeder Versuch die Botschaft an den Mann oder die Frau zu bringen. Welches heilige Instrument kann eingreifen, bevor der Gehorsam verweigert wird? NUR DER SÄKULARE DIALOG! Er bestätigt dem Gegenüber angehört und ernst genommen zu werden. Die sozialen Netzwerke: Die säkulare Sprache leidet jeher an Klassenvorurteilen. Sie muss sich gegenüber einer implizierten Primitivität verteidigen. Die unkontrollierten sozialen Netzwerke fördern die Flut von Flash-Infos, die auf Grund ihrer Überflutung sofort wieder in Vergessenheit geraten. Das Unwort «Shitstorm» macht die Runde. Wehe der öffentlichen Person die unter deren Klauen gerät. Die Verbreitung von Kurznachrichten «twittern» verarbeitet innert Nanosekunden Datenmengen, die nicht mehr zu analysieren sind, dazu fehlt die Zeit zu fundierten Recherchen. Denken wir an den besten Kommunikator der Welt, der sanktionierte Lügen, üble Verleumdungen und eine eines Rechtstaates unwürdige politische Meinung über Twitter kundtut. Er hat das „TWITTERN“ in das Waffenarsenal der Informationssysteme katapultiert. Die sozialen Netzwerke sind die modernen Raubritter, sie bezahlen kaum Steuern, sie entziehen sich geschickt ihrer Verantwortung gegenüber «Fake-News». Sie bezeichnen sich als Bewahrer der freien Sprache des Volkes. Auch diese Periode einer Verflachung der Meinungsbildung wird unser säkulares Sozialsystem überstehen. Solange jeder Internetsüchtige ein entsprechendes App herunterladen kann, dass ihm das Leben erleichtert, rennt die Vernunft hinter dem Schwachsinn her. Erinnern wir uns an die mediengewaltigen Auftritte des
Besitzers von Facebook (Fratzenbuch). Seine Rhetorik der Unschuld wird dominant, wenn wieder einmal eine Datenmisere entdeckt wird. Als Kenner der Informatik-Technik und Informationstechnik, graut mir vor dieser initialisierten, freiwilligen Verdummung durch die Kraft sozialer Netzwerke. Radikalismus und das säkulare System: Die Säkularität spaltet Traditionen, fegt auch die stärksten Vorurteile hinweg. Jede Sprache hat ihre angeborenen Eigenheiten. Überall wo die Glaubwürdigkeit der herrschenden Schichten versagt, nimmt Anarchie deren Platz ein. Danach kommt die Kraft der säkularen Sprache, um neues zu schaffen. Es sind meistens kleine, unkontrollierbare Zellen, die sich radikalisieren lassen. Sie sind eine Alarmglocke, dass etwas unter dem profanen Volk aus dem Gleichgewicht geraten ist. Die politische und religiöse Freiheit lässt zu, dass Antiströmungen gegen das herrschende Sozialsystem aufkommen können. Eines der wesentlich wertvollsten Instrumente gegen radikale Tendenzen ist Integration. Die Sprache der Integration ist säkular: Der Theologe Kurt Marti sagte einmal: «Wo kämen wir hin, wenn alle sagten, wo kämen wir hin, und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen»? Handeln anstelle schöner Worte, reden dort wo geschwiegen wird. Einem Farbenblinden kann ich die Farbe GRÜN nicht beschreiben, aber ich kann ihm mitteilen, was diese für mich bedeutet. Wie soll ich dem Mond erklären, dass er sich immer als Vollmond zeigen muss? Ich erkenne den Unsinn dieser Bemühung erst, nachdem ich weiss wie das Sonnensystem funktioniert. Mit anderen Worten, es ist sinnlos, ein System verändern zu wollen, das über sein eigenes Gesetz gesteuert wird, ohne dessen Sinn zu akzeptieren. Was bleibt: «Ich kann mich und muss mich ändern»! Kommunikation und Interkommunikation kennt vermutlich in unserem informationstechnischen Zeitalter jeder. Aber warum redet er nicht mit seinem Nachbar? Über unseren interreligiösen Dialog in Thun bewegen wir uns entlang eines natürlichen Grenzsystems, nicht Grenzmauer. Ich muss meine religiöse Einstellung nicht ändern, wenn mein Nachbar eine andere hat! Ein nordmazedonischer, muslimischer Junge hat ein Riesenproblem mit seinen Spielkameraden gemeinsam zu Duschen. Was folgt ist MOBBING. Er wird sich den allgemeingeltenden Gepflogenheiten fügen. Die Kraft, die er seiner eigenen Überzeugung entgegensetzen muss, ist weit grösser und wertvoller für ihn als die Normalität seiner Kameraden. Integration verlangt das volle Bewusstsein und verlangt beidseitig einen hohen Einsatz. Wo bleibt der Erfolg des DIALOGS in der Sprache des «profanen» Volkes? Dieser Dialog vom Menschen zum Mitmenschen kommt nur zögerlich aus dem Schattendasein heraus. Was nicht durch Experten erkundet, durch wissenschaftliche Erkenntnisse erhärtet worden ist, bleibt im Dunkeln. Ich spreche von denen die im Lichte stehen. Bertold Brecht zitiert: «Die einen stehn im Licht, die im Schatten sieht man nicht». Der Gefahr, sich durch ein Missverständnis oder einer unüberlegten Wortwahl zu exponieren, kann sich ein prominenter Kenner der Materie nicht leisten. Die im Schatten, die sprechen so wie es die Situation ergibt. Frei und unverschnörkelt und hautnah. Damit meine ich, dass diese Art der gegenseitigen Interkommunikation, eine ehrliche, emotional kräftige und handfeste Methode ist. Es ist die säkulare Sprache der schweigenden Mehrheit. EPILOG: Nicht von ungefähr, habe ich diese Arbeit in stundenlanger Ruhe, im Benediktiner Kloster Einsiedeln, ergänzt, korrigiert und fertiggestellt. Das Kloster war für mich vor Jahren wegweisend für den Zugang zur katholischen Welt. Ein Leben lang den Sinn dieses Lebens gesucht, im Alter gefunden. Vor mir
liegt das Buch «Zu spät» des ehemaligen Abt des Klosters, Martin Werlen. «Eine Provokation für die Kirche. Hoffnung für alle» schreibt er im Vorwort. Seine Widmung hat mich umgehauen: «In Dankbarkeit allen Menschen, die die Kirche nicht in Ruhe lassen» Juli 2019, mein dreitägiger Klosteraufenthalt, als Gast bei den Benediktinern, geht zu Ende. Eben durfte ich mich von einem jungen Benediktinermönch aus Indien verabschieden. Mit Bruderkuss. Wir sprachen nur wenig miteinander, aber genügend, um in gegenseitigem Kontakt zu bleiben. Er verkörpert eine fremde Welt, sein Wesen beweist, dass es nicht der Zugehörigkeit einer bestimmten Kultur bedarf, um Gottes Wirken und Herrlichkeit zu erleben und zu verstehen. Das Kloster-Einsiedeln ist nur über Bauabsperrungen und aufgetürmten Aushubhaufen zu erreichen. Es wird gebaut was das Zeug hält. Innen wie aussen. Diese Bautätigkeit im Reich der Ruhe lässt umso mehr einsame Gedanken aufkommen. Was ist geschehen? Ist dies ein Abbild zur Lage der katholischen Kirche, die sich erneuern will? UMBRUCH, ERNEUERUNG, aber oft ZIELLOSIGKEIT. Gepaart mit dem Versuch das Alte so weit wie möglich zu bewahren. So auch die Lesungen bei Tisch, ich bin vermutlich in eine Lesungsserie gelangt, die sich um Erklärungen zur Sexualmoral und Empfängnisverhütung bemüht. Sollten die Schreie der missbrauchten Opfer endlich an der Pforte der Kirchen angekommen sein? Was das Kirchenvolk verlangt sind einzig ein klares Bekenntnis und klare unmissverständliche Massnahmen. Ein NEUANFANG tut not, es könnte sein, dass die profanen Gläubigen das ZUHÖREN verlieren. Meine Erfahrungen als Projektleiter zweier UTOPIEN, der interchristliche- und der interreligiöse DIALOG, in unserer Pfarrei, St. Marien in Thun, zeigt ein Bild der Erneuerung und des Aufbruchs. Ich steh in dieser praktischen Freiwilligenarbeit unmittelbar mit meinen Mitchristen im DIALOG. Ich erinnere mich der Worte eines meiner verstorbenen Freunde, der einem Kommandanten einer Offiziersschule auf die Feststellung: «Wir sehen von Oben her auf unsere Befohlenen und sind in der Lage sofort zu reagieren, sollte etwas schief gehen!» mein Kollege antwortete: «Wir sind unten, bei Ihren Befohlenen und sehen ihren Zustand und ihre Fragen und Schwächen hautnah!» Ich will in keiner Weise die redlichen Bemühungen der Benediktiner, die dafür bekannt sind kritisch zu hinterfragen, anzweifeln. Ansonsten hätte Pater Martin seine Provokation nicht geschrieben. Martin Werlen beschreibt in seinem Buch einen dazu passenden Gedanken: «Beim Frühstück setzte ich mich allein an einen Tisch, eines geräumigen Speisesaals. Die zwei anwesenden Gäste getrauten sich nicht sich zu ihm zu setzen. Grund: Sie wollten nicht stören, zu einem Kirchenmann hätten sie sich nicht getraut zu setzen.! Werlen: So wird die Kirche wahrgenommen! Wir wollen nicht stören. Du musst stören und du musst fragen! Sagt Gästepater Pascal zu mir! Ich hoffe mit Zuversicht auf die starken Signale aus dem Benediktinerklosters Einsiedeln. «Wir brauchen euch und eure christliche Stimme in der Welt draussen, Ihr gehört dazu»!
Die neue Kirche: Die Konfessionslosen: «Die Kirche muss daran glauben. Die Religionslandschaft hat sich in den letzten 170 Jahren dramatisch verändert. Während das Christentum zerfällt, nimmt die Zahl der Konfessionslosen rapide zu». Die Statistik über das religiöse Leben in der Schweiz, des Bundesamtes für Statistik, überrascht den interessierten Leser überhaupt nicht. Die immer grösser Absenz der Gläubigen innerhalb der Landeskirchen ist nichts Neues. Die Sozialstrukturen in der Schweiz haben sich ab 1960 radikal verändert. Die landeskirchlichen Institutionen der evangelisch-reformierten und römisch- katholischen Kirche sind zu träge, um Gegensteuer zu geben. Trotz vieler reformwilligen aktiven Kirchenmitglieder und verantwortlichen Amtspersonen gelingt es nicht einen nachhaltigen Wandel herbeizuführen. Wie reagiert der von den kirchlichen Institutionen vernachlässigte Gläubige? Er wird konfessionslos. Aber er bleibt in der Regel dem christlichen Glauben auf seine persönliche, eigene Art treu. Wenn die Kirchen annehmen, dass der Kirchenaustritt eines Menschen mit einer Glaubensabkehr verbunden ist, dann sind sie mit Blindheit geschlagen. Die Kirchen haben in den Augen der enttäuschten Gläubigen die Interkommunikation auf gleicher Augenhöhe verloren. Seit 2009 bin ich in den Landeskirchen aktiv. Zuerst in der reformierten Landeskirche des Kantons Bern. Verbunden mit einem Sitz im Kirchgemeinderat und der Synode. Neue Anforderungen an die Kirchgemeinden, Pfarrerinnen und Pfarrer mussten durchgesetzt werden. Es kam die Zeit, in der nur noch von Stellenprozenten und Finanzen gesprochen wurde. Es kam zu massiven Verlusten an Gottesdiensten in den Kirchgemeinden, da die Stellenprozente eine Mehrbelastung der Seelsorger verunmöglichte. Es kam zum Widerspruch meiner Überzeugung als Christ diesen Materialismus an Stelle der Aufgabe der Verkündung zu setzen. Ich bin nicht aus der Kirche ausgetreten, sondern in die andere Landeskirche übergetreten. Ohne Verlust an christlichen Glaubenselementen. Damit mit intensiven Studien im theologischen Umfeld verbunden. Ich weiss aus eigener Erfahrung wie hart es für mündige Christen sein muss, sich aus einer kirchlichen Gemeinschaft zu entfernen. Wenn solche mutigen Massnahmen mit Schlagwörtern der verlassenen Kirche unterstrichen werden wie: «Er ging aus Steuergründen, wir haben noch genug Verbliebene, er war sowieso ein Spaltpilz, er war zu liberal etc.», dann weiss ich wovon ich spreche. Es gibt keine Kirche, die frei von Makel ist, die Kirche lebt von den Menschen die sie tragen. Die Kirche kann nicht unfehlbar sein, sie ist ein unvollkommenes erlösungsbedürftiges heiliges Instrument. Das Leitwort unseres Papstes Franziskus: «Wir alle sind Kirche», ist so ausschlaggebend wie in der Spätantike der Hirte Hermas sagte: «Die Welt wurde um der Kirche Willen erschaffen»! Wenn ich das Wort von Papst Franziskus ernst nehme heisst das, dass ich Kirche bin und Verantwortung tragen muss. Der eindeutige Vorteil der konfessionslosen Christen liegt in ihrer Position den unbedingt notwendigen Reformen eine Stimme zu geben. Wenn sich die Kirchen um die Austritte Sorge machen müssen sie sich selbst hinterfragen: «Etwas ist faul im Staate Dänemark». Wenn nichts dergleichen geschieht, indem sich die Kirchen hinter dem Selbstmitleid verstecken, könnte die immer grössere Masse der Konfessionslosen zur Kirche werden. Die Statistik: Für mich ist es störend, dass die Statistik die Christen in zwei Kategorien aufteilt. Katholisch oder reformiert. Die daraus abgeleitete Differenzierung hat es in sich, dass sich die eine Seite gegenüber der anderen Seite als Sieger oder Unterlegene positionieren kann, oder weit schlimmer, die Besseren gegenüber den Schlechteren. In meinen Augen ein Unsinn der keiner der beiden Landeskirchen helfen kann. Wir sind Christen und tragen die Verantwortung gegenüber unserer persönlichen Glaubensauffassung, ich wohne im katholischen Haus, mein Mitchrist im reformierten. Die
gegenwärtigen medialen, informationshungrigen Schlagzeilenmacher wissen welche Art von Nachrichten die Leser wollen. Kurz, bündig, negativ. Damit kann jede Statistik in der Art ausgelegt und verwendet werden die dem Verfasser den besten Nutzen abwerfen. Der Artikel in der erwähnten Sonntagszeitung Zeichnet ein ambivalentes Bild. Der Leser, der sich nicht gründlich hinterfragt, setzt voraus, dass der Konfessionslose keinen christlichen Glauben mehr hat. Dort beginnt das Problem der statistischen Auslegung. Der Konfessionslose kann zu einer anderen Religionsgemeinschaft konvertiert sein, er bleibt durch die Taufe lebenslang Christ, praktiziert seinen Glauben jedoch nicht innerhalb einer landeskirchlichen Institution. Unsere Bundesverfassung garantiert jeder Person die Glaubensfreiheit. Ich frage mich, ob es sinnvoll wäre, anstelle die Zahlen der Kirchenaustritte statistisch zu untersuchen, die persönlichen Glaubensauffassungen der Konfessionslosen mit einzubeziehen. Ein weiteres Problem ist die persönliche Auffassung der Konfessionslosen was diese unter Kirche verstehen. Nach meiner Erfahrung sehen die meisten Menschen im Wort Kirche die Institutionen, die die Kirchen tragen. Wird Kirche jedoch mit dem persönlichen Glauben gleichgesetzt, dann unterscheidet sie sich von einer hierarchischen Verwaltungsinstitution. Meistzitierte Argumente die konfessionslose Gläubige machen, sind Argumente betreffend Kirchensteuer, der Finanzierung oder das Kosten-Nutzen-Verhältnis. Prinzipiell ist es jedoch der Verlust ihrer lebendigen Kirche. Alle diese Argumente haben nichts mit dem Glauben zu tun. Die Statistik zeigt nur das nackte Verhältnis der Konfessionen wie diese sich mit dem Mitgliederschwund auseinandersetzen. Aber nicht mit welchen Massnahmen diesem Phänomen begegnet werden kann. Der heutige mündige Christ verlangt vermutlich etwas anderes als ihm seine Kirche bieten kann. Wieder aus meiner Erfahrung abgeleitet, wenn sich die kirchlichen Diskussionen an erster Stelle nur noch über Stellenprozente, finanzielle Aufwendungen, Budgetfragen, Renditen oder weiterbringende Massnahmen drehen, dann erfüllt sie ihren Auftrag als heilbringende Institution nicht mehr. Natürlich ist der ökonomische Teil für die Institution wichtig, aber nicht die Kernaufgabe. Ich bin bei der statistischen Positionierung der «Konfessionslosen» auf ein weiteres Phänomen gestossen, in der Art und Weise dieser Präsentation der nackten Zahlen werden die Konfessionslosen stigmatisiert. Sie werden als Grund des Zerfalls des Christentums herangezogen. «Die Kirche muss daran glauben» ist absolut im richtigen Licht zu verstehen. Gedankenfetzen: Ich erfahre oft, dass die statistisch erhobenen Kirchenaustritte die Landeskirchen in ein Konkurrenzverhältnis setzen. Meist gehörten Argumente sind, die Katholiken sind auf Grund der eingewanderten Menschen aus katholischem Raum besser positioniert als die Reformierten. Die Reformierten sind innerhalb dieser Stadt oder Dorfes in der Mehrheit und die Katholiken nur eine Diaspora. Ich finde dies nicht nur gefährlich, sondern auch kontraproduktiv für unseren christlichen Glauben. Es wird zwar von einer Art gelebter Ökumene gesprochen die jedoch kaum Niederschlag auf Stufe der tragenden Schicht, die kirchentreue Basis in Kirchgemeinden und Pfarreien, erkennen lassen. Dort ist die Konkurrenz offen zu Tage getreten. Ich kann mir selbst nicht vorstellen, dass der Christ innerhalb oder ausserhalb einer Konfessionszugehörigkeit sein Heil anders erfahren wird als jeder Mitchrist. Ich erinnere an Martin Luthers Wort: «Sola gratia»! Mich würde interessieren wie gross der Anteil Atheisten bei den Konfessionslosen ist. Ich kann mir kaum vorstellen, dass diese in der Überzahl sind, denn der christliche Glaube kann jederzeit und überall praktiziert und gelebt werden.
Die Macht der Information: Der ehemals obligat verordnete Kirchenbesuch diente auch dazu, Mitteilungen der herrschenden Klasse an ihre Gefolgschaft zu übermitteln. Die Kirche sollte nicht nur das Wort verkünden, sondern dem Kirchenvolk vor Augen führen, wer das Sagen hat. Die Christen die sich von der Kirche entfernten, konnten nicht mehr kontrolliert werden. Das sechzehnte Jahrhundert besiegelte den vollständigen Bruch innerhalb der römisch dominierten Westkirche. Durch die Erfindung des Buchdruckes brachen die Dämme der einseitig verordneten Informationspolitik. Dem Schriftkundigen öffnete sich ein weiterer Kanal der Informationsverbreitung. Aber auch dem Schreibkundigen gab dieser neue Kanal die Möglichkeit seine Gedanken und seine Meinung zu verbreiten. Martin Luther beherrschte dieses neue Medium trefflich. Daraus lässt sich ableiten, dass dieses neue Medium der Informationsverbreitung die Gesellschaftsordnung der etablierten Dreiständeordnung unterhöhlte. Das Schlagwort: «Wissen ist Macht» verbreitete sich und wurde zum Schwert für und gegen herrschende Ordnungssysteme und Institutionen. Die moderne Geschichte zeigt eindeutig, dass die Beherrscher der Informationstechnik eine mächtige Waffe zur Manipulation der Beherrschten in Händen halten. Es mögen noch so einfältige, dumme Nachrichten veröffentlicht werden, wenn ein Trump diese twittert hört die ganze Welt zu. Die Statistik «Die neue Kirche» bildet sich in einem Informationsgefäss eines Pressemediums ab. Das heisst, die Aussage deren Information kann und darf kritisch beleuchtet werden. Der Leser wird den Artikel unter dem Diktat seiner persönlichen Einstellung gewichten. Der eine legt ihn als «nice to know» Information weg, der andere wird in seiner persönlichen Einstellung zur Kirche bestätigt. Dann gibt es welche die hinter die Kulisse dieser Information schauen und eine differenzierte Meinung bilden und diese ad Acta legen. Einer sagt sich: «Das ist halt so, es ist der Lauf der Zeiten». Das faszinierende jedoch kann sein, dass sich hinter diesem Artikel eine Manipulation entdecken lässt. «He, wenn ihr nichts gegen den Schwund der konfessionellen Kirchgänger unternehmt und nicht neue Wege einschlägt, dann seid ihr am A….». Wie könnte dieser Weg begangen werden? Weg vom gegenseitigen Konkurrenzgehabe der Landeskirchen. Wichtig ist es sich als Christ unter Mitchristen zu fühlen. Gebt der Gemeinschaft das Primat. Jeder dieser Christen hat seine Heimat in seiner Glaubensgemeinschaft. Die Freiheit gibt dem Christen auch die Möglichkeit sein eigenes Haus zu bestellen und nicht angehöriger einer Glaubensgemeinschaft zu sein. Lassen wir den Christenmensch dort leben, wo er seinen Glauben in aller Freiheit bekennen kann. Ich glaube, als praktizierender Katholik, an das Heil das jedem Christen zusteht, wo immer er sich zu einer Glaubensgemeinschaft bekennt. Dazu gehört die Akzeptanz, jeden an seinem Platz zu belassen und nicht kritisch über ihn herzufallen, im Sinne: «Er schlägt den Sack und meint den Esel»! In Thun pflegen Christen aus verschiedenen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften einen regen Austausch unter sich. Einen interchristlichen Dialog, dessen gegenseitigen Meinungsaustausch viel dazu beigetragen hat, den oben beschriebenen Weg einzuschlagen. Blick zurück mit Hoffnung: Ereignisse während dem sechzehnten Jahrhundert: Es sieht so aus, dass das 22. Jahrhundert eine grundlegende Wende innerhalb des Christentums bringen würde. Auf diese Sicht bin ich gekommen, weil vor siebenhundert Jahren, im 16. Jahrhundert, die letzte tief greifende Umwälzung innerhalb des Christentums stattgefunden hat. Damals auf Grund des totalen Moralverlustes und nachfolgendem Machtverlust der damaligen Römisch-katholischen Kirche. Die Korruption innerhalb des Kirchenstaates brach alle Dämme. Die
fehlenden Finanzen für den Unterhalt der Päpste, deren Paläste und der Bau der Peterskirche sprengten jegliche Potenz des Kirchengutes. Nach der Einführung des Ablasshandels kam dass Fass zum Überlaufen. Ein «kleines Mönchlein» aus dem thüringischen Raum spaltet die Kirche durch die Gründung der protestantischen Kirche. Seither gibt es zwei grosse christliche kirchliche Glaubensgemeinschaften. Die es bis heute nicht zuwege gebracht haben, ihre Distanz gegeneinander zu überwinden. Sie leben zwar in einer sogenannten Ökumene, die jedoch von vielen in den Kirchen verbliebenen Christen kaum wahrgenommen wird. In der Gegenwart scheint es, dass beide kirchlichen Institutionen, im europäischen Raum, stetig an Gefolgschaft verlieren. Dazu meine Ausführungen zu der Statistik des Mitgliederschwundes der schweizerischen Landeskirchen. Die Ereignisse in Kürze1 im Jahrhundert «dem Triumph des Humanismus»: Das 16. Jahrhundert ist nicht nur durch Kirchen- und staatspolitische Unruhen gezeichnet, sondern durch eine katastrophale Klimaveränderung. Die «kleine Eiszeit» veränderte bis ins 17. Jahrhundert die Wetterverhältnisse in Europa. Die Folgen waren Hunger, Krankheit und Missernten. 1513, Nicolo Machiavelli veröffentlicht das Buch «Der Fürst». 1515, nach der verlorenen Schlacht bei Marignano zieht sich die Schweiz aus der Grossmachtpolitik zurück und bekennt sich zur Neutralität. 1516, Thomas Mores schreibt das Buch «Utopia» 1517, Martin Luther verkündet seine 95 Thesen. 1519-1520, Huldrych Zwingli predigt die ersten evangelischen Predigten im Zürcher Grossmünster. 1519, Kaiser Maximilian I. (Der letzte Ritter) stirbt, das löst Verunsicherungen im Kirchenstaat aus. 1520, Karl V. (Habsburger) wird zum Nachfolger und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches ausgerufen. 1521, der Medici-Papst Leo X. stirbt und hinterlässt einen Schuldenberg. 1522, Papst Hadrian VI. wird zum Nachfolger gewählt. Günstling von Kaiser Karl V. Er wollte die Spaltung der Kirche verhindern und gewann den Humanisten Erasmus von Rotterdam für dieses Ziel. Hadrian verbot den Ablasshandel und Misswirtschaft der päpstlichen Haushaltsordnung. Er war ein Gegner des Schweizer Kardinal Schiner. 1525, Beginn der deutschen Bauernkriege, die Bauern lehnen sich gegen die Herrschaft des Klerus und der adligen Fürsten und Landesherren auf. 1528, die Reformation wird im Kanton Bern eingeführt. 1529, die Osmanen unter dem Sultan Süleyman I. belagert erfolglos die Stadt Wien. 1529, die Religionskriege in der damaligen Schweiz nehmen ihren Anfang. 1530, die «Confessio Augustina» wird am Reichstag zu Augsburg vom Heiligen Römischen Reich geduldet. 1534, der englische König Heinrich VIII. löst sich von der Römisch-katholischen Kirche und gründet die Anglikanische Kirche. 1534, Papst Paul III. wird gewählt und leitet eine grundlegende Reformation der katholischen Kirche ein. Konzil zu Trient. 1538, Kardinal Karl Borromäus beginnt seine kirchliche Laufbahn und spielt eine Rolle am Konzil von Trient. Er ist ein gnadenloser Verfolger der Protestanten und lässt zahlreiche Familien im damaligen Graubünden umbringen. 1539-1550, Gründung und Einsetzung des Jesuitenordens. 1540 mit der Bulle von Papst Paul III. «Regiminis militantis Ecclesiae» bestätigt. 1542, das Konzil von Trient wird einberufen.
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1542- 1546, Johannes Calvin verfolgt mit aller Härte Andersgläubige in der Stad und Landschaft Genf, ebenfalls vollzieht er eine grausame Hexenverfolgung. 1572, nach der Bartholomäusnacht in Frankreich werden die protestantischen Hugenotten vertrieben. Wir stehen, ähnlich wie im 15. und 16. Jahrhundert, vor den Folgen einer massiven Klimaveränderung. Schaue ich siebenhundert Jahre zurück, war ausser den welt- und kirchenpolitischen Wirren, das Klima ein entscheidender Faktor. In ihrem Bann folgten die schrecklichsten Hexenverfolgungen in Bamberg. Das zwanzigste/einundzwanzigste Jahrhundert erfährt beim näheren Hinsehen ähnliche kirchliche Prozesse wie das beschriebene sechzehnte Jahrhundert. Die Aufklärung und der Sturz des Absolutismus, die neuen Ideen und Manifeste der Französischen Revolution, die Folgen des Neo- Kapitalismus und Kommunismus legen ihre Schatten auf die kirchliche Welt. Statt dass sich die europäischen Völker einer Renaissance der Kirchen zuwendeten, folgte eine tief greifende Säkularisierung. Dennoch glaube ich nicht daran, dass der Mensch aus den vergangenen Epochen Lehren zieht. Das wäre ja die Vernunft herausgefordert. Wir leben immer in der Gegenwart die unser Schicksal bestimmt. Die katholische Kirche steht elementar unter einem Reformdruck, der jedoch durch die Trägheit der Mächtigen im Vatikan gebändigt wird. Der Islam drängt sich immer stärker in unser religiöses Bewusstsein. Die unkontrollierbare Informationsflut zerschellt am Steilufer der sensationsschwangeren Medien. Der Macht des Klimawandels: Da kam ein Wind, gross und stark, der die Berge zerriss und die Felsen zerschmetterte. Dann kam ein Erdbeben und nach dem Erdbeben ein Feuer. Danach kam ein leises Wehen. Gott war jedoch in keinem dieser Naturereignisse, sondern in der Stille eines schwachen Lüftlein nach der grossen Zerstörung. So kann man den Bibeltext verstehen. Hier werden Naturgewalten beschrieben, gegen die es kein Mittel gibt, sie geschehen einfach. Aber Gott ist nicht in diesen Naturgewalten auf einem Rachefeldzug gegen die sündhafte Menschheit. Gott hat ein Regelwerk in seine Schöpfung eingebaut, dass das Lebendige immer wieder zu Reformen unter neuen Erkenntnissen zwingt, um den Überlebenskampf zu aktivieren. Festgefahrene Systeme müssen auf Grund äusserer Einwirkungen immerzu hinterfragt werden. Des Lebens grösste Kraft liegt im Überleben. Der Mensch musste seit jeher in der Unsicherheit vor Naturgewalten leben. Naturgewalten die einen Stempel in der Geschichte hinterlassen haben. Der Ausbruch des Vesuv, der Untergang Pompeji, die kleine Eiszeit, das Erdbeben von Lissabon, die Zunami etc. Der schleichende Klimawandel, im sechzehnten Jahrhundert lässt sich naturwissenschaftlich erklären. Erwiesenermassen herrschte eine gesteigerte vulkanische Aktivität. Ein Vulkanausstoss erreicht die Stratosphäre und breitet sich dort aus. Das enthaltene Schwefeldioxid wird durch photochemische Reaktionen in Schwefelsäure umgewandelt. Das Resultat verringert die Kraft der Sonneneinstrahlung. Es kommt zu einer massiven Temperaturänderung, die das ganze Ökosystem nachhaltig verändert. So wird angenommen, dass die gesteigerte Vulkantätigkeit dieses Phänomen «kleine Eiszeit» initiiert haben. Die Wissenschaft ist heute in er Lage durch Simulationen Modelle zu entwickeln, die solche Annahmen bestätigen. Trotz allem Wissen um die Ursachen klimatischer Veränderungen, können diese Naturgewalten nicht gebändigt werden. Die Schuldzuweisung: Als die Ernten verfaulten und die Bauern, der dritte Stand im Sozialsystem des sechzehnten Jahrhunderts, dem Hunger nicht mehr trotzen konnten, musste etwas geschehen. Dass die zusätzlichen menschengemachte Katastrophe in den Sog der Ohnmacht geriet ist nicht Zufall. Ich meine die Katastrophe der göttlichen Schuldzuweisung. Die Geschehnisse generierten einen dringend notwendigen Paradigmenwechsel des damaligen Gesellschaftssystems. Im Zuge der
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natürlichen Klimakatastrophen kamen Krankheit, Krieg und Elend. Die Bauern, die für ihre Lehnherren die Nahrung beschaffen mussten, die für ihre Fürsten in den Krieg ziehen mussten, vermuteten in dieser ausweglosen Situation die Strafe Gottes für ihr sündhaftes Leben. Der Klerus witterte Morgenluft, den ihr Stand war gebildet. Der naive profane Bauer nicht. Sie unterstützten die Ansicht der Not leidenden, dass dieses Elend eine Strafe Gottes sei. Das Resultat endete in einer grauenvollen Verfolgung von Hexen und Wetter-Zauberern. Sogar ein Lehrbuch wurde verfasst, um diesen Irrsinn zu legitimieren, der «Hexenhammer». Die zwei Stände, Klerus und Adel überlebten, die Bauern waren die grossen Verlierer in diesem Welttheater. Durch die Lehren Luthers angestachelt, durch den Fanatismus von Luthers Weggefährten Münzer gefördert, kam es zum Aufstand der Bauern. Plötzlich richtete sich die Schuldfrage gegen die Herrschenden. Die jedoch nach dem Abfall Luthers gegen die Bauern ob siegten. Ich vermute, dass ohne den Klimawandel die Geschichte nach dem sechzehnten Jahrhundert ganz anders entwickelt hätte. Eine immer wieder erfahrene Tatsache bleibt, Gott lässt sich in keine Schuldzuweisung verwickeln, denn er ist der Herr. Und heute: Wiederum stehen wir vor einer unberechenbaren klimatischen Zukunft. Diesmal ergibt sich eine Verlagerung der Schuldfrage. Die Überbevölkerung der Erde, der Masslose Raubbau an den natürlichen Ressourcen der Erde, die massive Umweltbelastung durch Überproduktion und Wohlstand, setzten sich ins selbe Boot wie die natürlichen Umweltkatastrophen. Wieder werden Schuldige gesucht, der Unsinn nimmt kein Ende. Die Kirchen haben ihre Macht verloren, um den Menschen eine Strafe Gottes vorgaukeln. Diesmal gehen sie gemeinsam mit der säkularen Welt, wort- und sinnlos einer möglichen Umweltkatastrophe entgegen, deren Ausmass sich nicht voraussehen lässt. Die Aufgabe der Kirchen wäre es Hoffnung und ethische Verantwortung zu übermitteln. Diese beschäftigen sich jedoch lieber in den Mauern ihrer selbst, um den eigenen Untergang aufzuhalten. Die Öffentlichkeit delegiert die Verantwortung an die Politik. Trotz der Tatsache, dass Verantwortung nicht delegierbar ist. Die Politik trifft sich zu erfolglosen Klimagipfeln. Der Souverän sagt sich schon im Vorfeld: «Das sind nutzlose Machtdemonstrationen der Herrschenden, es wird nichts ändern». Das ist die eigentliche Katastrophe einer gleichgearteten Ausweglosigkeit wie vor 700 Jahren. Nur mit dem Unterschied, «es ging weiter»! Dann bleibt die Hoffnung, Gott war nicht im Sturm, im Feuer und im Erdbeben, sondern ganz leise auf der Seite seiner Schöpfung. Da wir nicht in die Zukunft schauen können, bleibt genau wie damals die Hoffnung, dass Gott seine Schöpfung nicht selbst zerstört. «Er lässt uns nicht im Stich!» Ergänzungen: Eine kleine Biographie: Berufe: Geboren 1m 23. Februar 1941, in Menziken AG. Ich entstamme aus einer ansässigen Fabrikanten- Familie in Menziken. Normaler Schulverlauf, Schüler an der Bezirksschule des Kanton Aargau. Meine Familie wollte, dass ich ein Studium aufnehmen würde. Ich wollte jedoch meinen eigenen bestimmen. Als Hilfsarbeiter in einer Grossschreinerei in Menziken begann ich das Basisleben zu spüren. Kurze Studienaufenthalt an einer Handelsschule. Ich absolvierte danach eine vierjährige Berufslehre als Automechaniker. Weiterbildung zum Flugzeugmechaniker bei den Eidgenössischen Flugzeugwerke in Emmen. Weiterbildung für Betriebstechnik in Luzern. Einstige als technischer Betriebsassistent in der Aluminium AG Menziken. Berufswechsel, Aufnahme als Berufsunteroffizier und Weiterbildung zum Fachlehrer für Automobiltechnik. Einsatz als nebenamtlicher Berufsschullehrer in Interlaken BE. Weiterausbildung zum Informatiker bei der Gruppe für Generalstabsdienste in Bern. Projektleiter des Gefecht Simulators KOMPAS, der Schweizer Armee.
Weiterausbildung im Nachrichtendienst der Generalstabsdienste Bern. Als Diplomat und Assistenten des Militärattaché in Washington D.C. USA. Eintritt in die Sektion operative Schulung der Armee, als Informatikspezialist und Administrator. Mitarbeit im Forschungsteam für Militärische Führungs- und Informationssysteme MILFIS. Berufung: Ab 2013 Aufnahme theologischer Vorlesungen im Fach Dogmatik, bei Frau Prof. Dr. Barbara Hallensleben. Seit 12 Semester meinem Vorsatz treu geblieben, mindestens 12 Semester durchzuhalten. Mitarbeit auf als Freiwilliger in der Pfarrei St. Marien in Thun. Verheiratet mit Anne, zwei Söhne. Einer ist Jurist mit eigener Praxis in Thun und andere hat eine Professur an der University of Northern Texas in den USA.
Quellen: Biografien, Daten zum Teil aus Wikipedia und eigenen Unterlagen und Recherchen. Fotos/Bilder: aus dem Fundus der Google-Fotosammlung: «für die Wiedergabe freigegeben» Referenzen aus den Vorlesungsunterlagen der Frau Prof. Dr. Barbara Hallensleben, Universität Fribourg. Zitate aus diversen eigenen veröffentlichter Artikel zu Handen der Medien. Berichte aus offiziellen, nicht GEHEIMEN Nachrichten, im diplomatischen Dienst zu Gunsten des militärischen Nachrichtendienstes der Schweizer Armee und einer guten Portion Lebenserfahrung. Goldiwil, 06. Januar 2020 Hans H. Weber
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